Kassel, 2. März. Wie in den dreißiger Jahren, so hat auch jetzt wieder Hr. Hassen Pflug zwèi Ministerien übernommen. Damals nahm er keinen Anstand, auch die doppelten Gehalte zu beziehen; jetzt soll er sich auf Lebenszeit daS Minèstergehalt von 4000 Thlrn. aus der Staatskasse und einen Zuschuß von 1000 Thlrn. jährlich aus der Kabinetskasse deS Kurfürsten ausbedungen haben. Die früher zu viel bezogenen GehaltSbelräge belaufen sich auf mehr als 9000 Thaler und kamen schon auf früheren Landtagen zur Sprache. Gestern hat der Abg. Leverer den Gegenstand wieder angeregt. Der Antrag auf Untersuchung der einschlägigen Sachverhält- nisse durch den Rechtspflegeausschuß wurde mit großer Mehrheit angenommen. Ueberhaupt mehren sich die Angriffe von Tag zu Tag. , Der Abg. M. v. Schenck stellte heute folgende Anfragen; „1) Aus welchem Grund ist am 23. Febr. durch Einberufung der Beurlaubten die Verstärkung der Garnison von Kassel und Hanau verfügt worden? 2) Wie viel betragen die Ausgaben, die durch diesen, nach wenigen Tagen wieder zurückgezogenen Befehl für den Staat entstanden sind?" Man ist begierig, ob und was der neue Kriegsminister in nächster Sitzung antworten wird. Es liegt auf der Hand, daß die auffallende und kostspielige Maßregel mit dem Sturze des Ministeriums Eberhard in Verbindung steht. Die Kosten- auSgabe wird schwerlich von der Ständeversammlung gebilligt werden, wie denn überhaupt das neue Ministerium keine große Bereitwilligkeit zu Bewilligungen finden wird.
Kassel, 6. März. Der Hr. Gymnasialdirektor Dr. V i l- mar ist laut amtlicher Nachricht unter Verleihung des Prädikats Konsistorialrath zum Referenten im Ministerium des Innern ernannt worden. (N. H. Z.)
Preußische Rheinprovinz. Bei der Nachwahl in Düren ist der Hermestaner Prof. Braun in Bonn zum Abgeordneten für das deutsche Volkshaus gewählt.
Freiburg, 4, März. Kiefer von Emmendingen, früher Abgeordneter zur zweiten Kammer, dann Mitglied der konsti- tui'renden Versammlung, endlich im letzten Akte unseres Trauerspiels an die Stelle von Brentano zum Diktator ernannt, wurde von hiesigem Hofgericht abwesend zu 15 Jahren Zuchthaus verurtheill. Bekanntlich befindet sich aber Kiefer schon in Amerika, wo er in Neuyork Speisewirth ist und cs ihm gut gehen soll.
Die Theilnahme an den Wahlen für Erfurt war eine äußerst geringe. In den fünf Wahlbezirken, in welche die Stadt eingetheilt ist, erschienen aus der Klasse der Niederst- besteuerten kaum je 30 Wähler, während aus den zwei übrigen Klassen noch viel Weniger von ihrem Wahlrechte Gebrauch machten, so daß im Ganzen nicht einmal 200 abgestimmt haben. Und so konnte es denn auch nicht fehlen, daß lauter Leute der äußersten Rechten gewählt wurden. Bei uns kennt man überhaupt nur die zwei Ertreme, und unsere ganze Staatsweisheit besteht darin, daß wir von einem in daS andere fallen. (S. M.)
Stuttgart, 6. März. In wenigen Monaten wird unsere ganze Eisenbahn, von Heilbronn bis an den Bodensee, bis Friedrichshafen, fertig sein: am 1. Juni wird die Strecke von Ulm bis Biberach, am 1. Juli die Strecke von Gcißlingen bis Ulm für den Verkehr eröffnet.
Meiningen, 27. Febr. Ich habe heute etwas zu berichten, »aö für unsere Stadt ein Ereigniß ist, und als solches auch besonders in den Kreisen der höheren Gesellschaft gepriesen wird. Unser Hof empfing nämlich den an denselben von der Republik Frankreich abgeordneten Gesandten Grafen Andre. Merkwürdiger noch als dieses Ereigniß sind aber wieder die Betrachtungen, welche das als das Organ der Regierung geltende Blatt, „Stimme aus dem Werrathale" an dasselbe knüpft. „Es dürfte, sagt eS, „nicht ohne eine tiefere Bedeutung seyn, daß Frankreich auch an die steinern deutschen Höfe Gesandte schickt, deren Souveränetät es anerkennt und gern erhalten wünscht. Lesen wir aber zwischen den Zeilen des Kreditivs, so lesen wir daraus erstlich, daß Frankreich keine Freude an der Einheit hat, welche in Deutschland angestrebt wird, und zweitens, daß eS glaubt, die kleinern Souveräne würden durch ihr Fortbestehen der Freiheit hinderlich seyn. ES wird aber anders kommen, als unsere junge kluge Nachbarin Republik eS wünscht und hofft. Die kleinen Staaten werden selbständig
bleiben, aber zu einem Ganzen sich vereinigen, in dem Einheit in der Mannichfaltigkeit sich stark und kräftig zeigt."
