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wieder hinlenken zur Sonnennähe, so gewiß es ein höheres Gesetz im Leben der Nationen gibt! (Lebhaftes Bravo in der Versammlung.) Die große Aufgabe war und ist es, eine pv- litische Form zu finden, in der die berechtigte Vielheit und die nothwendige Einheit Zusammengehen können, in welcher den einzelnen Staaten kein Opfer zugemuthet wird, was nicht das Ganze wirklich erheischt. Die preußische Regierung kann sich das Zeugniß geben, nach der Lösung dieser Aufgabe redlich gestrebt zu haben. Wie jener obersten Forderung in dem Ver. fassungs-Entwurfe vom 26. Mai entsprochen ist, darüber werden die weiteren Verhandlungen sattsame Gelegenheit zum Nachweise geben.
Allerdings haben wir noch in jüngster Zeit Worte des gehässigsten Angriffs auf diese Vorschläge ncrnehmcn müssen. (Stimmen: Sehr gut! und Bravo in der Versammlung), Worte, die an der Stelle, wo sie ausgesprochen worden, eben so schwer zu begreifen, alS zu rechtfertigen sind. (Allseitiges, lebhaftes Bravo). Ja, meine Herren! Die unparteiische Geschichte wird einst darüber richten, ob Preußen eine andere Leidenschaft dabei gehegt, alS die Liebe zum großen, theuern Vaterlande (Rauschendes Bravo in der Versammlung), ob es einen anderen Zweck dabei verfolgt hat, als den letzten Versuch zu machens die Existenz d.r Einzelstaaten vor den Gefahren zu schirmen, welche die nächste jener historischen Krisen, die im Laufe der Zeiten nie auSbleiben, über sie verhängen wird! (Allseitiges lebhaftes Bravo in der Versammlung). Wir wollen das Urtheil hierüber getrost der Mit- und Nachwelt an- heimstsllen; sie wird auch darüber richten, welche Zwecke und Leidenschaften es sind, die unserem mühseligen, selbstlosen Werke cntgegcntrcten! (Bravo in der Versammlung).
Die Mehrzahl der Deutschen Regierungen zeigte durch die That, daß sie die große Mahnung, die an sie ergangen war, verstanden habe; sie war bereit, die nothwendigen Opfer für die Einigung Deutschlands zu bringen, um dann um so freudiger und zuversichtlicher aus dem neu befestigten Boden zu stehen. Nicht so die Höfe, die seit dem Falle des Deutschen Kaiserreichs den Königstitel erworben haben. (Von allen Seiten Stimmen: Sehr gut! und lebhaftes Bravo.) Dort wurde die Nothwendigkeit, der eigenen Politik im Auslande zu entsagen, damit ciue^dcutsche Politik an deren Stelle träte, nicht zugegeb n. Auf ihren eigentlichen Kern zurückge- führt, bestimmten sich die Entschlusse dieser Höfe durch !M- entschiedene Abneigung, die unerläßliche Einheit der Erekutiv- Gewalt anzuerkennen und sie den Händen Preußens, selbst unter den streng abgemessenen Beschränkungen deS Verfassungs- Entwurfs, anzuvertrauen.
Die Königl. Bayrische und Würtembergische Regierung lehnten den Beitritt zum Bundesstaate ab. Die Königl. Hannöversche und Sächsische Regierung entzogen sich der ferneren Mitwirkung zu dessen Realisirung. Wir erkennen die Berechtigung dieser Handlung Seitens der beiden letztgenannten Staaten nicht an; sondern haben dagegen die statutenmäßige Klage erhoben. Aber ihre Abgeordneten sitzen leider nicht unter UNS.
AuS allem diesem ergab sich nun, daß der natürlichste Weg zur Ordnung der deutschen Verfassungösache nicht betre, ten werden konnte; wir konnten nicht von Außen nach Innen gehen, den weitern Bund ordnen und innerhalb desselben den engern Bundesstaat. Nicht einmal zu gleichzeitiger Arbeit an beiden Werken konnte Hand angelegt werden, da nach der Ablehnung der Preußischen Vorlagen kein Gegenentwurf erschien. Sollte nicht die reine Negation übrig bleiben , für die verbündeten Regierungen ein schmâliger Wortbruch im Angesicht der Nation, (Bravo in der Versammlung), so mußte man sich entschließen , umgekehrt zu verfahren, von Innen nach Außen zu gehen. Bei der Bildung aber des engern Bundes mußte man auf die Vereinigung aller rein deutschen Staaten zunächst verzichten und sich darauf beschränken, nur einen Theil dieser Lande in den Bundesstaat nntreten zu sehen.
Ich weiß, meine Herren! daß man Preußen vorwirft, eS habe die günstigen Zeitläufte deS vorigen Jahres nicht ergriffen und benutzt. Der Widerstand lag am Boden; es bedurfte, so schien eS Vielen, nur daß man die Hand auSstreckc, um die deutsche Verfassung aufzunehmen.
Meine Herren! Ich wiederhole, waS an anderer Stelle gesagt worden, Preußen durfte und wollte diese Hand nicht auSstrecken.
Wir haben den langen heldenmüthigen Todeskanipf, den Oesterreich um sein staatliches Daseyn kämpfte, mit Nichts gefährden, ja nicht einmal durch drängende Forderungen er-
nun schließen sich alle reindeutschen Staaten zu einem Bundes- staate zusammen. Dieser ist daS eine Glied im weitern Bunde, die österreichische Monarchie daS andere.
