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Nassauische Allgemeine Zeitung.

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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume- rationsyrcis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzoglhumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadl Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tariâschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO fr. Inserate werden die dreisvaltige Petitcecke oder deren Raum mit 3 ft. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Thronrede des Königs von Würtemberg.

Deutschland. Vom Scharfenstein (Vermischte Lokalnachrichten aus dem Rheingau). RüdeSheim (Unsicherheit der Straßen). Mün­chen (Todesurtheil). Berlin Freie Gemeinde. Die Feier des 18. März). Brandenburg (Urtheilsspruch). Schleswig-Hol­stein (Vollpracht). Wien (Der Jahrestag der Revolution).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Dänemark. Kopenhagen (Dänische Deklamationen).

Türkei. Konstantinepel (Der Sultan schwört beim Koran, daß allen Bestechungen ein Ziel gesteckt werden soll).

Die Thronrede des Königs von Würtemberg

Der König von Würtemberg hat die Ständeversammlung am 15. März mit der folgenden Thronrede eröffnet:

Meine Herren Abgeordneten!

Die Lage von ganz Deutschland und die inneren Ver­hältnisse Würlembergs machen es Mir zur höchsten Pflicht, Mich mit der größten Offenheit auszusprechen.

Deutschland hat seit den Märzereignissen des Jahres 1848 nicht aufgehört, der Spielball der Parteisucht und des Ehr­geizes zu seyn. Der deutsche Einheitsstaat ist ein Traumbild und das gefährlichste aller Traumbilder, eben so wohl unter dem deutschen, als unter dem europäischen Gesichtspunkte. Alle Wege, welche man nach diesem verkehrten Ziele bereits eingeschlagen hat und noch ferner einschlagen möchte, werden immer nur zum Gegentheil, daS heißt zur Spaltung und Auf­lösung der Gesammtheit führen.

Die wahre Stärke und Eintracht, die wahre Kultur und Freiheit der Nation beruht im letzten Grunde auf der Erhal­tung und Pflege der Eigenthümlichkeit und Selbständigkeit ihrer Hauptstämme. Eine jede gewaltsame Verschmelzung der letzteren, eine jede absolute Unterordnung eines Hauptstammes unter den andern würde der Anfang unserer innern Auflösung und das Grab unserer nationalen Eristenz seyn. Für die rechte, sür die dauerhafte Einigkeit unseres Gesammtvaierlan- deS gibt es nur eine einzige politisch-mögliche und praktisch­durchführbare Verfassungsform, cs ist die föderative. Glück­licherweise ist diese Form einer weit größeren Stärke und Kraftentwickelung im Innern und nach Außen fähig, als die bisherige Bundesverfassung sie gewährte.

Daß man diese Wahrheit zuerst in Frankfurt und nach­mals in Berlin verkannte, hat die gegenwärtige Spaltung und Verwirrung unserer Zustände ganz allein herbeigeführt. Die unparteiische Geschichte wird es einst nicht verschwelen, welche Zwecke und welche Leidenschaften das Bündniß vom 26. Mai gestiftet haben. Die Größe und die Einigkeit der Nation haben nichts mit ihm gemein, auf die Volkssympathicen kann eS keinen Anspruch machen; es ist ein künstlicher Sonderbund-

Versuch, auf den politischen Selbstmord der Gesammtheit be­rechnet , und.eben deßhalb in der Mitte von den drei größten Landmächten ohne Aussicht auf Bestand in den Tagen der Gefahr. Die Durchführung dieses Bündnisses würde nicht zu vollbringen seyn , ohne einen offenen Bundesbruch und ohne eine w ssenlliche Verletzung jener feierlichen Traktate, worauf unsere Stellung und unsere Unabhängigkeit gegen Eu­ropa , sowie das politische Gleichgewicht Europas überhaupt beruht. In richtiger Würdigung der Gefahren, sowohl im Innern, als nach Außen, zu welchen das Bündniß vom 26. Mai unausbleiblich führen müßte, wenn die Theilnehmer des­selben auf ihm beharren würden, so wie insbesondere, um Meinerseits, so weit Ich dies vermag, der Gesammtnation das kostbarste Pfand ihrer Größe und künftigen Ruhe, Ich meine die Einigkeit aller ihrer Bruberstämme, zu erhalten, habe Ich durch M.in Ministerium mit den Regierungen von Bayern und Sachsen Verhandlungen zum Behuf einer Verständigung über einen Entwurf einer das Gesammtvaler- land begreifenden Verfassung angeknüpft.

Ich habe die doppelte Genugthuung, Ihnen heute mit# theilen zu können, daß diese Verhandlungen ihren beabsichtigten Zweck erreicht haben, und daß sich die Regierung deS Kai­sers von Oesterreich mit dem Resultat derselben einver­standen erklärt hat. Sobald der Verfassungsentwurf der drei königlichen Regierungen zur Kenntniß des königlich preußischen Kabinets und der andern an dem Bündniß vom 26. Mai bis­her beteiligten Bundesregierungen gebracht seyn wird, wird Mein Ministerium Ihnen die erforderliche Vorlage davon machen. Ich gebe Mich gerne der Hoffnung hin, daß dieser von uns unternommene Versuch zur allgemeinen politischen und materiellen Einigkeit und zur Befriedigung Ihrer gerechten und zeitgemäßen Anforderungen den von Mir lebhaft gewünscht, ten Erfolg haben möge.

Was aber auch immer die Vorsehung in dieser schweren Frage unS und unsern Nachkommen beschieden haben mag, Ich darf Mir das Zeugniß geben, daß Ich von jeher in der engsten Eintracht von Oesterreich und Preußen die wahre Be­dingung unserer gemeinschaftlichen Wohlfahrt und die einzige Bürgschaft unseres innern Friedens und unserer nationalen Selbständigkeit erkannt und demgemäß in der gegenwärtigen Krise unseres GesammtvaterlandeS alle Meine Schritte, sowie diejenigen Meiner Regierung bemessen und eingerichtet habe. Was in den Stürmen unserer Zeit allein Kraft und Dauer und Heil gewährt, das ist die Wahrung des alten Rechts, das ist das Festhalten an dem Positiven, an dem geschichtlich Vorhandenen, welches sich nicht ableugnen läßt und sich immer wieder von Neuem geltend zu machen weiß. Ich und die mit Mir in der Frage verbundenen Regierungen, Wir wollen der Nation ihr Anrecht auf die Vertretung der Gesammtheit bewahren, Wir wollen keinen politischen Neubau mit der Zer­reißung Unseres alten Rechtes, sondern die zeitgemäße Neuge­staltung deS bisherigen Bundes: Wir wollen die gerechten Forderungen Preußens mit den Gefammtintercssen Deutschlands in Einklang bringen; Wir wollen aber unsere Partikularinte­ressen auf dem Altar deS Vaterlandes nicht dieser oder jener spezifischen Macht, sondern nur allein der Gesammtheit zum