Einzelbild herunterladen
 

gegenseitige Vertrauen wird wieder einkehren und bei uns heimisch werden, Handel und Wandel wird sich wieder heben. Wir werden leidenschaftslos das Gebotene prüfen; wir werden berücksichtigen, daß, wenn eS auch noch mangelhaft, es doch immer ein Anfang ist und daß ohne diesen kein Ende denkbar.

Sind wir erst auf diesen Punkt gelangt, dann steht es nicht mehr jo trostlos um unser gemeinsames deutsches Vater­land , dann sind wir auf dem besten Wege zur Einigung.

Wir kennen den kranken Zustand der Gesellschaft; prüfen wir nunmehr, was uns geboten wird, das Uebel zu heilen und wer eS uns bietet. Als Preußen die Anarchie in Deutsch­land zu Boden gedrückt hatte, da zeigte es uns in seinem j Entwürfe einer deutschen Reichsverfassung den Weg, die deut­sche Einheit zwischen Fürst und Volk zu vereinbaren. Wenn gleich dieser Entwurf in manchen Punkten noch schwach ist, so hat er doch daS Gute: er lehnt sich an die Reichsverfassung der ehemaligen Frankfurter Reichsversammlung an und ist mit Rücksicht auf die damals bei seinem Erscheinen fast überall durch die Umstände und Zeitverhältnisse gebotenen AusnahmS- Zustände, immer eine Gabe, die wir zur weiteren Vervoll­kommnung füglich annehmen können. Dieser Entwurf ward uns am 28. Mai v. I. durch die Regierungen von Preußen, Hannover und Sachsen geboten und die meisten kleinen deut­schen Regierungen schlossen sich im Laufe des Jahres diesem Bündnisse an. Als Preußen endlich am Schluffe des ver­stossenen Jahres Ernst mit dem Ausschreiben eines Reichstags machte und als Sitz desselben Erfurt bezeichnete, erklärten Hannover und Sachsen sich gegen die Ausschreibung dieses Reichstags, weil eben Bayern und Würtemberg, so wie auch Oesterreich dem Bündnisse noch nicht beigetreten wären. Sie gingen auf diese Weise, ohne eS zu wollen, mit der Demo­kratie Hand in Hand, welche bereits erklärt hatte, bei der Wahl der Abgeordneten zum Erfurter Reichstage sich nicht zu betheiligen.

Die süddeutschen größeren Fürsten boten Alles auf, das Zustandekommen jenes Reichstags zu hintertreiben, ja Oester­reich legte sogar einen energischen Protest dagegen beim Kabinet zu Berlin ein, so daß man hätte glauben sollen, es werde so­fort den preußischen Staat mit Krieg überziehen. Man ließ es beim Worte bewenden. Der Reichstag ist zu Erfurt vor Kurzem eröffnet. Preußen hat faktisch den Beweis geliefert, daß eS sich weder durch Drohungen der Kabinete einschüchtern, noch durch den passiven Widerstand der Demokratie beirren läßt. Es weiß, was es will, ein einiges, starkes Deutschland. Kein Mittel ist, wie schon gesagt, unver­sucht gelassen, öffentlich und im Geheimen die Politik Preußens in der deutschen Frage zu verdächtigen; und als man endlich einsah, daß alle Versuche, vie man angestellt, an dem festen Willen Preußens scheiterten, trat auf einmal es sind wenige Wochen ein neues Dreikömgsbündniß auf, um Deutsch­land auf Grund früh.rer Bundesbcschlüsse mit einer revidirten Bundesverfassung zu beglücken. Wir haben nunmehr ein altes und ein neues Dreikönigsbündniß, welchem letzteren Oesterreich vor ungefähr 14 Tagen offiziell beigetreten, und haben daher zwischen beiden die Wahl. Das erstere Bündniß bietet dem deutschen Volke einen, wenn gleich zur Zeit noch unvollkom, menen Einheitsstaat; also doch einen Anfang zum Fort­schritt; daS Letztere dagegen will den alten Bundestag mit allen seinen Gebrechen wieder in's Leben rufen. Auf jener Seite kommt uns das Gebotene vurch Preußen, hier durch Oesterreich. Auf welcher Seite wir daher zu wählen haben, dürfte nicht schwer fallen, denn ein bekanntes Sprichwort sagt: Von zwei Uebeln wähle das kleinste." Für Preußen spricht seine Vergangenheit. Es war von jeher eifrigst bemüht, den materiellen Interessen des Volkes volle Rechnung zu tragen. Ein schlagendes Beispiel wahrhaft deutscher Gesinnung war die Schöpfung des Zollvereins durch Preußen. Was that hingegen Oesterreich? Es isolirte sich bis auf diesen Augenblick; es betrachtete Deutschland in gewerblicher und kommerzieller Hinsicht als Ausland, und wenn es gegenwärtig mit Deutschlanv liebäugelt, so ist dies erklärlich. Oesterreich ist gegenwärtig, dies wird Niemand in Abrede stellen wollen, einem Bankerott nahe und kann sich nur durch Deutschland Hülfe schaffen. DaS ist die wahre augenblickliche Sachlage in der deutschen Frage.