Hieraus folgt, daß die herzustellende Bundesverfassung nichts" enthalten dürfe, was die Bildung des engern Bundesstaates oder die Einheit der österreichischen Monarchie unmöglich machte. Daher Revision der Bundesakte von 1815 unter diesem doppelten Gesichtspunkte. ES folgt aber auch ferner, daß die Verfassung deS Bundesstaates nichts enthalten dürfe, waS die Herstellung eines weiteren Bundes unmöglich gemacht haben würde. Dies war der Plan der preußischen Regierung im Mai vorigen Jahres. Er lag ihren Schritten in Wien und ihren Eröffnungen an die Deutschen Höfe zu Grunde.
Daß er in der Totalität seines Gedankens nicht zur Ausführung gelangte, hat mehr als eine Ursache. In Wien lehnte man die Vorschläge bekanntlich ab. Es ist zu besorgen, daß es manchem unserer Zeitgenossen noch nicht gelingt, auS der beklagcnswerthen Schlußfolgerung herauszutreten: was Preußen in der Neugestaltung Deutschlands suche, könne nur sein eigener Vortheil seyn; was Preußen vortheilhaft sey, das müsse Oesterreich nachtheilig seyn ; also müsse man sich dagegen erheben! (Stimmen: Sehr gut! und lebhaftes Bravo in der Versammlung).
Meine Herren! Wie weit sich auch dieser Gedanke selbst auSgebrcitct haben mag, er ist nichts bestoweniger durchaus irrig. Wir wissen nur zu gut, daß manche achtbare preußische Männer in dem deutschen Gange ihrer Regierung nur Nachtheile für ihr engeres Vaterland erblicken wollen. Allerdings ist auch dieses nur der umgekehrte Trugschluß: was Preußen an Deutschland gebe, daS büße eS selber ein. (Stimmen: Sehr gut! und Bravo in der Versammlung.) Wehe Deutschland, wehe unser Aller Zukunft, wenn eS sich also verhielte! Aber es verhält sich nicht also! (Lebhaftes Bravo in der Versammlung.) Preußen wird nichts verlieren an seiner glorreichen Geschichte, nichts an seiner europäischen Weltstellung, wenn Deutschland in seiner Gemeinschaft erstarkt. (Lebhaftes Bravo in der Versammlung.) Dazu aber kann dieser Irrthum mindestens dienen, daß er den entgegengesetzten beleuchtet, denjenigen, dem wir begegnet sind vom vorigen Mai bis zu dem heutigen Tage.
Aus der Stellung, die das Kaiserliche Kabmet in der Deutschen Frage einnahm, erwuchs ein doppeltes Hinderniß. Der weitere Bund konnte nicht geordnet werden und mehrere | deutsche Regierungen fanden sich in ihrer Abneigung gegen den I Eintritt in den engeren gestärkt. Das führt nun zu der Betrachtung des Verhaltens der übrigen Deutschen Regierungen.
Die Deutsche Nation, meine Herren, hat, wie wir Alle wissen, eine andere Geschichte, als die der sonstigen Europäischen Völker. Während fast überall in den Zeiten, wo der historische Bildungsprozeß der modernen Staaten vor sich ging, das abstrakte EinheitSprinzip siegte, so ist in Deutschland daS Entgegengesetzte geschehen. AuS diesem historischen Prozeß ist eine Mannigfaltigkeit staatlicher Körper hcrvorgegang-n, dies von den beiden Großmächten bis zu den kleineren Gebieten alle Zwischenstufen darstellt. Diese Vielheit, meine Herren, ist nicht nur wahlberechtigt, sondern sie ist auch der Quell, aus dem große und eigenthümliche Vorzüge für unser Volksleben entsprungen sind. Sie vernichten wollen, hieße unsere ge- ! sammle Geschichte verleugnen. (Bravo in der Versammlung.) Gott bewahre unS davor, daß je ein solcher Zusammensturz! alles durch die Jahrhunderte Aufgebaueten den Boden mit seinen i Trümmern bedecke! (Stimmen: Sehr gut und lebhaftes Bravo in der Versammlung.)
Aber neben dieser Vielheit, meine Herren, steht das eben so berechtigte Bedürfniß nach der Ei n h e it. Deutschland darf und muß fordern, daß ein wahrhaftes Gesammtwesen seine einzelnen Staaten umschließe, seine einzelnen ©Heber zu einem lebendigen Körper verbinde. Dieses Bedürfniß ist lange verkannt und den selbstsüchtigen Bestrebungen ausschließlich freier j Spielraum gelassen worden. Ich möchte nicht schwere Erinne- s rungen hier berühren oder die Anklagen wiederholen, von denen I jedes Glied des Ganzen getroffen ward, ich sage jedes! Ein- s mal erweckt, ist der Geist nicht wieder zu bannen; er kann l zeitweise schlummern, zumal wenn er sich eben in wildem Rausche kund gegeben (Bravo in der Versammlung), aber er wird immer wieder erwachen. Die nationale Bewegung kann rückläufig werden, aber, wenn Sie mir das mathematijche f Gleichniß erlauben: die rückläufige Bewegung ist nur schein-! bar, sie gehört einer geschlossenen Curve an, üe muß wieder è rechtläufig werden, sie muß ihre Bahn von der Sonnenferne!