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U a ssa uische Allgemeine Zeitung.

M 65. Montag den 18 März 1850.

Dritte Ausgabe.

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Uebersicht.

Zeitnngsschau.

Deutschland. Mainz (Eisenbahnprosekt). Frankfurt (Der Dop- Pelmord). Darmstadt (Der Stauffsche Prozeß). Kassel (Die Etândcversammlung vertagt). Stuttgart (Die Geheimnisse des Volks). Appenrade (Vollpracht steckbrieflich verfolgt). Wien

(Erlaß Hahnaus).

Frankreich. Paris (Günstigere Wahlberichte).

Zeitungsschau

Ein Berliner Korrespondent der Köln. Zeitung schreibt: Ich kann nicht unterlassen, die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf die so eben erschienene aklenmâßige Geschichte der dänischen Politik seit dem Jahre 1806, von Samver und Dropsen , zu richten. Seit Jahren hat wohl keine historische Arbeit dem Leser ein so großes Interesse verursachen können, als diese Schrift, welche daS Gemâlve der seit 1721 von den Dänen gegen die Herzogthümer verübten Treulosigkeit und der gegen die europäische Diplomatie fein ausgesponnenen List in lichten Farben gezeichnet hat. Mehrere sorgsam verwahrte dänische Staatsgeheimnisse werden aus sicheren Quellen aufge­deckt, und wir sehen, wie seit dem Jahre 1721 ein feines Trug- System , eine seltene Doppelzüngigkeit in den offiziellen däni­schen Aktenstücken herrscht, um die Bewohner der Herzogthü- mer über die beabsichtigte Inkorporation zu täuschen, der Di­plomatie aber hinterher einzureden, die Bewohner des Landes, die Stände, wie die erbberechtigten Agnaten hätten gegen die schon früher in Patenten ausgesprochene Inkorporation nie­mals prolestirt. Der Beweis dieser Unlauterkeit hat aller­dings nicht ohne Aufhellung der Familienverhâltnisse zwischen den dänischen Regenten und den schleswig-holsteinischen Herzo­gen geschehen können, aber die dänische Regierung hatte zuerst diese Bahn betreten und durch die Anfertigung der Wagner'- schen Schrift sich selbst gewissermaßen eine Grube gegraben. Da man ohne alle Rücksicht die Privatkorrespondenzen des Her­zogs von Augustenburg theilweise entstellt und ohne Zu­sammenhang veröffentlichte, so entschlossen sich eine Reihe von Männern, welche den Verhältnissen nahe standen und sich im Besitze persönlicher Kunde oder wichtiger Aktenstücke befan­den, die Wahrheit der Dinge dem öffentlichen Urtheile zu über, antworten.So konnte denn auf die geheimen Ursachen der Ereignisse zurückgegangen und über die wichtigeren Vorgänge der letzten vierzig Jahre eine Klarheit verbreitet werden, welche selbst dem systematisch belhörlen dänischen Volke die Augen über die Slaatskunft und die Verführung öffnen mußte, deren Opfer eS selbst schließlich nicht minder als die Herzogthümer geworden ist."

Der alte Zschokke, bekanntlich ein guter Beobachter, erzählt in seinen Denkwürdigkeiten:Nach den Unruhen in Neapel und Piemont 182021 wandten sich mehrere Flücht- linge mir zu. Unter den Landesflüchtigen sämmtlicher Natio­nen schienen mir aber keine durch ihr trauriges Verhângniß so sehr mit der Welt und sich selber zerfallen,. wie die Deut­schen. Immer ihren staats- oder weltbürgerlichen Idealen oder ihren Hoffnungen auf Rache nachjagenv, nir, gendö zufrieden, mit Eigendünkel über Alles absprechend, undankbar gegen die Schweiz, die ihnen Frei­stätten eröffnet hatte, versuchten Viele von ihnen, die Ruhe auch hier zu stören oder Brandfackeln in benachbarte Länder zu schleudern."

Deutschland.

Mainz, 15. März. In Köln hat sich ein provisorisches Komite geb.ldet, welches die Erbauung einer Eisenbahn auf dem linken Rheinufer von Köln bis Koblenz mit Benutzung der schon jetzt bestehenden Köln-Bonner Linie beabsichtigt. Es hat zu diesem Zweck eine Denkschrift ausgearbeitet, welche in klarer Auseinandersetzung Ae Willigkeit, die Ausführbarkeit, die Rentbarkeit und die Mittel der Ausführung des Unterneh­mens nachweist, zugleich aber auf die Nothwendigkeit aufmerk­sam macht, diese Linie bis Mainz fortzuführen, um dadurch eine ununterbrochene Schienenverbindung in der ganzen Länge des Rheins herznstellen, wobei natürlich auf Vollendung der Ludwigsbahn gerechnet wird. (Mainz. I.)

Frankfurt, 15. März. (O.-P.-A.-Z.) Ueber den bereits erwähnten Doppelmord in Sachsenhausen erfahren wir folgen­des Nähere: Ein Selbstmord scheint nicht vorzuliegen, viel­mehr lassen die Umstände auf einen Raubmord schließen, der von mehreren Thälern an den allein wohnenden alten Leuten verübt worden zu seyn scheint. Die Leiche der Frau Stöß soll 17 meist Stichwunden haben, die des Mannes einen starken Schlag auf dem Schädel, eine Hals- und noch eine andete Wunde. Der Mord scheint in früher Abendstunde verübt wor­den zu seyn. Die Tochter der Gemordeten war die erste, welche bas Verbrechen entdeckte, indem sie ihre Eltern besuchen wollte.

Darmstadt, 16. März, Nachmittags 2 Uhr. (O.-P.-A.-Z.) In der heutigen Assisensitzung im Prozeß Görlitz wurde zuerst der Schlossergesell Johann Seitz vernommen, der an jenem Abend von der Straße gerufen wurde, um durch Eröffnung von Thüren für den Zweck der Aufsuchung der unglücklichen Frau mitzuwirken. Er gab im Wesentlichen an, waS schon der Anklageakt und der Auszug auS demselben in den Num­mern 54 bis 56 desKonversalionsblattes" nzittheilte. Das Modell des Hauses wurde für diese Vernehmung benutzt. Fort­setzung der Aussagen deS Zeugen Kutschers Schäm bs, jetzt in Undenheim in der Provinz Rheinhessen wohnhaft, der vor­gestern beauftragt worden war, von dort die ihm von dem Grafen überlassenen Möbel auS der Wohnstube der Umge, kommenen theilweise zur Untersuchung hierher abzuliefern. Zwei Stühle und ein Theil deS SophaüderzugS werden vor