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Gnaden der heiligen Jungfrau, der ich schon vor zwei Jah­ren ein Gelübde machte, thaten es. Die Banden der Hölle sind zersprengt, mein Antichrist ist durch meine Mutter im Himmel in den Abgrund geschleudert, mein Glaube wird wach und mein Muth gestählt. Jetzt erst erfahre ich mein Urthe durch meinen Geistlichen, meinen Beichtvater, es lautet: Tod! Mir hat das Blut gezischt, ich glaubte mir eine Bahn durch alle Wände brechen zu müssen; doch mein Glaube, mein Gott, der mich in seinem Sakramente besuchte, flößt mir Muth ein, und welchen Muth. Ich erkenne in seinem Willen das unendliche Gute und bete diesen Willen an. Diesmal will er, daß man mich erschieße. Es geschehe denn. Erwägt nun je­des Wort, das ich geschrieben, denn meine Seele hat sich er­gossen auf dieses Papier. Ich lüge nicht mehr, ich bitte Euch um tiefe Versöhnung, verzeiht mir. Im Grabe gibts keinen Haß mehr. Selig wer im Glauben stirbt, denn in seinem Grabe ruhen Engel, und sie werden ihn im rauschenden Fluge über die Wolken erhöhen und einst einen herrlich geschmückten i Leichnam auf die Richtstäite führen, wo der gefallene Sünder - reumüthiqssank; und diese Leiche muß an jenem großen Tage herrlich zu sehen seyn, wenn selbst meine Seele an Gottes Antlitz gewöhnt, sich mit ihm einigen kann. Vergebt mir! ich habe vor Euch gesündigt und große Verbrechen gegen Euch begangen. Lebt alle wohl! Ewig lebt der Gute, in dieser Hoffnung rufe ich zu Euch! Ein baldiges Wiedersehen! Tausend Grüße! Betet für Euren Theodor."

Dresden, 28. März. Heute hat die s. g. böhmische oder Hussitengemeinde ihre 200jährige Jubelfeier gehalten. Als nach der Schlacht am weißen Berge die blutigste Verfolgung über die Protestanten in Böhmen hereinbrach, flüchteten sie sich in Menge namentlich nach Sachsen, und hier, in Dresden, wurde ihnen im Jahr 1650 zur Abhaltung ihres Gottesdienstes eine eigene kleine Kirche, die Johanniskirche, eingeräumt, in welcher bis noch vor 15 Jahren abwechselnd auch in czechischer Sprache gepredigt wurde. Diese czechischen Predigten indeß sowohl als der Unterricht in der czechischen Sprache, welchen den Kindern der Gemeindemitglieder ein eigener Kantor er, theilte, haben seitdem aufgehört: die Gemeinde ist bis auf wenige Personen herabgesunken. Ihr letzter czechischer Prediger war der bekannte Stephan, der später mit dem größten Theil seiner Anhänger nach Amerika auswanderte und dort noch lange sein Wesen oder Unwesen trieb. Die ganze Gemeinde ist jetzt fast nur als antiquarische Kuriosität zu betrachten.

Berlin, 28. März. (W. Z.) In der dänischen Frage ist neuerdings hier keine russische Note eingegangen. Doch kündigt ein Schreiben des Hrn. v. Rochow in Petersburg eine ausführliche Eröffnung an und berührt zugleich jenes merkwürdige Gespräch mit dem Kaiser, in dessen Augen ein Bruch mit Preußen unvermeidlich sey, wenn es die Her- zogthümer nicht aufgebe.

Die letzte preußische Note, die vor wenigen Tagen nach Kopenhagen abgegangen ist, erklärt, daß Preußen sich bei den weiteren Verhandlungen streng an die von ihm aufgestell­ten Friedenspräliminarien halten, aber nichts dagegen ein­wenden werde, wenn der König-Herzog in Bezug auf innere Angelegenheit eine Vereinbarung mit der Landesvertretung erstreben sollte.

Der bayerische Gesandte in Berlin drängt alle Tage, daß unsere Regierung den kleinen Königreichen auf ihren Ver- faffungsentwurf eine Antwort ertheile. Eine solche ist noch nicht erfolgt, wird auch sobald noch nicht erfolgen. Soll sie aber ertheilt werden, so wird sie im Namen der gejammten Union abgefaßt werden.

Die Forderung der süddeutschen Staaten, BundcStruppen außer den preußischen nach Baden zu verlegen, wird hier (nie schieden abgelehnt, da in Baden kein Kriegszustand mehr ob­walte ; einer gemeinsamen Besetzung der Bundesfestung Rastatt mit Oesterreich ist bekanntlich schon früher nichts in den Weg gelegt worden.

