Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M «2.
Donnerstag den LL März
1850,
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags.— Der vierteljährige Prünume- »ationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßberzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tariâschen VenvaltungSgebieteS 5 fl. 10 fr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Naum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schell««» ter g' scheu Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Amtlicher Theil.
Konzession zur Vermittlung des Transports von Auswandernden.
Nichtamtlicher Theil.
Die großdeutsche Aussichten.
Deutschland. Von der EmS (Die kirchlichen Zustände in Idstein).— Langen sch walbach (Wahl). — Frankfurt (Additionalakte zu dem deutschen Verfaffungsentwurf. Die Verlängerung des Interims). — Darmstadt (Der Görlitz'sche Prozeß). — Karlsruhe (Hr. v. Blit- tersdorf als Kandidat für das Erfurter Staatenhaus). — Bückeburg (Restauration). — Berlin (Die ReichSkommiffarien). — Kiel (Untersuchung wegen des Vorfalls auf dem Eckernförde. Vollpracht. Dänisch gesinnte Blätter).
Frankreich. Paris (Vermischtes). — Straßburg (Die Wahlen).
Italien. Turin (Erklärung des Ministerpräsidenten über die Rüstungen Oesterreichs).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Amtlicher Theil.
Konzession zur Vermittlung des Transports von Auswandernden betreffend.
Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Georg Heinrich Gödecke zu Ems als Hauptagent des Koblenzer HauptvereinS für Auswanderung die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betriebe der Vermittelung des Transports von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen erhalten hat.
Wiesbaden, den 6. März 1850.
Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung des Innern.
Wintzingerode.
vdt. Ler.
Nichtamtlicher Theil.
Die großdeutschen Aussichten.
6* Wiesbaden, 13. März. DaS großdeutsche Kind ist geboren, der Weg des Heils von den Kabinetten der napoleonischen Königreiche unter Oesterreichs Auspizien endlich gefunden! — Die Demokraten mögen ihm zujubeln, das Oesterreich, dessen Ausschluß aus dem neuen Deutschland sie in unzähligen Reden so schmerzlich beklagten, es hat bei ihm zu Gevatter gestanden! — Freilich hat es ihm nicht einmal seinen Namen gegeben, und daS arme Kind wird sich schwerlich jemals der Anerkennung seines Palhen erfreuen; aber der Welt ist Sand in die Augen gestreut; — sie glaubt doch möglicherweise an
einen redlichen Willen, und nur Revolutionäre können behaupten, daß das Ganze bestimmt sey, die deutsche Nation nach ihrem so unbequemen Erwachen während der demnächst einzuleitenden endlosen Unterhandlungen allmählig wieder einzu- lullen, und so die Zeit kommen zu lassen, wann die neuere Konfercnzbcschlüffc ohne großes Aufsehen und vieles Geschrei den immer noch nicht verschiedenen Bundestag zu neuem Leben erwecken. Möge Herr von der Pfordten uns und Jeden, dem die letzten Ereignisse noch offene Augen und ein wenig Mutterwitz gelassen haben, diesen Revolutionären beizählen, und einstweilen seinen ganzen Scharfsinn zusammennehmen, diesen Entwurf der bayerischen Kammer mundgerecht zu machen.
„Sobald sämmtliche Mitglieder des bisherigen deutschen Bundes ihre Zustimmung zu den Art. 1 bis 15 gegeben haben, tritt die Bundesregierung ins Leben.,, Sobald! — Arme deutsche Nation, so lange sollst du vertrauensvoll warten, in duldendem Glauben ausharren bis sämmtliche deutsche Fürsten sich freiwillig wenigstens in manchen Punkten einigen, als wenn nicht eine lange schmerzliche und bittere Erfahrung die Unmöglichkeit eines wenn auch noch so kleinen patriotischen Opfers von der Gesammtheit der Regierungen auch dem beinahe Blinden dargethan hätte. —
Aber wenn das Unmögliche geschehen und die 15 ersten Sätze mit mehr oder weniger rückhaltigen Gedanken allseitig angenommen sind, dann beginnen erst eigentlich die Unterhandlungen; dann soll von den sieben Mitgliedern des neuen Bun, deslags erst die Ausstellung der Verfassung erfolgen; dann soll über diese zu entwerfende Verfassung die Einigung sämmtlicher Bundesglieder herbeizuführen gesucht werden.
Meine ich doch, ein solches Schauspiel schon einmal erlebt zu haben; meine ich doch, die deutsche Nation habe einem Bundestag schon einmal dreißig lange Jahre geduldig mitzu- gesehen, als er sich trotz aller Anstrengung auch nicht über einen einzigen der in den ersten 15 Artikeln enthaltenen Sätze zu einigen vermochte; meine ich doch, dieser Bundestag sey von dem Haß und Fluch der Nation beladen zu Grabe gestiegen, und die deutschen Regierungen hätten bei seiner Bestattung laut und feierlich anerkannt, daß durch ihn die gerechten Forderungen der Nation nicht hätten verwirklicht, ihr edler Trieb zur endlichen Gründung eines deutschen Vaterlandes nicht hätte befriedigt werden können.
Und dies zerbrochene Werkzeug wagt Herr v. d. Pfordten dem so oft getäuschten Volke von Neuem zu bieten; obgleich er doch durch die Vorlage von reinen Punktalionen (wenn man sie noch so nennen darf) zugleich das demüthigende Ge» ständniß ablegen muß, daß nicht einmal die verschlagenden Regierungen im Stande waren, sich über einen wirklichen Ver- fassungseniwurf zu einigen; — er wagt es zu bieten, als Gegengewicht gegen eine Verfassung, die wenigstens in bildungS, fähigen Keimen 'Alles enthält, waS geeignet wäre, das deutsche Volk zu einer nach Außen mächtigen und starken, im Inneren glücklichen und freien Nation zu machen!
Erlassen Sie mir den weiteren Bildungsgang des Münchner Entwurfs zu verfolgen; seine Mittheilung an die acht und dreißig Kammern der einzelnen Staaten, die Vereinbarung mit einer sogenannten Nationalrepräjentation , einem