Nassauische
Allgemeine Zeitung.
Sonntag -en 2L. März
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Bestellungen auf das mit dem 1. April beginnende neue Quartal der „dkaffauèfchen Allgemeinen Zeitung" werden baldigst erbeten, damit die Expedition in den Stand gesetzt ist, von vornherein vollständige Exemplare zu liefern.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Pränume« rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl„ in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes S fl. IO fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die Eröffnung des Erfurter Parlaments.
Deutschland. Wiesbaden (Die Eröffnungsrede des Hrn. v. Radowitz in Erfurt). — Frankfurt (Die Dividende der Taunuseisenbahn).
— Darmstadt (Der Stauff'schc Prozeß). — Berli n (Die Zurückberufung des preußischen Gesandten aus Stuttgart). — Schleswig- Holstein (Wiedereröffnung der LandeSversammlung). — Wicn (Telegraphische Nachricht aus Griechenland).
Frankreich. Parts (Ankunft des Fürsten Metternich).
Großbritannien. London (Parlamentsverhandlungen).
Die Eröffnung des Erfurter Parlaments
Erfurt, 20. März. (L. C.) Heule morgen erfolgte in ^er angckünvigten Weise die Eröffnung des Parlaments. Der hiesige Sängerbund durchzog um 9 Uhr mit Musik und Fahnen die Hauptstraßen der Stadt. Die Barfüßer- und Wigberlus' Kirche, wohin die Abgeorvneten sich um 10 Uhr zum Goltes- dienste begaben, waren dicht gefüllt, und auch um das Regierungsgebäude bildeten sich Gruppen. Der für die Eröffnung bestimmte Saal dieser ehemaligen kurmainzischen Residenz bietet in seiner dem späteren Renaissancestyle angehörigen Architektur nichts Ausgezeichnetes. Die hier getroffenen Zurüstungen waren sehr einfach. Längs der Hauptwand waren auf einer geringen Erhöhung 16 Stühle für die Mitglieder des Verwal- tungsratheS, und vor dem Platze des Vorsitzenden ein Tisch ausgestellt. Der ziemlich enge untere Raum war ganz mit Stühlen für die Abgeordneten ausgefüllt. An den beiden Seitenwänden befanden sich Kamine, in denen ein lebhaftes Feuer unterhalten wurde, wie die kühle Temperatur es forderte. Den Sitzen deS BerwallungSratheS gegenüber war eine nach den Verhältnissen deS Saales ziemlich geräumige Tribüne angebracht, welche bald âü einem sehr gewählten Publikum besetzt wurde. Die Mtz'eordneten fanden sich nach 11 Uhr allmählig ein. Nach ll1/» Uhr traten sämmtliche Mitglieder des Verwaltungsrathes ein. Die Abgeordneten hörten die von Hrn. v. Radowitz verlesene Eröffnungsbotschaft stehend an.
Hierauf verließen die Anwesenden den Saal und begaben sich nach ihren Sitzungslokalen in der Augustinerkirche.
Sitzung des Staatenhauses. Das Sitzungslokal des Staatenhauses ist ein Rechteck, an dessen einer schmalen Seite der Sitz des Präsidenten, das Bureau und die Rednertribüne sich befinden. Rechts und links laufen von da ab zwei Brüstungen, hinter denen zwei Reihen Stühle stehen. Links vom Präsidentensitze, in der Höhe und Breite der Brüstungen, ist der Tisch für die Kommissare deö Verwal, tungSratheS mit 5 Sitzen. Vor der Rednertribüne hat der
Stenographentisch seine Stelle gefunden und von da ab folgen 7 Reihen Stühle, jede mit 8 Stück, für die Abgeordneten, so daß sich Plätze für etwa 100 Personen im Staatenhause vorfinden. Der Fußboden ist mit einem sehr schönen Teppich belegt, die geschmackvollen Möbel und die getäfelten Brüstungen , Präsidenlensitz rc. sind in nußbrauner Farbe gehalten. Von den acht großen Kirchensenstern sind zwei zum großen Theil durch Drapperie bekleidet; vier derselben enthalten alte Glasmalereien. Drei dieser letzteren, ein_ größeres in der Mitte und je ein kleineres daneben, befinden sich in der Wand hinter dem Präsidentensitze. Die aus Holz gearbeitete Decke mit holzfarbenem Anstrich läuft dachförmig zu, die Verbindungsbalken werden durch broncim Eisenstangen ersetzt. Die Wände sind mit grauer Leinwand überkleidet, zur Drap- Pirung ist hellblauer Thibet und ein rothbrauner Wollendamast verwendet. An der dem Prâsiventensttze gegenüberliegenden Wand, ziemlich hoch belegen, ist die einzige Zuhörertribüne angebracht, welche 3 Reihen Stühle hat und etwa 50 bis 60 Personen faßt. Bemerkenswerlh ist, daß die Sitze der Abgeordneten sämmtlich mit einer schwarz-roth-goldenen Schleife geschmückt waren.
Bald nach 12 Uhr treten die meisten Abgeordneten des Staatenhauses ein. Die Kommissare des Verwaltungsrathes, Frhr. v. Carlowitz und Dr. Liebe, nehmen ihren Sitz ein. v. Carlowitz erhebt sich: „Hochgeehrte Herren! Als Mitglied des Verwaltungsrathes bin ich beauftragt, diejenigen Schritte einzulciten, welche für die demnächftige Konstituirung deS Staatenhauses erforderlich sind. Es ist dies zueist die Ermittelung des Alters und die Bestimmung des Alterspräsidenten und die der jüngsten Mitglieder als Schriftführer und Sekre, täre. Ist dies geschehen, dann werde ick weitere Mittheilungen zu machen mir erlauben." Auf den Ruf von verschiedenen Seiten: Eickhorns übernimmt dieser als ältestes Mitglied den Präsidentensitz. Sodann schreitet man zur Bildung des Bü« reaus und es werden die Abgeordneten Kleist,Retzow, Graf Dohna und zwei andere (unbekannte) Abgeordnete zu Schriftführern ernannt.
v. Carlowitz: „Ich habe der hohen Versammlung folgende Vorlagen mitzutheilen: den Entwurf der Verfassung mit der Additionalakte und der dazu gehörigen Denkschrift, den Entwurf eines Gesetzes über Hoch- und Landesvcrrath gegen das Reich, den Gesetzentwurf über das ReickSfchicdsge- richt und eine Geschäftsordnung für die Verhandlungen beider Häuser. Die letztere empfehle ich Ihrer baldigen provisorischen Annahme, wobei es sich von selbst versteht, daß dieselbe eine künftige Annahme oder Ablehnung nicht Präjudiziren kann." Nachdem von verschiedenen Seiten Namensaufruf und Abstimmung über die Geschäftsordnung verlangt worden, beantragt Abgeordneter Riebel die Trennung beider Fragen, erst die Konstatirung der Anwesenden und dann die Annahme der