Nassauische
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Freitag den 5. April
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Bestellungen auf das mit dem 1. April begonnene neue Quartal der „Nassauischen Allge- meinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in den Stand gesetzt ist, von vornherein vollständige Exemplare zu.liefern.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme ?rd Sonntags. — Der vierteljährige Pränumerationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzoglhumS Nassau, des Großberzogthumâ und KurfürstenihumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 3 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Berwaltnngsgebietes 8 fl. IO fr. — Znsera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellerr» berg'schen Haf-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
' Uebersicht.
Die österreichische Univcrsalmonarchic.
Deutschland. Darmstadt (Der Stausische Prozeß. Gerüchte über den Rücktritt vom Maibündniß). — Stuttgart (Uebereinkommen über di- Revision der Verfassung). — E rfu r t . („Di-. nächst- Zukunft des deutschen Bundesstaates"). — Berlin (Vermischtes). — Schwerin (Rücktritt des GesammtministeriumS. Beschluß der BundeS-Zentral- Kommission).
Frankreich. Pari S (Vermischtes)..
Amerika. Neu-Jork (Sklävenfrage. Die ungarischen Flüchtlinge).
Die österreichische Univerfalmonarchie.
I.
□ Wiesbaden, 4. April. DaS Wiener Sabines hat seine Zustimmung zu dem Münchener Projekt an die ausdrückliche Bedingung geknüpft, daß Oesterreich mit seinem gesamnnen Länberkompler dem neu zu bildenden Slaateudund beitrete.
Das Wiener Sabines hat sich bemüht, in der Antwort auf die SoUeftivnote der verbündeten königlichen Regierungen die Vortheile zu schildern, welche Deutschland aus dem sogc« ffalteten Beitritt Oesterreichs erwachsen würden. Bei Dingen, die sich , von selbst verstehen, pflegt man sonst die Sache selbst für sich .sprechen zu lassen. Wir halten daher die geschilderten Vortheile schon deßhalb nicht für so überwiegend, als sie daS Wiener Sabines darzustellen sucht. Von einer Prüfung und Abwägung dieser Vortheile kann aber nicht die Rede seyn, weil die im Vierkönigsbünbniffe vorge, schlagene Form deö StaalcnbunbcS den gerechten Forderungen und Erwartungen der Nation nicht entspricht; weil die lose Gliederung des StaatenbundeS den größten Theil der ange- rühmten Vortheile ohnehin zu nichte macht. Diese Vortheile bietet unS auch ein bloß völkerrechtliches Bündniß mit Oesterreich , nach dessen Abschluß wir gar nicht zu buhlen brauchen, indem eS zu sehr im Interesse Oesterreichs liegt, mindestens ein solches Verhältniß Deutschland gegenüber sich zu sichern. Die vom Kabinet versuchte L-childcrung der Vortheile soll Deutschland über den Abfall der deutsch-österreichischen Provinzen trösten, der mit der Annahme deS gemachten Vorschlages unausweichlich verknüpft ist. ES handelt sich hier daher nicht um eine Vergrößerung, sondern um eine Verkleinerung Deutschlands; nicht um eine Kräftigung unseres Staalenver» einö, sondern blos um eine Kräftigung Oesterreichs.
Der österreichischen Regierung ist nämlich die Neugestaltung Deutschlands im Sinne deö VierkönigSbündnisscS nicht Zweck, sondern nur Mittel. Ihr großer von jeher verfolgter
Zweck ist die Errichtung einer österreichischen Unioerfaimonar« chic. Die Erreichung dieses Zweckes ist die Grundbedingung der staatlichen Eristenz Oesterreichs, und der daraus hervorgehende kategorische Imperativ ein hinreichender Entschulkigungsgrund für die unvertrogene Fortsetzung dieses SpsiphuswerkeS. DaS vorliegende Projekt ist daher nur ein Schritt weiter aus dieser Bahn, und nur zufälligerweise läuft der durch die Zeitereignisse der österreichischen Regierung vorge'schriebcnc Weg mit dieser Bahn zusammen.
Die Ereignisse der letzten zwei Jahre nöthigen nun dieselbe , daS Verhältniß zu Deutschland nach den Gesetzen der Selbsterhal.ung neu zu regeln. Es handelt sich darum, die deutsche n Ländertheile Oesterreichs Deutschland zu entfremden ; den nach Außen hinneigenben Schwerpunkt derselben in eie Mitte zu verlegen; die nationale Bewegung der d e u ts ch e n Bevölkerung dadurch zu lahmen, oder wenigstens der nationalen Färbung zu berauben, daß ihr bloß ein osterr eich ische â Deutschland als Zielpunkt gesteckt wird; jener der nicht deutschen Nationalitäten aber die Berechtigung dadurch zu entziehen, daß Oesterreich sich durch den Eintritt in den deutschen Staalendunb als b e u 11 de e d Oesterreich proklamirt.
Eine Loßreißung von Deutschland bei fortwährender Ausbeutung des ganzen moralischen und politischen Einflusses/ een Deutschland seit jeher aus Oesterreich geübt, daS scheint unS die Ausgabe, die nun der österreichischen Diplomatie gestellt ist und deren Lösung durch die Gründung einer Univcrsaimo« narchie, die sich an Deuischlaub als ihren Stützpunkt aulehi.it, in dem erwähnten Projekt mit vielem Glück versucht würde.
D e u t s ch l a n V.
Darmstadt, 2. April. (D. Z.) Der Stauff'sche Prozeß. 17. Sitzung. Nachmittags von 3 bis 5 11 br. ES wurde zuerst, vermöge der diskretionären Gewalt des Präsidenten, vernommen der Anwalt deS Grafen Görlitz, Advokat Weller, der ihm die Vorstellungen beim Hofgerichte eingereicht hatte, worin der Graf in Folge der verleumderischen Artikel deS „deutschen Zuschauers" in Mannheim, welche ihn deS Mordes seiner Gemahlin beschuldigten, gerichtliche Untersuchung verlangte, die dann endlich auch erfolgte. Man vernimmt aus den Aussagen deS Herrn Weller, daß der Graf zuerst in Mannheim gegen die Redaktion jenes Blattes klagen wollte, allein ein dortiger Anwalt erwiederte , eine Klage auf Verleumdung werde keinen Erfolg haben und eine solche auf Ehrenkränkung sehr problematisch seyn ! Herr Weller wird morgen noch einige Auskunft geben über bie Zeit, wann der hofgerichtliche Erlaß wegen Aufnahme der Untersuchung dem Grafen bekannt wurde. Es wurden hierauf drei nachträglich von der Staatsbehörde geladene Zeugen vernommen. Apotheker Dr. Winckler und