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Schwerin, 21, März. Heute Mittag traf die Herzogin v. Orleans hier ein, nachdem sie sich mehrere Tage in Lud­wigslust aufgehalten. Die Fürstin wird nach einer nur einige Tage dauernden Anwesenheit in ihrer Heimalh sich mit ihren Söhnen nach England begeben.

Oldenburg, 21. März. In der heutigen Sitzung des Landtags theilte dessen Vositzender, Hr. Kitz, ein Schreiben des Ministeriums mit, welche auf den Grund der in demselben ab­gegebenen Erklärung eine abermalige Vertagung der Verhand­lung über die deutsche Angelegenheit beanspruchte. Die Er­klärung lief darauf hinaus, daß die oldenburgische Regierung Herrn Mosle dahin instruirt habe, die Ansicht im Verwaltungs­rathe zu vertreten, daß, so lange nicht Hannover und Sachsen, die man rechtlich noch fortwährend als Gründer des preußisch- deutschen Bundes betrachte, durch schiedsgerichtliche Entschei­dung zur Erfüllung ihrer obliegenden Verpflichtungen verur- theilt seyen, die Erfurter Beschlüsse keinen unbedingten Einfluß auf die Verhältnisse unserer inneren Verfassung in Betracht der eigenthümlichen Lage Oldenburgs üben sollten. Diese An­sicht sey im VerwaltungSrathe anerkannt worden. Dieses Schreiben der Regierung wurde dem deutschen Ausschüsse zur Berichterstattung am morgenden Tage durch Mehrheitsbeschluß zugewiesen und die Berathung bis dahin verschoben. Der Eindruck des eröffneten Parlaments wird inzwischen ebenfalls dazu beitragen, den Landtag zu einer versöhnlicheren Haltung gegen das Berliner Bündniß zu bestimmen.

Hamburg, 22. März. (D. 3»)* Gerüchte im Uebcrfluß, aber auch nichts als Gerüchte. In Bremen sollen unruhige Auftritte stattgefunden haben und mehreren Senatoren die Fen­ster zertrümmert sein; Dänemark soll den Waffenstillstand zum April gekündigt und der Kriegs- sowie der Marineminister die Absicht haben, abzutreten. Die Börse ist in großer Bewegung, aber Genaueres ist noch nicht bekannt.

Wien, 19. März. Der zu 20jähriqcr Festungsarreste in schweren Eisen verurtheilte Bischof von Großwardein, Baron Bem er, ist unter Militäreskorte nach seinem Straforte Ol- mütz abgeführt worden. Wahrscheinlich dürfte es dem Primas von Ungarn gelingen, wenn auch nicht die gänzliche Nachsicht, doch wenigstens eine Milderung der Strafe für denselben zu erwirken. Für den Neu-Sohler Bischof, v. Rudnyanski, der zu sjährigem Festungsarreste verurtheilt wurde, ist bei dem Ministerrathe während seines Transports durch die Re­sidenzstadt die Begünstigung erwirkt worden, einige Zeit in dem Dominikanerkloster unter Gewahrsam bleiben zu dürfen. Diese Zwischenzeit wurde von seinen Freunden dazu benützt, zu seinen Gunsten noch weitere Schritte zu versuchen, welche auch wirklich den gewünschten Erfolg hatten, indem Se. Maje­stät sich bewegen ließ, dem Veruriheilten die Festungsstrafe ganz zu erlassen, mit dem Bedeuten, daß er sich ins klöster­liche Leben zurückzuziehen habe, in Folge dessen er in das Chorhcrrenstift zu Klosterneuburg ausgenommen wurde.

Wiener Blätter und Briefe vom 21. März melden, daß von den daselbst befindlichen Honved die nach Italien bestimmt waren, bereits in Folge der kaiserl. Entschließung viele wieder nach Haus entlassen worden. Die Industrieausstellung in Sach­en wird stark beschickt. DieOestcrreichische Korrespondenz" weist das in Berlinern Blättern wieder auftauchende Mär­chen von heimlichen Hinrichtungen in Oesterreich mit Entrü­stung zurück.

Mädchens und nebenbei auch ihre eigene zu dokumentiren. Aehnliche Fälle kommen hier häufig vor; überhaupt zeigt die Schweiz, daß unter der Herrschaft der republikanischen Prin­zipien die Pflege der Humanität und Gerechtigkeit eben so gut um Jahrhunderte zurückbleiben kann, als in dem despotisch­sten Staate.

Frankreich.

