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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 78» Mittwoch den L. April 1850»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Erfurt (Parlament). München (Hr. von Abel in den Ruhestand versetzt. Aufhebung des Kriegszustandes in der Pfalz). Berlin (Russische Note in Betreff der deutschen Angelegenheiten. Ministerrath. BermischteS). Schwerin (Junkerpartei. Herzog Wil­helms Uebertritt in russische Dienste. Bewilligung eines Kredits von 2 Millionen Thaler). Oldenburg (Verlängerung des Landtags). Wien (Reform der Bank. Ueber das Bierkönigsbündniß).

Spanien. Madrid (Rückberufung des Pater Fulgencio).

Italien. Neapel (Französische Flotte). Livorno (Forderungen Englands an Toskana). Mailand (Konferenz zwischen Radetzky und Apponyi).

Galizien. Lemberg (Stimmung der Bevölkerung).

Kroatien. Agram (Bauernaufstand in Ober-Zagorien).

Zeitungsschau.

Die Deutsche Zeitung schreibt: Wir haben bereits von der Weisung an den preußischen Gesandten in Wien ge­meldet, wonach derselbe unterm 25. Februar ermächtigt wurde, in eine Verhandlung mit dem österreichischen Kabinete zur er­wünschten gegenseitigen Verständigung in der deutschen Frage einzutreten. Wlr haben damals auch berichtet, daß diese Wei­sung durchaus an der Basis des Bündnisses über den engeren Bundesstaat festhalte. Indem nämlich dem Winer Ministerium alle Bereitwilligkeit zum Entgegenkommen zu erkennen gege­ben ward, bezeichnete die Instruktion der preußischen Regie­rung als die Schranken, innerhalb welcher sich etwaige Zuge­ständnisse zu halten hätten: die Gleichberechtigung Preußens mit Oesterreich , die Anerkennung des RechtS der Selbstbestim­mung der einzelnen Centimen Staaten in Bezug auf Bündnisse unter einander; die Aufrechthaltung ihrer Souveränetät, so­weit eS das Interesse des GesammtorganiSmus irgend ge­stattet ; die Anerkenntnis; des engern Bundes. Nachdem Preu­ßen innerhalb dieser Umrisse jede Nachgiebigkeit zugesichcrl hatte, durfte man gespannt seyn, endlich die bestimmten An­sichten kennen zu lernen, welche Oesterreich hierauf zum Vor­schein bringen würde. Sie sind jetzt vorhanden und niederge­legt in einer unter dem 15. März vom Fürsten Schwarzen­berg an Hrn. v. Prokesch in Berlin gegebenen Depesche. Oesterreich spricht darin seine Freude auS, daß Preußen das Bedürfniß einer Verständigung so lebhaft anerkenne. WaS aber die gemachten Vorschläge anlange, so sey die kaiserliche Regierung nicht im Stande, sich ausführlicher darüber zu äußern, weil sie dann nur wiederholen müsse, daß nämlich die Bildung des engeren Bundesstaates den Verträgen von 1815 widerspreche. WaS jedoch daS von Preußen geäußerte Ver­langen nach eigenen Vorschlägen betreffe, so sey man erfreut, diesem Wunsche genügen zu können: durch Ueberreichung der Münchener Uebercinkunft, deren Grundlage man vollständig anerkannt habe. Finde auch Preußen diesen Entwurf annehm bar, so sey ein gemeinschaftlicher Vorschlag und die gegensei, tige Verständigung vorhanden.

DieNeue Münch. Ztg." nimmt in der schleSwig- hol­steinischen Streitsache offen für Dänemark Partei. Sie sagt: ES wird nicht leicht möglich werden, den übertriebenen For­derungen derjenigen Partei in den Hcrzogthümern, welche die­selben förmlich und vollständig von Dänemark losreißen will, um sie, wie kein Hehl gemacht wird, dem preußischen Bundesstaate einzuverleiben, fernerhin Vorschub zu leisten, wenigstens nicht von großdeutscher Seite. Der König von Dänemark ist und bleibt Herzog von Schleswig-Holstein und als solcher Mit­glied des deutschen Bundes, so lange der Mannsstamm noch nicht ausgcstorben ist; tritt aber dieser Fall ein, dann erst wird die Frage entschieden werken müssen, wer mit seiner Behauptung im Rechte sey , die schleswig-holsteinische Sonderpartei, oder die dänische, welche, sey es durch diese oder jene Verfassungsform, die Monarchie in ihrem bisherigen Ter- ritorialbestande erhallen wissen will. Dänemark hat auf seiner Seite Bundesgenossen, deren Worte Bedeutung haben und welche schlimmsten Falls durch eine keineswegs zu verachtende Heeresmacht ihrer Ansicht Geltung zu verschaffen sich versucht fühlen könnten. ES wär,e darum, so käucht unS, wohl zu überlegen, ob denn Deutschlands wirklich ein so großes Interesse habe, gegen Dänemark in Waffen zu treten, es auf ewig von dem gemeinsamen Mutterlande, der alten Germania, abzulösen, uhb vielleicht gegen Willen zum Vasallen Rußlands oder Eng­lands zu machen." ic. re.

Die Innsbruck e.r Zeitung vom 27. März steht sich genöthigt, einem im Lande sehr verbreiteten Gerüchte zu wider­sprechen, als solle eine Entwaffnung der Tyroler beabsichtigt werden, und als sey es zur Ausführung bis jetzt nur deßwe­gen noch nicht gekommen, weil Radetzky erklärt habe, er würde eher seinen MarschallSstab niederlcgen, als dieß zugeben. Die Innsbrucker Zeitung erklärt dieses Gerücht für ein absichtlich von solchen Leuten verbreitetes, welche aus dem Mißtrauen Gewinn ziehen wollen. UebrigenS reduzirt sich die Fabel auf eine Aufforderung des Militärkommando'â , alle Gewehre, welche StaalSeigcuthum sind, wieder abzuliefern.

DieOstdeutsche Post" spricht Ich, obwohl ein großveut- sches Blatt, bei Meldung der Eröffnung deS Erfurter Parla­ments folgendermaßen über Preußen aus:Wir gehören nicht zu Jenen, welche bei politischen Gegnern nur die ungünstige Seite sehen und hervorheben, wir wollen dem Muthe und der Energie, mit welchen daS preußische Ministerium seinen Plan trotz der zahllosen Hindernisse zur Ausführung gebracht, nicht die Anerkennung verweigern. Von seinem Standpunkte auS, vom Standpunkte der spezifisch preußischen Interessen hat das Ministerium Brandenburg jedenfalls sich eines bedeutenden Erfolgs zu rühmen. Denn wie groß oder wie klein sich auch die Zahl der ihm treu gebliebenen Verbündeten am Ende Herausstellen mag, im Vergleich zu der Stellung der preußi­schen Macht vor dem März 1848 wird der Gewinn und die Ausdehnung derselben immer höchst ansehnlich bleiben."