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Diese Bemerkung ist aber von keinem Protest, keiner Drohung begleitet, und man darf daher annehmen, daß Rußland nicht thatsächlich , wenigstens nicht offen als Gegner der deutschen Union austreten werde. Heute Vormittag hat beim König in Bellevue ein Ministerrath stattgefunben, dem auch Hr. v. Radowitz beiwohnte. Wie verlautet, ist das Ergebniß ein für vle Freunde deS Bundesstaates erfreuliches.

Die Reform meldet mit gesperrter Schrift:Heute Mittag hat in Bellevue bei Sr. Majestät ein Ministerrath im Beiseyn deS Generallieutenant v. Radowitz stattgefunben. Es sind da­bei definitive Beschlüsse über das weitere Verhalten der Re­gierung in Bezug auf die Behandlung der Verfassungsfrage in Erfurt gefaßt worden. Der Minister deS Innern ist gleich darauf auf sein Landgut in der Lausitz abgereist. Hr. v. Ra­dowitz wird morgen Abend wieder nach Erfurt abgehen."

(L. K.) Die von der diesseitigen Regierung nach Kopen­hagen abgegebene Erklärung: daß sie die Beseitigung gewisser Differenzen bezüglich innerer Angelegenheiten der Herzogthümer der Vereinbarung der letztern mit dem Königherzog überlasse, beschränkt die diplomatischen Verhandlungen auf die Basis der gegenseitigen aufgestellten Friedenspräliminarien. Dürfte durch diese Beseitigung einiger Schwierigkeiten auch auf eine schnelle Beendigung der Friedcusverhandlungen gehofft werden können, so darf man sich doch bei dem schleppenden Gange der Verhand­lungen und bei der Zähigkeit Dänemarks, .noch auf ein langes Hin- und Herparlamentiren, das vielleicht doch noch zu keinem Abschluß führt, gefaßt machen.

Nach vollendeter Aufstellung der Reiterstatue Friedrichs deS Großen am Anfang der Lindenallee, soll ein Standbilv des um Preußen verdienten Königs Friedrich Wilhelm I. in Angriff genommen werden. Man bezeichnet den am entgegen­gesetzten Ende der Linden gelegenenPariser Platz" als den Ort, auf welchem dieses Standbilv ausgestellt werben würde.

Der in Folge der Wendung des Waldeck'schen Prozesses zurückgenommene Steckbrief gegen d'Ester wurde wegen anderer mit d'Esters Verhalten in der Pfalz zusammenhängender An­schuldigungen vom Ober-Prokurator zu Köln erneuert. In- zwischen hatte der Verfolgte den hiesigen Rechtsanwalt beim Obertribunal, Justizralh Pfeifer, beauftragt, ihm eine Beschei­nigung darüber zu verschaffen, daß er in Preußen die Befug- niß zur ärztlichen PrariS erlangt habe. Der Minister der Medizinalangelegenheiten, Herr v. Ladenberg, eröffnete dem Bittsteller auf dessen diesfällige Vorstellung, daß nach näherer Erörterung der obwaltenden Verhältnisse, Anstand genommen werden müsse, für Dr. d'Ester eine Abschrift der ihm abhanden gekommenen Approbation zu ertheilen , da einem flüchtigen Verbrecher von den Behörden die Mittel zu seinem Fortkommen im AuSlande nicht gewährt werden dürften.

Schwerin, 29. März. (D. Z.) Die Wuth unserer Jun­kerpartei wider den Erfurter Reichstag ist gränzenlos und ihr Organ, der Norddeutsche Korrespondent, übertrifft an giftigen Angriffen gegen denselben selbst daS unterste demokratische Schmutzblatt. Mehrere Hauptleiter der Partei, namentlich die bekannten Rittergutsbesitzer v. Gölden und v. Vogelsang sind in letzter Zeit öffentlich in München zur katholischen Religion übergetreten und ein dritter, der Hr. v. Bülow, bereitet sich jetzt ebenfalls zu diesem Schritte vor. Auch nach Oesterreich sind in letzter Zeit mehrere unserer adeligen Gutsbesitzer auSge- wandert, nachdem sie ihre Güter hier verkauft haben. Ihr Fortziehen wird allgemein als ein Gewinn für Mecklenburg betrachtet. Das viel verbreitete Gerücht, daß der Bruder un­seres Großherzogs, der Herzog Wilhelm, der als Rittmeister im preußischen Heere dient, dies Land verlassen und ganz in russische Dienste übertreten werde, bedarf noch sehr der Bestä­tigung. In politischer Beziehung ist der Herzog Wilhelm übrigens ganz daS Gegentheil unseres Großherzogs, der sich bekanntlich durch edle Freisinnigkeit und männliche Festigkeit den ehrenvollsten Namen in ganz Deutschland erworben hat.

Den vom Ministerium geforderten außerordentlichen Kredit von zwei Millionen Thalern wird die Abgeordnetenkammer ohne Zweifel bewilligen. Die Kammer selbst hat seit einigen Tagen ihre Osterferien angetreten und wird ihre Sitzungen erst wieder am 3. April beginnen.

