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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M GL.

Samstag den LG März

1850.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Grvßberzvqthums und KurfürstentlmmS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Humburg und der freien Stadt Frankfurt Ä fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 4 fl. IO fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» ierg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Kalifornien und sein Einfluß auf die Politik der Gegenwart. Deutschland. Höchst (Vergiftung. Arbeiterverein. Lokal-Polizei). Darmstadt (Der Görlitzische Prozeß). Karlsruhe (Der Bei­tritt zum Bündniß vom 26. Mai genehmigt). Stuttgart (Der französische Gesandte). Berlin (Kriegerische Aussichten. Der König. Die deutsche Stellung Hannovers. Unterwühlung der Stadt durch Grundwasser. Huber verweigert den Verfassungseid). Schles­wig-Holstein (Dänische Pläne). Vom Alsener Sund (Voll­pracht von Alsen ausgewiesen).

Frankreich. Paris (Die Wahlen. Vermischtes).

Ungarn. Preßburg (Ungarische Zentraleisenbahn).

Nachschrift. Wiesbaden (Landtag). Wien (Telegraph. Depesche).

Kalifornien und sein Einfluß auf die Politik der Gegenwart.

Wiesbaden, 15. März. Letzthin brachte» englische Blätter Nolitzen über den raschen Aufschwung, den Kalifornien nun im staatlichen Leben nimmt. Eine liberale Verfassung wurde angenommen, ein Präsident ernannt, und der Kongreß zu Washington von Kalifornien aus beschickt. Kalifornien hat sich bereits als Staat konstituirt, und die Frage über den An­schluß an die vereinigten Staaten, ist so viel wie entschieden.

Dieses Bestreben der Bewohner eines an dem seltensten Tauschmittel so reichen Landes in die Reihe rechtlich begrün­deter Staaten zu treten, gibt erst dem gewaltigen Zuge nach Westen, der ganze Ströme von Auswanderern in Bewegung setzt, seine eigentliche Bedeutung, dadurch gewinnen die seit Jahren entworfenen und unmerklich und mit eiserner Politik verfolgten Pläne eines zur Herrschaft über die Welt berufenen Volkes an Wichtigkeit.

Wir meinen die Bemühungen der vereinigten Staaten, sich der wichtigsten Inseln im Meerbusen von Mexiko, der wesentlichsten Punkte an der Mündung des San JuanflusseS zu versichern, die Bemühungen der Nordamerikanischen Ge­sellschaft, mit der Regierung von Nicaragua Verträge über die Herstellung einer Wasserstraße zwischen dem atlantischen und dem stillen Ozcan abzuschließen, die Energie, mit der die Negierung der vereinigten Staaten die Interessen ihrer Untertha­nen schützt, wir meinen ferner die Anschläge nordamerikanischer Abenteurer auf Havanna, und entgegen wieder die ernsthaften Protestationen des Kabinets von Washington, das sich jeder Theilnahme an diesen abenteuerlichen Projekten entschlägt. Wir weisen hin auf das Riesenprojekt den Osten Nord.Ameri- kas mit dem Westen durch eine Riesenbahn zu verbinden auf welchen Vorschlag die englischen Blätter mit dem Plane einer Eisenbahn von Hamburg nach Bombay antworteten, wir machen auf die Expeditionen aufmerksam, welche die Re­gierung der vereinigten Staaten zur Auffindung deS Landwe­ges nach Kalifornien abschickte.

Dort in Kalifornien, und an dem kleinen Ländchen Nica­ragua ist der eigentliche Schwerpunkt zu suchen, der nun die

weitsichtigeren Interessen der Völker und Staaten den mehr instinklartigen deS Individuums nachzieht. Hier sehen wir den Kampfplatz um die Weltherrschaft, und abermals ist eS Eng­land daS hier mit feinem alten Feinde in die Schranken tritt.

Der Einfluß, den England durch die Bevormundung deS jun­gen Königs der Mosquiloküste sich in jener Gegend zu sichern gewußt, die Begrenzung des Königreichs Mosquito, welche Lord Palmerston improvisirte, die Besetzung der Tigerinsel durch die Engländer zeigten, daß England genau die Pläne des Kabinets von Washington kenne, und wußte, wer hinter den vorgeschobenen Privatgesellschaften, vielleicht auch hinter jenen abenteuerlichen Rüstungen stecke. In Nordamerika ist der Bürger bewaffneter Kaufmann und Eroberer, der Vor­theil des Bürgers Vortheil des Staates und wie natürlich, der Hauptgegenstand des vom Staat zu gewährenden Schutzes. Die Diplomatie hat es hier nicht mit einer Völkerpolitik, son­dern mit der in einen gemeinschaftlichen Stredepunkt zusam- menlaufenven Politik der Einzelnen zu thun und daher nach ganz anderen Anzeichen zu urtheilen und zu handeln.

Die Tigerinsel ist von den Engländern zwar wieder ge­räumt, die Nicaragitafrage gelöst, der Vertrag über Eröffnung der erwähnrrn Wasserstraße auf. eine für alle schifffahrttrei­bende Völker vonheilbnngend Weise geschlossen. Wir glau­ben jedoch nicht daß damit das große Drama, das sich an dem Isthmus von Panama entwickelte, zu Ende gespielt sey wir halten diese Ausgleichung nur für den Beginn des Anfangs. (Auch Spanien hat diese Ansicht. ES würbe trotz dieser anscheinenden Ruhe ein spanisch-indischer Rath eingesetzt, der die Angelegenheiten der Kolonieen in Westindien leiten wird, eine Kommission zur Beaufsichtigung der Seebefestigungs- a theilen auf Kuba nach der Havanna, und der General Mi­ra so l nach Washington geschickt, um Bulwers Einfluß dort zu bekämpfen.) Wir glauben daß der Kampf der Inte­ressen erst beginnen werde, wir glauben daß die Frage welche Staaten int Völkerrathe mitzusprechen haben, dort auf jenem für neutral erklärten Grunde gelöst werden wird.

Wir bedauern nur, daß wir in diesem großen Völker­rathe keine Stimme haben werden. Oesterreich gebraucht seine Flotte zu Spazierfahrten um die Welt und zum Kolporteur seiner Jndustrieerzeugnisse und ein preußisches Schiff war daS erste, daS in Folge der neuen Navigationsgesetze in Amerika und England zuerst eine Labung Waaren von Halifax nach Liverpool brachte. Mehr läßt sich von unserer Seemacht nicht sagen und erwarten, und Deutschland wird bei dieserThei­lung der Erde" abermals denDichter" spielen, der in feine Träumereien versenkt, überall zu spät kommt und leer aus­geht.

Deutschland.

0 Höchst, 13. März. Gestern wurde der achtbaren Fa­milie des Schultheißen A. zu Sulzbach von Offenbach aus durch die Post ein Kuchen anonym überschickt. Fünf Personen genossen davon und eS stellten sich alsbald die Folgen einer Arsenikvergiftung ein; doch rettete schnelle ärztliche Hülfe die