Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 72. Dienstag den 2«. März 1850»

Bestellungen auf das mit dem i. April beginnende neue Quartal derAaffauischen Allge­meinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in den Stand gesetzt ist, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume­rationspreis ist in WieSbave», für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern deâ fürstlich Thurn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder Leren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellcu» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Wiesbaden, 25. März.

Dem mehrmonatigen heftigen Leiden Seiner Durchlaucht des Prinzen Mori z von Nassau, Bruder Sr. Hoh. des Herzogs, zu Wien hat am 23. März AbenvS nach 9 Uhr ein sanftes Hinscheiden das Ziel gesetzt. Diese in der letzten Zeit schon befürchtete traurige Nachricht hat Ihre königl. Hoheit die ver- wittivele Frau Herzogin gestern Abend durch den Telegraphen über Berlin erhalten.

U e b e r s i ch r.

Antwort des k. f. österr. Kabinets auf die Kollektivnote der drei Königreiche.

Deutschland. Weilburg (Diebstähle). Karlsruhe (Aus der ersten Kammer. !Oie Verlegung der badischen Truppen nach Preußen von der zweiten Kammer genehmigt). Erfurt (Sitzung des Bvlks- hauseâ. Ausspruch des Grafen Brandenburg). Oldenburg (Dro­hender Abfall vom Dreikönigsbündniß). Berlin (Bedingungen des Eingehens auf das Münchener Projekt). Swinemüudc (Dampf­schiff mit archimedrischer Schraube). Prag (Verschärfung des Be­lagerungszustandes). Von der p o ln i sch e n G r ä chfz c (Rußlands Stellung bei einem abermaligen Ausbruch des dänischen Krieges in Schleswig).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Antwort des k. k. österr. Kabinets auf die Kollektivnote der drei Königreiche.

Wiesbaden, 23. März. Wir wären der Mühe Überhoden gewesen, Randglossen zur würtembergischen Tyron­rede zu schreiben, wenn die Antwort des k. k. österreichischen Kabinets auf die Kollektivnote der drei Königreiche uns früher Vorgelegen hätte. Diese Antwort liefert den besten Kommen­tar zu der Thronrede, und den darin dem deutschen Volk er­öffneten Aussichten. Letztere werden auf folgende drei Punkte präzistrt:

Innigere Vereinigung der einzelnen deutschen Volks­stämme;

Einsetzung eines vereinfachten und in seiner Wirksamkeit kräftigeren Bundesorgans, und

angemessene Theilnahme der Nation an der Gesetz­gebung in gemeinsamen Angelegenheiten."

Um jeder Mißdeutung der hiemit gemachten Zugeständ­nisse vorzubeugen, geht die Erwiederungsnote zugleich auf Erörterung derselben ein, aus der wir folgende Hauptpunkte

hervorheben. Wir bedienen uns hiebei der Worte der Note selbst, weil wir unsere Leser nicht der Möglichkeit berauben wollen, den Verfasser derselben herauSzufinren.

Alle bisher gemachten Versuche, sich auch nur über die Grundzüge einer neuen Bundesverfassung zu vereinbaren, sind fruchtlos geblieben , in Folge dessen eine Verständigung über diese wichtige Frage mit jedem Tage um so schwieriger wer­den mußte, als unter den gegebenen Verhältnissen selbst die Auffindung des hierzu geeigneten Weges immer mühsamer zu werden begann."

Was die erstrebte enge Verbindung aller deutschen Stämme betrifft, dürfte die Erfahrung gelehrt haben, daß die Wege, welch? man eingeschlagen, nitbt zum Ziele führen."

Ebenso wird es nur wenigen Unbefangenen zweifelhaft geblieben seyn , daß die einheitliche Gestaltung Deutschlands, wie sie von Manchen beabsichtigt wurde, nicht nur im Innern bedeutenden, ja vielleicht unüberwindlichen Hindernissen be­gegnen müsse, sondern auch von Außen her, von Seiten der großen Staatengemeinschaft, mit welcher Deutschland in gutem Einvernehmen zu bleiben besorgt seyn muß, ernsten Widerspruch erfahren dürfte."

Es kann daher aus mehr als einem Grunde nur im wohlverstandenen Interesse des Bundes liegen, das sich kund- gkbcnde Streben nach größerer Einigung seiner Glieder auf ein Maß zu beschränken, welches dem wahren Bedürfnisse und den mannig-fachen dieses Maß bestimmenden Rück­sichten entspricht."

Innerhalb dieser Grenzen liegt das Erreich­bar e."

Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Erkenntniß Derselben eine allgemeine Verständigung wesentlich fördern wird. Auch hinsichtlich der sich äußernden Wünsche, durch eine vereinfachte Einrichtung des obersten BundeSorgans und durch eine Vertretung der gesummten Malion größere Bürg­schaften für eine kräftigere Leitung der gemeinsamen Angelegen­heiten zu erlangen, dürften die verschiedenen über die Art der Verwirklichung dieser Wünsche geltend gemachten Ansichten einer Ausgleichung bereits näher gerückt seyn, und hierdurch die gedeihliche Lösung auch dieser Fragen sich das möglich ergeben."

Eine solche Lösung zu vermitteln, scheinen uns die von den drei königl. Höfen gemachte Vorschläge geeignet."

Dieselben beantragen die Bildung eines BundesorganS, welches durch die Vereinfachung seiner Zusammensetzung und durch den ihm zugleich zugewicsenen Wirkungskreis geeignet seyn wird, seiner Bestimmung zu entsprechen, während dessen Einrichtung jede Bcsorgniß vor dem Mißbrauch der ihm ein­geräumten Gewalt beseitigt."

Die Einberufung einer Abgcordnetenversammlung befriedigt daS Verlangen nach angemessener Theilnahme an der Gesetzgebung in gemeinsamen Angelegenheiten."