Nassauische Allgemeine Zeitung.
M 60, Dienstag den 12 Marz 18SV
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungssckau.
Ettvas über die Post im Nassauischen.
Die Heizen'sche Staatsgesellschaft.
Deutschland. Weilburg (Märzfeier in Weilmünster). — Vom Westerwald (In Sachen des Josteiner Prozesses). — Frankfurt (Eröffnung der Eisenbahn nach Friedberg). — Kassel (Ständefixung). — Karlsruhe" (Neberwachung der Presse), — Erfurt (Interesse der nicht beigetretenen Staaten am Reichstage). — Leipzig (Demokratisches Fest).— Hannover (Die Abberufung des preußischen Gesandten). — Berlin (Hr. v. Dörnberg. Verweigerte Eidesleistung). — Posen (Ueberschwem- nlung). — Schleswig-Holstein (Erklärung der Mannschaft der Fregatte Eckernförde). — Wien (Vermischtes).
Zeiti» ngs sch a u
Der Würtembergische „StaatSanzeiger" schreibt: „Die Ratifikationen deS am 27. Febr. abgeschlossenen Münchener Vertrags sind von Seiten Bayerns und Württembergs erfolgt; von Seite unserer Regierung, nach vorheriger Berathung im vollen geheimen Rathe , Dienstag den 5. d. M. Von Sachsens Ratifikation fehlt zur Stunde die Nachricht, sie ist aber mit Bestimmtheit zu erwarten. Hannover war schon zuvor unerwartet zurückgetreten , indem es in der Hauptsache auf die Basis einer revidirten Bundesverfassung zurückgeht. Indessen hat es zu gleicher Zeit nicht nur daS preußische Bündniß entschieden aufgesagt, sondern eS ist auch in Folge der Sendung deS hannoverschen Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, Grafen Bennigsen, nach Wien immer noch Aussicht vorhanden, daß es noch nachträglich der Münchener Ueberein- kunft beitritt."
Dieser halbamtlichen Kundgebung des „Staatsanzeigers" reihen wir die Versicherung der „Deutschen Chronik" an, daß die deutschen Grundrechte in dem Münchener Verfassungsent- wurfe nicht erwähnt worden seien, wie dies neulich ein Kor- responbenzartikel der „Allg. Ztg." auS Frankfurt angegeben hatte; dagegen aber werde in demselben die Gewähr derjenigen Rechte, welche den Angehörigen aller Bundesstaaten zu- gesichert seien, ausdrücklich als eine gemeinsame Bundesangelegenheil erklärt. Durchaus falsch seien die Angaben in derselben Nummer der „Allgem. Zeitg." so wie deS „Lloyd" (I), wonach der Entwurf den einzelnen deutschen Staaten daS Recht einräume, innerhalb der Grenzen des Bundes engere Bündnisse abznschließen ; die Uebereinkunft vom 27. Febr. erkenne einen Status in statu eben so wenig als einen Einheitsstaat an, sie bezwecke vielmehr eine föderalistische, abkonzentrirte und starke föderalistische Verbindung des gejammten Deutschlands, gestützt auf einen wahrhaften Reichstag deS ganzen deutschen Volks, wie solcher in der Paulskirche von Frankfurt versammelt gewesen.
Der Lloyd glaubt nicht, daß Preußen nach der Wiedererlangung von Neuenburg strebe, meint am Schlüsse seines Artikels aber doch: Sollten, was wir nicht glauben, solche Plane wirklich vorhanden seyn, und daS preußische Kabinet nicht blos auf billige Genugthuung ansgehen, so verdient es von Seilen der übrigen Regierungen ernstliche Erwägung, ob die Stellung, welche Preußen in neuester Zeit in Süddeutschland eingenommen, die Herstellung seiner frühern Beziehungen zu Neuenburg wünschenSwerih mache, und ob nicht vielmehr die gewiß vollkommen richtige Ansicht des Wiener Kongresses: „daß die Neutralität und Unverletzbarkeit der Schweiz sowie ihre Unabhängigkeit von jedem fremden Einflüsse dein- wahren Interesse aller europäischen Staaten entspreche," einer Lösung dieses Bandes auf friedlichem und gesetzlichem Wege daS Wort rede.
Die erwartete Broschüre w Lu c ien de la Hodde, betitelt: „Die Geburt der Republik im Jahr 1848" ist er# schienen. Sie enthält u. A. folgende Stelle: Dor Februar 1848 gab es im Lande nur 20,000 Republikaner. Haben die Volksregierungen, ihre Sitten und Gebräuche, ihre Amtshandlungen und ihre Erfolge, Straßenlärm , Diktatur, Klubtsten, Juniausstand, die Verwüstung von Paris, die Bestürzung der Provinzen, die Vernichtung des Handels feit dieser Zeit etwa Frankreich republikanisch gemacht? Dummköpfe, Ehrgeizige, Unruhestifter bilden allein den Ueberschuß der Demokraten von heutzutage über die 20,000 von früher. Die ehrlichen Leute unter ihnen kehren so leicht zur Wahrheit zurück, alS sie zum Irrthum verleitet wurden. Frankreich befindet sich im gegenwärtigen Zustande nur durch eine verächtliche kaum nennenS- werlhe Minorität: das Land muß eS endlich wissen. Man hat diese Leute am Werke gesehen, sie sind auch bereit wieder anzufangen. Will man sie wieder wirthschaften lassen?... Es gibt unter ihnen nur Betrüger und Betrogene. Bezeigr ihnen das Land klar und deutlich seine Verachtung, so sind sie mit Hülfe der Obrigkeit binnen Jahresfrist todt; ist man gleichgültig, so zerstören sie die Gesellschaft.
Hr. Macfarlane, derselbe, der vor zwanzig Jahren sein „Constantinople in 1828“ herauSgegebcn, hat nach einem abermaligen Besuch in der türkischen Hauptstadt ein Buch unter dem Titel: „Die Türkei und ihr Schicksal" hcrauSge, geben, welches Schicksal er sehr schwarz malt. Er führt darin daS Urtheil des bekannten amerikanischen Missionärs Southgate an, welches also lautet: „Der junge Sultan ist mild gesinnt, aber seine Erziehung im Harem war sehr mangelhaft; jetzt lebt er ganz im Harem, und wird von den Launen seiner Weiber beherrscht, die nicht nur durch ihre Verschwendungen seinen Schatz leeren, sondern auch seinen Geist und Körper zu Grunde richten. Dies Leben führte er, seit er als Knabe von 16 Jahren den Thron bestieg. Die Wahrheit dringt selten durch die Mauern deS kaiserlichen Harems, und seine einsichtsvollsten Minister zittern vor den Intriguen seiner Weiber und