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Deutschland»

:: Weilmünster, den 20. März. Der Artikel in einer der letzten Nummern der Nassauischen Allgem. ZeitungWeilburg den 5. März" erzählt die hiesige Feier des 4. März und ruft in Nro. 66 der Freien Zeitung eine Erklärung des GemeinderatHS hervor. Welche Ansicht der Verfasser jener Mittheilung hatte, soll mir gleichgültig seyn, aber durch die Erklärung des @e« meinderatheS, Die Pfarrer Göllner geschrieben haben soll, ist nach meiner Ansicht die Ehre unseres Ortes vor der Oeffent- lichkeit schlechter vertreten, als dieses durch die einfache, aber wahre Darstellung per Thatsache sicherer geschehen konnte, und wird diese in Nachfolgendem versucht.

Als der Pfarrer Snell in Langenbach von den Assisen freigesprochen war, wollte man von gewisser Seite demselben auch von hier eine Ehrenbezeugung durch Fackelzug erweisen, dessen Ausführung auch erfolgte. Durch diese Huldigung ward der Gedanke hervorgerufen, die Bürgerwehr neu zu or* ganisiren. Eine Bekanntmachung durch die Schelle rief dazu Freiwillige auf den 3. März auf das Rathhaus. Nachdem hier Pfarrer Göllner eine Ansprache an die Versammlung gehalten, wurden die Hauptleute der früheren Bürgerwehr, durchaus rechtliche und unbescholtene Männer, ihres Dienstes entlassen, Apotheker Schumann als würdiger Hauptmann empfohlen und darum auch erwählt. Daß ihm am Abend ein Ständchen gebracht wurde, war anständig.

Den 4. März, den Tag, der so schwer in seinen Folgen auch auf uns lastet, zu feiern, war beschloßen. Am Morgen desselben wurden die deutschen Fahnen auf dem Kirchthurm aufgepflanzt, auch sah man bald eine Fahne auS dem Fenster der Knabenschule flattern, die männliche Jugend bekam frei und rief im Uebermaß ihrer Freude darüber auf der Straße: Freiheit! Aus dem Pfarrhaus wurde geschossen, auch er­schallte wohl hiervon im Flecken ein schwaches Echo, aber man bemerkte doch nur eigentlich Buben, die daran Freude hatten.

Um 1 Uhr Mittags begann die Hauptfeier des Tages. Trommelschlag rief die neue Bürgerwehr zusammen. Sehr bald erschien auf dem Markt auch der neue Hauptmann schon in dekorirtem Wehrmannshut und mit Schleppsäbel. Fast nur Kinder fand derselbe dort versammelt, er mußte seine Mann­schaft noch zusammenrufen lassen und doch erschienen nur 16 Mann. Unter Hörnerklang zog man auf einsamem unv abgelegenem Pfade auf die nächste Anhöhe. Dort hörte man abwechselnd mit Musik schwaches Gewehrfeuer. Ein starker Regen machte der Feier nach kaum einer Viertelstunde ein Ende. Der übrige Tag verlief ruhig.

Noch zu erwähnen ist, daß Weilmünster über 360 Ge­meindeglieder zählt und die Gemeinderäthe E p p st e i n und Friedrich Vonhausen, Männer von anerkanntem Verstand, die Erklärung in der Freien Zeitung nicht mitunterschrieben hatten.

Erfurt, 23. März. (Lith. Corr.) Die dritte Sitzung des StaatenhauseS wurde um 127* Uhr eröffnet. Die Kommissa- rien v. Carlowitz, Vollpracht und Dr. Liebe wohnen ihr bei. Auf der Tagesordnung ist die Bestimmung der Ausschüsse für die Vorlagen deS Verwaltungsraihs. Der Präsident schlägt vor, die Gesetze über die Einrichtung des Reichsgerichts und über Hoch- und LandeSverrath gegen daS Reich einem beson­dern Ausschüsse, den Verfassungsentwurf, daS Wahlgesetz und die Additionalakte aber einem andern zu überweisen. Graf Rittberg führt an, daß noch ein dritter für den Gerichtsaus­schuß geeigneter Gesetzentwurf binnen Kurzem zu erwarten ist, welcher 4 Gegenstânve umfassen wird: eine Zivil- und Straf- Prozeßordnung für das Reichsgericht, und Bestimmungen über die Verantwortlichkeit der Reichsminister und über die Voll­ziehung schiedsrichterlicher Erkenntnisse. Kommissarius Voll­pracht bestätigt dies. Vorgreiflich entscheidend für diese Gesetze ist daS über die Einrichtung des Reichsgerichts, und der Aus­schuß würbe sich daher zunächst mit diesem zu beschäftigen haben. DaS HauS schließt sich dem Vorschläge des Präsi­denten an.

Es wird sodann auf Vorschlag des Präsidenten beschlos­sen, daß der Verfassungsausschuß auS 25, der GerichtSaus, schuß aus 15 Mitgliedern bestehen soll. Der Präsident be­merkt , daß für Die nächsten Tage kein Stoff zu einer Pienar- fitzung vorliege, voraussichtlich also, wenn keine besondern Umstände eintreten, die nächste erst nach dem Feste staltfinben werde.