Dresden, 4. März. (D. A. Z.) Dem Vernehmen nach wird unsere Prinzessin Elisabeth, Tochter deS Prinzen Johann, nach dem bevorstehenden Osterfeste mit dem Herzoge von Genua, Bruder deS regierenden Königs von Sardinien, in hiesiger Hofkirche getraut werben. Der Bräutigam ist ein schöner und reicher Mann. Er wird mit einem großen Gefolge für sich und seine künftige Gemahlin hierher kommen. Zu seiner Einholung befindet sich der hiesige Hofmarschall von Gersdorf in Turin. Von unserm Hose werden große Festlichkeiten, Ball, Theater, Festspiel, Cour, Carrousel, Feuerwerk und dergleichen für die 8 bis 10 Tage dauernde Anwesenheit des Herzogs beabsichtigt und vielfache Thätigkeit herrscht deßhalb in den betreffenden Kreisen. Auch erzählt man, daß der König eine ausgedehnte Begnadigung der Maiangeklagten bei diesem Anlaß gewähren wolle.
Magdeburg, 5. März. Nach mündlichen Mittheilungen, die uns von verschiedenen Seiten zugekommen , hat sich bei Barby am 4. März gegen Abend ein erschütternder Unglücksfall zugecragen. Auf der Fähre, welche zum Uebersetzen von einem Ufer der Elbe zum andern benutzt wird, befanden sich gegen 50 Personen; in Folge der heftigen Strömung und deS starken Wellenschlages schlug die Fähre um, und sämmtliche auf derselben befindlichen Paffagiere, nur mit Ausnahme Eines Menschen, wie man sagt, wurden im Wasser begraben. Das Ereigniß ist um so trauriger, als sich unter den Ertrunkenen viele verheiratete Personen befanden, die zahlreiche Waisen zurücklassen. (Mgd. 3D
Berlin, 7. März. (Telegraphische Depesche.) Aus untrüglicher Quelle wird mir eben die Versicherung, die vielfach verbreiteten Gerüchte, alS ob Oesterreich in politischer Beziehung vositive Unionsvorschläge gemacht worden seyen, unbegründet. — Zu den Additional-Akten wird preußischerseils keine Abänderung beantragt. — Im Schooße des VerwaltungS- ralheS herrscht das beste Einverständniß.
Berlin, 7. März. (Köln.. Ztg.) (Durch den elektrischen Telegraphen bezogen.) Wie ich Ihnen aus bester Quelle berichten kann, wurde gestern zu Charlottenburg in einem Ministerrathe auf Antrag des Herrn v. Schleinitz die Abberufung deS preußischen Ge,andten ausHan- nover befchloffen und ist dieselbe heute erfolgt. Preußen läßt dort nur einen Geschäftsträger. Die kleinern Staaten werden muthmaßlich mit Abbruch ihres gesandtschaftlichen Verkehrs folgen.
Berlin, 5. März. (O.-P.-A.-Z.) ES hat sich in hiesigen, selbst höheren Kreisen das Gerücht verbreitet, daß die Eröffnung des Erfurter Reichstags nicht am 20 März, sondern am 4. April statthaben werde. Als Grund dieses Aufschubs wird angegeben, daß in mehreren kleineren deutschen Staaten die Wahlen' für den Reichstag bis zum 20. März nicht zur Ausfüh- rnng kommen könnten. In Bezug auf diese Angabe sind wir in den Stand gesetzt, aus zuverlässigster Quelle versichern zu können, daß die Eröffnung des Erfurter Reichstags an dem bisher anberaumten Tage erfolgen wird. Das Gerücht scheint auf irgend einem Irrthum zu beruhen. Nur auf diese Weise läßt eS sich erklären, daß eS auch in höhere Kreise seinen Weg gefunden.
Wien, 2. März. (A. Z.) Der Kaiser fährt nun fast täglich in offenem Wagen und in einfacher Uniform durch die belebtesten Straßen der Stadt nach dem Prater zu, und wird gewöhnlich mit sichtbarer Freude begrüßt. Seine häufigen Besuche in den Kasernen und seine vollkommene Kenntniß der slavischen Dialekte haben auf die gemeinen Soldaten einen lebhaften Eindruck gemacht, und ihm den Beinamen eines Kaisers Joseph verschafft. Der kindliche Sinn dieser Naturmenschen wird durch den Anblick der Majestät zur höchsten Begeisterung angeregt, und eS ist gewiß, daß der junge Monarch auf die Treue dieser Leute zählen kann. „Sobald er nun älter sein wird," sagte ein böhmischer Soldat, „dann sollt ihr sehen was er leisten wird." ES ist nicht uninteressant die Anschauungsweise dieser Menschen zu kennen. Heute ist der Sterbetag Kaiser Franz I, er wird durch kirchliche Feier geehrt. Die Gerüchte über Assentirung der ungarischen Nationalgarden,