Die Frage von heute Vormittag ward dann wieder ausgenommen, ob die Fisur (der kleine Riß), welche in dem Schädel der Gräfin den Tag nach der Sektion gefunden worden, etwa bei dem Transporte von vem Kirchhofe nach der Wohnung des Medizinaldirektors oder sonst durch einen Zufall hineingekommen. Die Abhörung des Dieners und des Wundarztes ergab aber nichts dafür. Auch bemerkte Dr. Graff, daß die schwärzliche Brandspur klar zeige, daß der Riß schon vor dem Brande hineingekommen.
Dr. Heumann, der zehnte Zeuge, der Gräfin sehr befreundet, gab sehr bestimmte, klare und interessante Aussagen, sowohl über den Zustand, in welchem er die Leiche am Morgen nach dem Ereignisse fand, als über den Charakter der Unglücklichen. Die Gräfin war demnach von guter Gesundheit, starker Konstitution, sehr lebhaften Temperamentes und zur Schwärmerei hinneigend, höchst mäßig und achtbar in ihrem Wesen. Dieser Zeuge stimmte ganz mit Graff bezüglich deS offenen Mundes, der besonderen Lage und deS stärkeren Volumens der Zunge der Leiche überein, worüber noch mannigfache Erörterungen entstanden. Dr. Hohenfchild bestätigte die interessanten, mit Gegenproben vorgenommenen mikroskopischen Versuche, von denen Merck sprach. Die Erperten, namentlich auch Prof. Dr. Bischoff werden darauf zurückkommen.
Zuletzt wurde auch Stabsarzt Dr. v. Siebold vernommen, der bekannte Vertheidiger der Selbstverbrennung der Gräfin, als welcher er wohl jetzt ziemlich allein steht. Er gab eine ausführliche Beschreibung der Leiche, welche er zu Hülse gerufen, noch am Abend deS Unglückstages, also gleich nach Entdeckung des Ereignisses sah, dann bei der Sektion derselben. Im Wesentlichen stimmte er mit Graff ic. überein. Allein einen neuen Wirrwarr brachte er in die Sache, in welche er durch seine Selbstverbrennungstheorie schon quer genug fuhr, als er beim Anblick des Schädels plötzlich ausfrief: „DaS ist ein ganz anderer Kopf!" Der Präsident vertagte die weitere Erörterung dieses sonderbaren qui pro quo auf morgen.
Aus dem Ried (bei Worms), 8. März. (Mz. I.) Dieser Tage wurve eine Frau von Lampertheim, die als Händlerin; nach Mannheim ging, auf dem Wege dahin von zwei Lampert-; Heimern am Hellen Tage angefallen, mißhandelt und beraubt.! Entschlossen riß sie dem einen der Räuber die Kappe aus dem; Gesichte, um ihn zu erkennen, während sie zur gleichen Zeit, i um späterem Läugnen zu begegnen, ihm ein Kennzeichen da-j durch gab, daß sie demselben die Hand beinahe durchbiß. Nachdem die Räuber sie verlassen, setzte sie anscheinend den Weg nach Mannheim fort, ging aber auf einem Umwege nach Lampertheim zurück, um dem daselbst stattionirten GenSd'armerie- personale Anzeige von dem Vorfälle zu machen. Bei sofortiger Hausuntersuchung waren die Räuber nicht zu finden, kamen aber fast im nämlichen Augenblicke von entgegengesetzter Richtung mit Holz, woraus sie sofort ergriffen und geschloffen dem Gerichte überliefert wurden. Den Tag vorher sollen dieselben Bursche einem Badener 20 fl. geraubt haben.
Kassel, 13. März. Die Regierung hat den Frhrn. Waitz v. Eschen, den Prof. Wetzel und den Obervorsteher v. Eschwege ihrerseits zu Mitgliedern deS StaatenhauseS ernannt, die Ständeversammlung auS den drei ihr vorgeschlagenen Kandidaten der Negierung den Obergerichtsrath v. RoqueS, außerdem, an Wippermann's Stelle, der seitdem bekanntlich in Rinteln für das VolkshauS angenommen hat, den Professor von Sybel. Ein Antrag des Abgeordneten Cöster in der heutigen Ständesitzung, mit Ausnahme der dringendsten Angelegenheiten, gar keine Geschäfte mit dem gegenwärtigen Ministerium mehr zu erledigen, ist in Erwägung gezogen und an den Ausschuß verwiesen. Von dem hiesigen Bürgerverein ist eine Zustim- mungsadreffe zu dem Mißtrauensvotum gegen das Ministerium beschlossen, eine ähnliche Adresse ist von Hersfeld bereits eingegangen.