Paris, 22. März. Wie man jetzt erfährt, wird die ver- wittwete Großherzogin von Baden hier die Ankunft ihrer Toch­ter, der Marquise von Douglas, aus England erwarten und ihren Aufenthalt wahrscheinlich bis Ende des nächsten MonatS ausdehnen.

Einen neuen und etwas starken Beweis von dem Umsich greifen sozialistischer Tendenzen im Heer gab zu Grenoble eine Kompagnie Artilleristen, welche in den Straßen umherzogen und mit dem Rufe: Es lebe die demokratische Republck! ihre Kame­raden zur Meuterei aufzureizen versuchten. Die Aufwiegler wurden streng bestraft.

Die Opinion publique enthält die Mittheilung, daß seit dem 13. Mai 1849 im Ganzen 72 Ersatzwahlen stattgefunden haben, und zwar 26 zur Ersetzung gemäßigter und 46 zur Er­setzung demokratischer Kandidaten. Es wurden 47 gemäßigte und nur 25 Oppositionskandidaten gewählt, so daß die konser­vative Partei seit dem 13. Mai 1849 im Ganzen 21 Stimmen gewonnen, die Linke eben so viele verloren hat.

Nachschrift.

* Wiesbaden, 26. März. In der heutigen Sitzung der Stândcversammlung verlas Minist.-Präs. v. Wintzingerode eine Regierungsmiltheilung, derzufolge die Kammer bis auf Weiteres vertagt ist. Die Mittheilung lautete folgender­maßen :

Die Verhältnisse, welche die Regierung verhindern aus dem diesjährigen Landtage schon dermalen in Verhandlung über umfassende Gcsctzgebungsfragen zu treten, sind der Stände-Versammlung bekannt und mit derselben näher erör­tert worden.

Nachdem daher die zunächst erforderlichen Verhandlungen über den diesjährigen Finanzhaushalt des Herzogtums statt­gefunden haben, ist die Regierung nunmehr in dem Falle, auf Grund höchster Ermächtigung die Sitzungen dieses Landtages einstweilen zu vertagen.

Ueber die dcmuächstige Einberufung zu den weiteren Sitzungen und diejenigen GeschäftSgegenstände, welche die Re­gierung alsdann jedenfalls zur Erörterung bringen wird, hat dieselbe sich bereits ausgesprochen. Sie wird hiernach den Landtag, wenn cs früher nicht sollte geschehen können, nicht später als an dem 16. September wieder versammeln.

Wiesbaden, den 26. März 1850.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerium. Wintzingerode. Ler.

vdt. SchweiSgut.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Schweiz.

Man schreibt aus Appenzell: Einen Beitrag zur Ge­schichte der hiesigen Kriminalistik liefert ein vor wenigen Tagen veröffentlichtes, vom 17. Dezbr. 1849 datirtes Leumund s- zeugniß. Ein Mädchen, welches einen ehrenwerthen eidge­nössischen Hauptmann fälschlich beschuldigt hatte, mit ihr in vertrautem und folgenreichem Umfange gestanden zu haben, ward hiernach öffentlich am Pranger ausgestellt mit einem Zaum im Munde und einer Ruthe in der Hand, erhielt fer, ner zwölf Stockstreiche und ward dann auf ein Jahr inSpring­eisen" in der Wohnung ihres Vaters eingesperrt.

Nach Aiisstehung dieser Strafen entfloh sie nach dem Kan­ton St. Gallen und heirathcte dort, worauf sich die väterliche Behörde von Appenzell zur Ausstellung jenes Leumundzeug- niffeS bewogen fand, um vor aller Welt die Schande des

Danksagung.

Von dem von Ihrer Königlichen Frau Hoheit der Herzogin zur Unter­stützung der durch die Ucdcrschwemmungcn beschädigten Rhein- und Lahnbewohuer gestifteten Verein, ist mir zur Unterstützung dürf­tiger , durch die Ueberschwemmungen beschädigten Einwohner von Nieder­lahnstein, Oberlahnstein, Braubach und Camv der nachgewiesenc, nöthige Betrag von 357 fl. 59 fr. Heute baar zur Verwendung zugekommen und noch eine Parthie Leinwand und Kleidungsstücke zugestchcrt worden.

Ich erfülle die angenehme Pflicht den vcrerhrten Frauen, die mich durch ihre Bemühungen in den Stand gesetzt haben, Nothleidenden des mir anvertrauten Kreises zu helfen in eigenem und deren Namen hiermit öffentlich wärmste» Dank darzubringen.

Nassau, den 21. März 1850. Kissel, Kreisaurtwann.