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Na^aut^che

Allgemeine Zeitung.

M 7L Montag den 23. März 1850*

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Konzession zur Vermittelung des Transports von Auswan­derern betreffend.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Deutschland. Wiesbaden (Landtag). Frankfurt (Die Abberu­fung dcâ preußischen Gesandten aus Stuttgart). Darmstadt (Der Stauffsche Prozeß). Dresden (Urtheilssprüche). Berlin (Die dänische Frage).

Schweiz. Bern (DieNassauer").

Türkei. (Der Aufstand in Bosnien).

Amtlicher Theil.

' Ad Num. 12,300.

Kon -esston zur Vermittelung des Transports von Auswanderern betreffend.

ES wird zur allgemeinen Kenntniß gebracht, daß Kaspar Rau zu Wiesbaden als Hauptagent des Handlungshauses Barbe u. Morisse zu Havre die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betrieb der Vermittelung des Transportes von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 21. Januar 1849 enthal­tenen näheren Bestimmungen erhalten hat.

Wiesbaden, den 21. März 1850.

Herzoglich Nassauisches Staatsministcrium, Abtheilung des Innern.

Gieße.

vdt. Ler.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Die geheimen Gedanken der legitimistischen Partei brechen in folgenden bemerkenswerthen Aeußerungen derGazette de France" durch:DieDebats" nennen die Herren Vidal und de Flotte Anarchisten , und was sind denn dieDebats" anders als doppelte Anarchisten , Anarchisten in der Politik, Anarchisten in der Religion! Der Unterschied besteht am Ende doch nur im Mehr und Weniger, bloß daß dieDe­bats" Anarchisten sind, die am 27. Juli 1830 gesiegt haben, um ihrerseits am 24. Febr. 1848 besiegt zu werden, während die Herren Vidal und de Flotte nur noch Sieg-Aspiranten sind. Die beiden Letzteren sind noch nicht grade die auflösend- sten und zerstörendsten Anarchisten, weil sie die gewaltsamsten sind! Eine Gesellschaft, die in Krampf fällt, erholt sich bald wieder; allein eine achtzehn Jahre hindurch mit anhaltenden kleinen Dosen vergiftete Gesellschaft ist in großer Gefahr."

Die Zeitschrift Daily News klagt darüber, daß England bei allen seinen ungeheuern Reichthümern so wenig für seine berühmten Schriftsteller und Dichter thue, wie es denn unter andern ruhig zugesehen habe, daß Walter Scott sich während seiner letzten Jahre geistig und körperlich aufreiben mußte, und von seinen Gläubigern förmlich verschlungen wurde. Die Zeit­schrift macht darauf aufmerksam, daß die Staatsausgaben seit 1835 um 10 Mill. Pfd. zugenommen hätten, während der Schriftstellerfonds noch immer dis alte Lumperei von nur 1200 Pfund betrage. In Deutschland hat man nicht einmal diese Lumperei" für die Schriftsteller übrig.

Deutschland.

Wiesbaden, 23. März. (Landtagssitzung.) Präsident Wirth erläßt den Ordnungsruf gegen den Abg. Raht wegen der in gestriger Sitzung gegen bas Ministerium gebrauchten Aeußerung.

Raht vertheidigt sich gegen den Ordnungsruf.

Präsident Wirth. Ich habe mit dem Ordniingöruf nur meine persönliche Ansicht ausgesprochen. Dem Abg. Raht steht die Berufung an die Kammer frei.

Min.-Prâs. v. Wintzingerode. Ich erkläre für mich und im Namen des Justizministers, daß wir in der Aeußerung des Abg. Raht eine persönliche Beleidigung nicht sehen. Es bestehen blos Miuisterialabthcilungen und ein Staatsministe­rium. Wir mußten daher den Ausdruck Haus-, Hof, und Staatsministerium unpassend finden.

Nach einer Interpellation, die Zehntablösung betreffend, legt Herr Min.-Präs. v. Wintzingerode einen Gesetzent­wurf über Errichtung einer Kriegsschule vor.

Zu Mitgliedern der Landesbankdirektion wurden nach einem heftigen Wahlkampf und nach Wiederholung der zwischen den Abgeordneten Gergens und Bertram zweifelhaft ge­wesenen Wahl des dritten Mitgliedes ernannt die Abgeordneten Dr. Leisler, Ger gens und der frühere Abg. L o t i ch i u s von St. Goarshausen.

Nach der Berichterstattung über die Anforderungen deS Justizelats gibt Justizminister Ler einige Aufklärungen über die Verwendung deS angestellten und beanstandeten Personals und bemerkt, daß dasselbe auch den Dienst bei dem Gesammt- ministerium versehe.

Beider Abstimmung über das erste Kapitel: Besol­dungen, wird der von der Mehrheit des Ausschusses gestellte Antrag: von der geforderten Summe per 14,340 fl. blod 12,240 fl. zu bewilligen, angenommen, dagegen der Antrag, bei Kap. II.: Kanzleikosten, einen Betrag von 200 fl. bei den für Schreibmaterialien angesetzten 640 fl! zu streichen, abge­lehnt, und die gfMe Summe von 2250 fl. sowie die in Kap. III.: Reife- undllebersiedlungskosten angesetzten 100 fl. zuge- standen; die Abstimmung über vaS Kap.lV.: Standesaufwand, gelber und Fruchtmchrbclrag ausgesetzt, die für außerordent, liche Ausgaben geforderten 457 fl. 36 fr. dagegen bewilligt.

Die Besoldungen für daS Hof- und Appellationsgericht zu Wiesbaden von 22,220 fl. werden, sowie die angesetzten