Die 4. Sitzung des Volksh aus es wird um 127, Uhr vom Alterspräsidenten von Frankenberg eröffnet. Am Tische des Verwaltungsrathes finden sich ein: v. Ravowitz, v. Lepel.

Tagesordnung: Prüfung der Wahl.

ES sind 143 Wahlen geprüft und genehmigt. Auf An­frage des Präsidenten erklärt Hr. v. Radowitz, daß überhaupt 260 Abgeordnete zu erwarten seyen. Da demnach die unbe­dingte Mehrheit anwesend, so setzt der Präsident die Wahl des ordentlichen Präsidenten, der Vize-Prästbenten und Schrift­führer auf Montag 10 Uhr an. (Schluß 178 Uhr.)

Erfurt, 23. März. Das Programm Beckerath- Bodels chwingh hat bereits 110 sichere Stimmen für sich. Die Zahl der Mitglieder des Volkshauses ist gegenwärtig 175, Die preußischen Abgeordneten sind fast alle eingetreten. Die deutsche Partei wird sonach eine große Majorität haben, da an, zunehmen ist, daß sie sich durch die noch rückständige hessische und badische Wahl noch bedeutend verstärken wird. Simson wird am Montag höchst wahrscheinlich Präsident, da H. v. G ti­gern, den man in Aussicht hatte, der aber die Wahl selbst nicht wünschen soll, bis dahin nicht gegenwärtig seyn wird. Anträge im Staatenhaus auf Verschiebung der Be­rathung des Versassungswerkes gegen 4 Stimmen verworfen.

Briefe aus Dresden melden, daß der König von Sachsen die Dddeöurtheile gegen Bakunin und Röckel bestätigt habe. Bakunin soll den Wunsch ausgesprochen haben, wenig­stens erschossen zu werden, doch soll diesem Wunsche micht ge­willfahrt worden sey, die Hinrichtung vielmehr durch daS Schwert geschehen. Derselben Meldung zufolge ist dagegen Heubner begnadigt.

Der d e ssaui sch e Landtag hat sich in Berücksichtigung deS Erfurter Reichstags bis zum 3. Juni vertagt. *

München, 23. März. (A. Z.) Nach den neuesten Brie­fen auS Athen vom 12. März hatten daselbst die am 9. vor­her dem russischen Geschäftsträger zugekommenen Depeschen des kaiserl. Hofes großen Eindruck gemacht und das Vertrauen auf die Zukunft wieder erweckt. Herr Gros war von Körchs- Otto empfangen worden, und stubirte den Grund oder viel­mehr UngrunD Der von dem brittischen Lord erhobenen Rekla­mationen. DieElpis" war mit seinem Verfahren zufrieden, und drückte sich jüngst in einer unverkennbar englischen Jnspi, ration aus daß die Blokade wohl bald erneuert werden dürfte. Es hält jedoch schwer dieß zu glauben. Der sehr chrenwerthe Thomas Wyse befand sich noch immer an Bord derQueen;" nur Hr. Griffith war einmal ans Land gekommen.

Berlin, 23. März. (O.-P.-A.-Z.) Gestern sind in einer mit dem König gepflogenen Berathung noch weitere Beschlüsse in Bezug auf Würtem- berg gefaßt worden. Die Rede des Königs von Wür- temberg hat am hiesigen Hofe eine Wirkung hervorgebracht, welche von den Freunden des Bundesstaates mit Freude be­grüßt wird unv die Hoffnungen derselben in hohem Grabe belebt. Unser König hat sich nun, wie wir mittheilen kön­nen , mit noch größerer Entschiedenheit dem deutschen Bundes- flaute zugewendet, und die Hoffnung des Gelingens deS gro­ßen nationalen Werkes scheint bei ihm in gesteigertem Grade vorzuwalten. Die Schranke der übergroßen Rücksichten ist gefallen.

Berlin, 20. März. (A. Z.) Hr. v. Prokesch hat endlich die österreichischen Vorlagen zu der Münchener Uebereinkunfl dem hiesigen Kabinet übergeben. Sie beschränken sich dem Vernehmen nach auf eine Empfehlung der allgemeinen Grund- züge jener Uebereinkunft. An der Zahl der Bevollmächtigter Der Bundesregierung scheint man weniger zu hängen, sowu man überhaupt in dem Detail sehr große Nachgiebigkeit it Aussicht stellt. Dagegen soll man das entschiedene Begehre: ausgesprochen haben, mit dem ganzen österreichische» Staats gebiete, Italien eingeschloffen, in dendeutschen Bund" zi treten. Dieser würde dann erst die naturgemäße Stellung in europäischen Staalssystcme einnehmen, die ihm schon nach de Intention deS Artikels VI. der BundeSakte zustehe. Mai wird hier wahrscheinlich auf jeder Basis unterhandeln, dab< aber immer von dem engeren Bundesstaate als Angelpunl auSgehen.