Wien, 27. März. DaS Finanzministerium hat daS Ban- guierhauS Gebr. Bethmann Frankfurt a. M. beauftragt, die Coupons der österreichischen MetalliqueS kursmäßig zu bezah­len. Seit dem Jahre 1848 war das nicht mehr geschehen.

Der Steckbrief gegen Moritz Hartmann,Erdeputirten der Frankfurter Reichsversammlung und Dichter", nennt den­selben alsdes Verbrechens der Mitschuld am Aufruhr recht­lich bcanzcigt", und gibt folgende Personalbeschreibung:

Moritz Hartmann ist gegen 34 Jahre alt, mittlerer mehr magerer Statur, gut gebaut hat ein mageres Gesicht, schwarze mit grauen untermischte Haare; trug einen schwarzen Vollbar^ spricht rein deutsch, und trug einen schwarzen Gehrock und ditto Pantalon. Als besonderes Kennzeichen wurde angege­ben, daß er wortkarg sey."

Wien, 28. März. Man berichtet aus Mailand folgenden edlen Zug des Kommandirenven, Fürsten v. Schwarzenberg. Graf Arena der als Flüchtling in der Schweiz lebte, hatte sich an den Fürsten Schwarzenberg mit der Bitte gewendet, seinen todtkranken Vater nur auf drei Tage sehen zu dürfen. Er verpflichtete sich dabei, Niemand zu besuchen, und wollte sich sogar unter militärische Aufsicht stellen. Der edle Fürst gewährte ihm nicht bloß diese Bitte, sondern gab ihm sogar die Erlaubniß, sich in voller Freiheit zwei Monate in Mailand aufzuhalten.

Italien.

Rom, -23. März. (Allg. Ztg.) Die nahe Ankunft des Papstes in Rom wird durch alle von Neapel und Portici hier eintreffenden Nachrichten bestätigt. Einem französischen Ober­offiziere, der am 18. dieses eine Audienz beim heiligen Vater erhalten hatte und vorgestern von dort zurückgekommen ist, sagte Se. Heiligkeit beim Abschiede, er könne feine Rückkehr für die Woche nach Ostern in Rom bestimmt einstigen. Ein heute hier eingetroffener Brief eines Gesandten beim päpstlichen Hofe, vom 21. dieses, bestätigt ebenfalls die Abreise des Papstes als für die Osterwoche festgesetzt. Kardinal Framoni, Präfekt der Propaganda, ist vorgestern Abend von Portici kommend hier angelangt. Es wird auf der französischen Gesandtschaft täglich der Befehl einer nochmaligen Verminderung des französischen Okku­pationskorps erwartet. Aus den dann noch in Rom befindlichen Truppen, welche nicht über 8000 Mann zählen werden, wird eine einzige Division gebildet werden. General Baraguav will gegen Hälfte Aprils wieder in Paris seyn, obgleich der Zeitraum in welchem ihm nach dem Gesetze gestattet wird von der gesetzgeben­den Versammlung, deren Mitglied er ist, entfernt zu bleiben, erst Mitte Mai's zu Ende geht. Vermuthlich denkt der Gene­ral gleich nach Ankunft des Papstes in Rom mit der Glorie dieses gewonnenen Resultats nach Frankreich zurückzukehren, ohne die muthmaßlich nachher zu erstehenden neuen Verlegen­heiten abzuwarten, deren Beseitigung er lieber einem Nachfol­ger zu überlassen für gut finden wird. Wie in Florenz von der englischen Regierung eine Entschädigung für mehrere, von englischen Unterthanen in Livorno während der Revolutionszett erlittene Verluste geltend gemacht wird, so soll auch in Neapel ein gleiches stattgefunden haben.

Portugal

Lissabon, 19. März. Die Dinge gestalten sich hier im. mer drohender. Der in Ungnade gefallene Herzog von Sak, danha hat sich mit dem Herzoge von Palmella in der offenba­ren Absicht verbunden, durch einen Militäraufstand Costa Ca- brai zu stürzen oder wenigstens durch militärische Demonstra­tionen den Hof cinzuschüchtcrn und ihn zur Entlassung deS Cabralschen KabinetS zu nöthigen. Mißlingt dieser Versuchs so darf man der Verbannung Saldanhas entgegensetzen.

Griechenland.

Athen, 19. März. Mit der gestern eingetroffenen fran- zösischen Post hat man hier Nachricht erhalten, daß die Unter­handlungen zwischen Herrn Drouyn de LhuyS und ^ord Pal­merston zu Boden in Betreff derguten Dienste" Frankreichs zu einer Verständigung dahin geführt haben, daß Hr. Wvie, auch in dem Fall wenn er einen von Baron GroS ihm ge* machten Vorschlag nicht annehmen zu können glaube, doch darum kein Recht zu sofortiger Wiederaufnahme der Feind­seligkeiten haben, sondern erst nach London darüber berichte» solle. (N.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.