Oldenburg, 29. März. Nachdem mit Ende dieses Mo­nats die für den gegenwärtigen Landtag angesetzte Frist abge­laufen und noch die größere Hälfte der Geschäfte zu erledigen ist, ist durch Verordnung vom gestrigen Tage die Dauer deö Landtags bis zum 24. April verlängert.

Wien, 28. März. (D. A. 3 ) Ueber die neuerlich zusam­mengetretene Kommission zur Reform der Bank macht man sich wenig Illusionen. Wer je aus eigner Anschauung die Wirk­samkeit und die Resultate von Kommissionen in solchen Dingen kennen gelernt hat, weiß, wie wenig Energie und konsequente Einheit von ihren Beschlüssen zu erwarten steht. Mehrheits­beschlüsse sind von HauS aus vermittelnder Natur; und im Wunsche, jeder Partei ein Stückchen Recht zu lassen, kommt man in der Regel zuletzt zu Beschlüssen, in denen Anfang und Ende sich wechselseitig paralysiren. Sv wird daS Ende der Bank-Kommission voraussichtlich auch seyn, und man wird die Zeit verloren haben, um die man aufS Neue daS nöthige Han- deln verzögert hat. Die Finanzlage Oesterreichs brauchte so rasche, so waghalsige Schritte, daß wohl die Inspiration deS Einzelnen, aber nie die Ursache einer Mehrheit sie zu fassen vermag.

Es mag gegenüber dem allgemeinen Journalchorus über das neue Bünd niß des Heils der vier Könige, die doch nur drei zu seyn scheinen, auffallend bedünken, daß wir so beharr­lich uns aufS Schweigen verlegen. Aber wer kann für seine Ueberzeugung ? Nach der unsern ist und bleibt trotz allem Schönreden, Gesandtenreisen, Kollcktivnoten und offiziellen Zustimmungsfanfaren das ganze Bündniß in den Händen der Eingeweihten ein nach guten alten Rezepten zusammengesetztes Sprengpulver, bestimmt zu verpuffen, es mag nun dir ge­hoffte Sprengkraft entwickeln oder nicht. Wer noch heute nicht weiß, wie das Wollen, Können und Müssen des öster­reichischen KabinetS sich zueinander verhalten, wer nicht be­greift, daß seine einzige überlieferte und wohldurchdachte Aufgabe daS Problem ist, wie man in Deutschland Einfluß behalten und dennoch zu Hause den Einfluß Deutschlands ab­wehren könne; wer nicht sieht, daß die Lösung dieser Ausgabe die einzige Möglichkeit verspricht, durch die deutsche, Allianz die Nationalansprüche der Slawen zu drücken, indessen man diese gegen den Liberalismus der deutschen Bevölkerung brau­chen könne, der verdient bei seiner Meinung zu bleiben. Es ist einmal eine Marotte gewisser absolutistischer Diploma­ten , zu glauben, ein Staat werde stärker dadurch, daß er seinen Nachbar zu einem politischen KaSpar Hauser macht. Das ist der Schlüssel zu so Vielem, waö in der letztern Zeit geschehen. Und so trösten sich unsere Schwarzenberg und Bach selbst bei der augenscheinlichen Unmöglichkeit, auf die Länge auch nur ein formelles Bündniß GesammtösterreichS mit Deutschland aufrecht zu erhalten, mit dem Bewußtseyn an» schlägiger Feinheit. Möge Dessen Deutschland nicht zu spät inne werden!

Spanien.

Madrid, 25. März. Der Pater Fulgencio, Beichtvater des Königs, war bekanntlich mit mehreren anderen Personen nach dem Sturze des eintägigen Ministeriums Cleonard aus Madrid verbannt worden. Seinen Mitverbannten wurde jedoch bald nachher Gnade zu Theil , und nur Fulgencio, der durch seine Intriguen bekannt ist, von Madrid fern gehalten. Gestern ist nun der Befehl, durch welchen ihm die Rückkehr nach Madrid gestattet wird, an ihn abgeschickt worden. Wie wich­tig diese Angelegenheit für das Ministerium seyn muß, geht daraus hervor, daß der Ministerrath sich erst nach mehreren Sitzungen zur Zurücknahme der über den Pater verhängten Maßregel entschloß, obgleich hohe Personen sich für denselben verwendet haben sollen.

Italien.

Neapel, 19. März. Gestern Abend hatten wir das im* posanie Schauspiel, fünf Linienschiffe der französischen Flotte des Miltelmeeres sowie drei zu derselben gehörende Dampfer hier ankommen zu sehen. Schon seit mehreren Tagen war diese Flotte zu Messina signalifirt worden. Sie wird vor­läufig im Golf von Neapel und Baja ihre Station nehmen. Den Oberbefehl über dieselbe führt der Vizeadmiral Persevar DeScheneS.

Livorno, 21. März. WaS man von den Forderun­gen Englands an Toskana sprach, ist nicht bloß leereâ Gerücht; eS ist eine allseitig bestätigte Thatsache, und eS scheint der Ernst, mit welchem England auf Befriedigung sei-