Deutschland.

** Vom Taunus, 1. April. Der Nachwinter ist diesmal so heftig und nachdrücklich hereingebrochen, wie es in so später Jahreszeit in unsern Breitegraden nur selten vorkommen mag. Am östlichen Abhang des Westerwaldes war gestern noch die ganze Landschaft mit fußhohem Schnee bedeckt und die Eis­decke , welche sich in den schneidend kalten Nächten über die Bäche und Weiher legte, konnte von dem warmen Sonnen­strahle über TagS nicht wieder aufgethaut werden. Bei Haint­chen und anderen Orten sind die Wege theilweise dergestalt von Schneewehen zugedeckt, daß die Gemeinden tüchtig schau­feln und graben mußten, um einen gangbaren Weg frei zu legen. In manchen Hohlwegen ist der Schnee zu einer Tiefe von 68 Fuß zusammengeweht. Schon bei Engenhahn mußte der Idsteiner Weg durch eine 4 Fuß tiefe Schneewehe auSge- graben werden. Nur die südlichen Abhänge des Taunus, der Kamberger Grund und einige andere besonders begünstigten Gegenden sind jetzt wieder fast ganz frei von Schnee.

Mainz. Das Mainzer Journal berichtet vom 1. April r Der Schleier, welcher seither auf den am 26. März hier ver­übten Tödtungen ruhte, ist nun gelüftet und die Thäter find entdeckt. Der Verlauf der Sache ist in Kürze folgender: Am Abende des genannten Tages gingen der auf Urlaub hier an­wesende Soldat Wilhelm Scheu von dem Großherzoglichen in Oberingclheim stationirten Detachement, und ein hiesiger Schrift­setzer Namens Wilhelm Hagen ruhig zum Holzthore herein, als sie plötzlich von den bekannten übel verrufenen Subjekten angegriffen warben. Soldat Scheu wurde sofort nach den gewöhnlichen Beschimpfungen zu Boden geschlagen und kam- pfesunfähig gemacht, Hagen, der an der Kehle bedeutende Spuren von den Fäusten seiner Angreifer trug und ganz blau war, zog einen Dolch, sprang an die Wand, deckte sich auf diese Weise den Rücken und verübte nun die unheilvolle That, welche bereits drei Menschen das Leben gekostet hat. Die hie­sigen Gerichtsbehörden hatten sich mittlerweile, als hier keine Spur sich zeigte, an das Großherzogliche Kommando in Ober­ingelheim mit der Anfrage gewendet, ob keiner der dort statio­nirten Soldaten am 26. in Mainz gewesen sey , worauf Schei sofort vortrat, und sich selbst, den genannten Hagen als seinen Genossen angab. Hagen wurde darauf gestern Morgen in aller Frühe verhaftet und legte sogleich ein umfassendes Ge- ständniß ab. Leider gelang eS ihm im Gefängnisse (!) eines Messers habhaft zu werden, womit er sich gestern gegen Abend durch mehrere Stiche todtere. Wir hoffen in den Stand gesetzt zu werden, noch eine ausführliche Mittheilung zu liefern. DaS Gesagte wird indessen schon hinreichen, alle Konsequenzen und Anklagen zu beseitigen, die man schon wieder in landesübli­cher Weise gegen dieverthierten Söldlinge" hie und da er­hoben har.

Kassel, 30. März. Die Nachrichten über Hrn. Hassen­pflugs Thätigkeit in Erfurt leiden noch immer an dem Man­gel der Vollständigkeit und Bestimmtheit. Wir glauben jedoch, so schreibt dieNeue Hess. Zeitung," einstweilen beiläufige Aeußerungen in verschiedenen Briefen zuverlässiger und wohl- unterrichterer Personen nicht vorenthalten zu dürfen. DaS Auftreten HassenpflugS im Verwaltungsrath hat einen ungün­stigen Eindruck gemacht; weder seine Persönlichkeit, noch seine Art, sich über die Bündnißverhältnisse zu äußern, hat nach übereinstimmendem AuSspruch Gefallen erregt. Derselbe soll bald nach Erfurt zurückzukommen beabsichtigen. Hr. Wetzell hat, wie wir hören, seinen Austritt aus dem VerwaltungS- rath angezeigt. So würde denn im Verlaufe weniger Wo­chen schon der fünfte Kommissär in den Verwaliungsrath treten.

Karlsruhe, 1. April. Unter dem 15. März hat daS Mi. nisterium die Wiederaufhebung des Verbotes deS Frankfurter Journals verfügt.

Stuttgart, 30. März. Gestern ist der bisherige Gesandte in Berlin, Hr. v. Hügel, hier angekommen.

München, 30. März. Das neueste Regierungsblatt bringt eine Bekanntmachung, welche den Finanzbeamten und Bediensteten wegen ihres Benehmens während des Aufstandes in der Pfalz die Allerhöchste Anerkennung ausspricht; einzelner dieser Beamten ist das Ritterkreuz des Verdienstordens vow Heiligen Michael verliehen.