Karlsruhe, 12. März. (D. Z.) Auch die erste Kammer hat heute die AntwortSadresse auf die Thronrede übergeben. Wir bemerken darin eine besondere Erwähnung der Zentral- Bundeskommission („doch, Dank der Fürsorge seiner beiden größten Mächte, entbehrt Deutschland auch nicht vorübergehend der allseitig anerkannten einheitlichen Gesamnttleitung") und eine Phrase pro domo („In einer Zeit, wo so Vieles wankt, muß am Bestehenden um so fester gehalten und nichts umge- schaffen werden, bevor die Grundlage wieder errungen, auf welcher ein fester, dauerhafter Bau errichtet werden kann").
Das Regierungsblatt vom heutigen Datum bringt übrigens eine Verordnung, welche den Kriegszustand und daS Standrecht abermals auf weitere vier Wochen verlängert.
Stuttgart, 12. März. Nach dem heute auSgegebenen Programm für die Eröffnung der Ständeversammlung am 15* d. M. wird der König diese Eröffnung in Person vornehmen. Es ist das erste Mal seit dem 22. Jan. 1848.
Nach einer Mittheilung im Schwäb. Merk, ist gegen die große Mehrzahl der wegen politischer Vergehen Beschuldigten im Wege der Gnade die Untersuchung niedergeschlagen und sind nur die schwerer Gravirien und die im öffentlichen Dienste Befindlichen (einige Hundert an der Zahl) ausgenommen worden.
München, 10. März. (O.-P.-A.-Z.) Wie mir aus »et# lässiger Quelle mitgetheilt wird, ist endlich vorgestern Abend die allerhöchste Genehmigung zum Bau der München-Salzburger Eisenbahn an die königl. Regierung von Oberbayern gelangt. Diese Bahn wird bekanntlich aus dem Wege eines eigenthümlichen Aktienunternehmens durch Hrn. v. Maffei von hier ins Leben gerufen werden, durch denselben Mann, welcher schon so viele großartige Unternehmungen theils selbst geschaffen, theils dazu stets bereitwillig seine Hand geboten hat. Die Bahn wird nunmehr unmittelbar in Angriff genommen, und soll nach dem bereits entworfenen Plane die schönsten und sruchtbarsten Gegenden Oberbayerns durchschneiden und seine bedeutenderen Städte und Marktflecken berühren.
Veranlaßt durch das jüngst verkündete Gesetz über Versammlungen und Vereine hat daS Rektorat unserer Universität am schwarzen Brette die Aufforderung angeschlagen, daß sämmtliche Studentenverbindungen binnen drei Tagen ihre Statuten einzureichen haben.
Im Publikum beschäftigt man sich viel mit dem morgen beginnenden Strafprozesse gegen die beiden des Mordes an Kanonikus Schwarz Angeklagten ; die Verhandlung ist auf drei Tage angesetzt und eröffnet eine 14tâgige außerordentliche Assise. Es wird der ganze Ernst und Eindruck einer mündlichen Verhandlung nöthig seyn, um die unteren Schichte» von Jnsultirung der Angeklagten abzuhalten. Einem der Vertheidiger sind Drohungen zugegangen.
Berlin, 10. März. (K. Z.) Nicht nur unser Gesandter ist von Hannover abgerusen/ die Stüvesche Note wird auch eine energische Zurückweisung erhalten. Sachsen hatte aufgestellt, es habe den Münchener Entwurf unterzeichnet, weil eS die Maiverfassung ebenfalls nur als Entwurf betrachte, daher nicht von diesem zurücktrete, indem es jenem zustimme. Auch darauf wird eine deutliche Antwort erfolgen. Maa könne unmöglich annehmen, noch zugeben, daß Jemand zwei „Vorlagen" zugleich begünstige, von denen die eine die andere negirt.
General Rauch soll in Schleswig seinerseits auf die Ver, stândigung wegen eines Interimistikums hindrängen. Major Hartmann aus dem hiesigen Kriegsministerium ist ihm gefolgt. Beide werden indeß, so versichert man, im vollsten Einver- stândniß mit Vollpracht handelt.
Graf Knyphausen scheint hier bleiben zu wollen, waS denn doch nahezu daS diplomatische Schicklichkeitsgefühl verletzen hieße.
Wien, 9. März. Die am k. k. Hof übliche Fußwaschung wird am Gründonnerstag von Sr. Majestät dem Kaiser bei den Männern selbst vorgenommen werden. Die Frau Erzherzogin Sophie soll dem Vernehmen nach dieses Werk der Erinnerung und Liebe an den Weibern verrichten.
Griechenland.
Athen, 5. März. Am 2. Abends wurde die Blokade gegen die griechischen Häfen auf unbestimmte Zeit aufgehoben. Die gekaperten Schiffe sind von der englischen Flotte zurück» behalten. Heute den 5. ist Baron Groß (der französische Unterhändler) eingetroffen. Von Petersburg noch keine Nachrichten. Die öffentliche Stimmung ist trüb und beunruhigt.
(Tel. Dep. der N. M. Ztg.
.Verantwortlicher Redakteur r W. H. Riehl,