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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Jl£ 79. Donnerstag den L. April 1S5O»

Bestellungen auf das mit dem 1. April begonnene neue Quartal derDtaffauifchen Allge­meinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in den Stand gesetzt istvon vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rationSpreiS ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Laudgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fL, in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen VerwallungSgebieteS S fi. IO fr. Jnferate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Sch elleu» berg' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Ein Wort zur Verständigung.

Deutschland. Vom Taunus (Der Nachwinter). Mainz (Tödtun- gen). Kassel (Haffenpstug's Thätigkeit in Erfurt). Karlsruhe (Das Frankfurter Journal). Stuttgart (Ankunft des Baron von Hügel). München (Belobung der Finanzbeamtin in der Pfalz). Erfurt (Parlament). Berlin (Die dänische Frage). Wien (Ministerium).

Spanien. Madrid (Veranlassung der Rückberufung des Pater Fulgencio). Italien. Turin (Diner bei dem englischen Gesandten).

Ungarn. Pcsth (Verhaftung des Tänzer Veßter Sandor).

Amerika. Neu-Vork (Angriffe gegen Herr Bulwcr^ Buen»s- AyreS (Rücktritt des Präsidenten Rosas).

Ein Wort zur Verständigung.

</* Die politischen Parteien haben sich seit Jahr und Tag scharf geschieden. Allein wenn sie, was das Prinzip an- belangt, auch noch so schroff einander gegenübcrstehcn, wenn sie selbst mit tödllichem Hasse sich verfolgen, wenn es den Anschein gewinnt, als ob eine unübersteigliche, tiefe Kluft sie trenne; so giebt es doch ein Etwas, das sie einander näher führt, sie auf einen gemeinsamen Weg leitet, und dieses Etwas ist das materielle Wohlergehen des Einzelnen, wie der Gesammtheit. Auf dem Wege zu diesem Ziele begegnen sich die Demokraten, die Konstitutionellen und die Reaktionäre. Die Einen wie die Anderen streben nach einer Verbesserung ihrer materiellen Stellung in der Gesellschaft und daher, abgesehen von allem Partikularismus, nach einer Ver­besserung der gesellschaftlichen Zustände im Allgemeinen. Und I keine Partei drängte gerade seit dem Jahre 1848 mehr nach diesem Ziele, als die demokratische. Aber ob die eine oder die andere Staatsform diejenige ist, unter der wir daS Ziel unserer irdischen Wünsche erreichen; ob die Republik, ob die konstitutionelle oder die absolute Monarchie es ist, unter deren Schutz und Schirm wir die allgemeine Wohlfahrt der Gesellschaft erlangen werden, wer kann, wer will es mit Ge­wißheit voraussagen ? Die Geschichte der verschiedenen Staa­ten von den ältesten bis auf die neuesten Zeiten zeigt uns unter allen Formen, welche die StaatSeinrichtungen auch hat­ten und noch haben, daß etwas Vollkommenes bis jetzt nicht dagewesen und auch wohl schwerlich jemals in'S Leben treten wird; denn was deS Menschen Geist und seine Hand auch schaffet, es ist doch nur eitel Stückwerk. Ein Eldorado staat- * licher Einrichtungen können wir unS wohl in den schönsten, roscnfarbigsten Bildern vor die Seele malen, mit andern Wor­ten : träumen; allein verwirklichen werden wir eS nie. Darum

sind wir auch der Ansicht , daß wir unter den obwaltenden Zeitverhältnissen das Gebotene annehmen, um wenigstens einen Boden zu haben, auf dem mit der Zeit das staatliche Gebäude zu Stande gebracht werde, um den endlosen Wirren, welche das Vaterland im Innern zerspalten und nach Außen schwächen, ein Ziel zu setzen. Die Geschichte der beiden letzt vergangenen Jahre hat eS uns durch eine Menge schlagender Beispiele bewiesen, daß weder die eine noch die andere der verschiedenen Parteien für sich allein ein möglichst vollkommenes Ganzes gebildet, noch etwas Vollkommenes geschaffen; denn eine Grsellschaft in der Gesellschaft ist aber nur ein Theil von dieser und daher kein Ganzes. Weder die Demokraten, noch die Konstitutionellen, noch weniger aber die Männer des Rück­schritts bilden für sich allein die Staatsgescllfchaft; diese um­faßt Alle mit einem gemeinsamen Bande; in dieser soll daS Soderinteresse dem gemeinsamen geopfert werden, denn daS Wohlergehen der Gesammtheit schließt ja auch das des Ein­zelnen in sich. Wir sagten vorhin: daß wir das Gebotene annehmen müßten , um vor allen'Dingen einen festen Boden zur Aufführung deS neuen staatlichen Gebäudes zu gewinnen.

Es frägt sich daher, was uns geboten wird, wer eS unS bietet, und ob es auch dem Neubau zum Grunde gelegt werden kann, ob unter dem Schirme des Gebotenen eine Re­gelung und Verbesserung unserer, leider nur zu sehr zerrütte­ten, gesellschaftlichen Zustände möglich ist.

ES soll ein krankhafter Zustand der Gesellschaft durch das Gebotene gehoben werden; wir müssen daher vor allen Din­gen die Ursachen zu ergründen suchen, welche jenes Leiden hervorgerufen.

Dies hält keineswegs so schwer, wenn man das Leben und seine Leiden und Freuden kennen gelernt und selbst em­pfunden hat.

Der allgemeine Verkehr, dieser Lebensweg einer jeden StaatSgesellschaft, liegt gänzlich gelähmt danieder; denn es fehlt zum Theil nicht nur daS erforderliche Vertrauen zur Regierung, es fehlt auch daS Vertrauen der Mitglieder der Gesellschaft untereinander. Dieses, wie ein Krebsschaden an der Gesellschaft fressende Uebel, ist eine Folge deS leidigen Parteihasses und der demselben zum Grunde liegenden politi­schen Meinungsverschiedenheit. Jede Partei wirft der andern vor, schuld an diesen trostlosen Zuständen zu sein; allein sie sieht wohl den Splitter im Auge des Nachbars, aber nicht den Balken im eigenen Auge.

Jede Partei trägt ihr Theil. Lassen wir daher den ge­genseitigen Haß schwinden, da wir als Menschen in der Ge­sellschaft neben- und miteinander leben müssen; geben wir, um unter unS zu einer Verständigung zu gelangen, Jeder vor seiner vorgefaßten Meinung Etwas nach; so wird sicherlich von diesem Augenblicke an, ein wesentlich anderer, ein besserer Zustand eintreten. DaS zur Zeit von unS geschwundene