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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 57»

Freitag den 8. März

1850»

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO fr. Inserate werdend die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelle», berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Auswanderung.

Ein Manifest des Napoleon.

Deutschland. Von der Aar (Zur Sittengeschichte). Stuttgart (Berichtigung). Erfurt (Die Lokalitäten). Magdeburg (Die freien Gemeinden), Berlin (Der Zusammentritt des Reichstags. Die Geschäfte des VerwaltungSrathS. Kurhessen und das Dreikonigs- bündniß. Hr. von Bodelschwingh. Die Jrvingianer). Hamburg (Die preußische Besatzung). Wien (Erpedition nach dem stillen Meere. Vermischtes).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Amerika. (Aus Kalifornien).

Die Auswanderung.

LKH. Von der Aar, 5. März. DaS Auswandern vie­ler Familien aus der hiesigen Gegend veranlaßt mich zu fol­genden Bemerkungen. Die Beweggründe, daß auch dieses Frühjahr wieder so manche Familie ihrer Heimath Lebewohl sagt, sind theils politischer und religiöser, theils sozialer Natur. Doch können auch Familienbeziehungen, trügerische Hoffnung auf Erwerb großer Reichthümer in kurzer Zeit die Ur­sache seyn.

Die Auswanderung entzieht dem Staate nicht nur viele Menschen und also ebensoviele Arbeitskräfte, sondern auch große Summen meist baaren Geldes. Wechsel gehen selten oder gar nicht mehr, weil zwischen Amerika und Deutschland wenig direkte Handelsverbindung besteht.

Im Jahr 1846 belief sich die Auswanderung aus Deutsch­land an 100,000 Personen; sie hat noch nicht nachgelassen 1848 kamen allein in Neu-Vork 52,000 an und 1849 noch einige Tausend mehr. Rechnet man nun im Durchschnitt 300 fl. Vermögen auf den Kopf, so ergibt sich dadurch für Deutschland ein Verlust an baarem Gelde jährlich von 30 Mil­lionen Gulden. Wahrlich, da ist es kein Wunder, wenn daS baare Geld rar wird, die Schulden sich steigern, das Gut im Werthe fällt rc,

Solch ein Abfluß von Menschen und Kapital könnte für uns wohlthätige Folgen haben, wenn diejenige Menschenklasse wegginge, welche dem Staat und der Gesellschaft entbehrlich oder zur Last ist, und wenn das wegziehende Kapital in nutzen- dringender Verbindung mit Deutschland bliebe. Aber meist kräftige, im besten Alter stehende Menschen, Landwirthe und Gewerbsleute, die noch einigermaßen bemittelt sind, ziehen weg, und das Kapital wird von Einzelnen, meist Fremden, ausgc- deutet und geht sür daS Mutterland verloren.

Nur durch den Staat kann die Auswanderung geregelt, gesichert, und für das Vaterland sowohl, als auch für die AuS- Wanderer nützlicher werden. Die Regierung leite den Strom der- selben nach Gegenden, wo die Nationalität nicht untergeht und eine Beziehung zur Heimath möglich bleibt. Biedere Agenten, energische Konsulate, die höhere Entfaltung unserer langsam vorwärtöschreitenden Kriegsflotte, sind nöthig, auf daß der

Deutsche draußen Schutz erhalte und der deutsche Name mehr geachtet werde.

Die Regierung sorge sodann, daß die ärmere, dem Staate ganz entbehrliche Klasse von Leuten, wenn nicht auf eigene, dann auf Gemeinde- oder Staatskosten übergesiedelt werde, und treffe zugleich Anstalten, daß den Auswanderern ihre Steig- ziele nicht um so große Prozente resp. Verluste von Juden und Mäklern abgchandelt werden. Könnte nicht die Landesbank die Steigziele übernehmen und eintreiben, und dem AuSwandern, den die Summe nach Abzug der gesetzlichen Zinsen auszahlen, wenn er seine Versteigerung gehalten?

Wichtig ist es, die neuen Ansiedlungen in stetem Verkehr mit dem Mutterlande durch Handels- und sonstige Verbindun­gen zu halten.

Die Auswanderungsvereine thun viel, dankend muß man es anerkennen, aber sie können nicht das erreichen, was er­reicht werden soll, aus leicht einzusehenden Gründen. Der Staat muß hier die Zügel in die Hand nehmen; cs ist ja sein eigener Vortheil. Wir glauben, daß in der Auswanderung ein Mittel gegeben ist, unsere jetzige kranke Zeit zu heilen!

Ein Manifest des Napoleon

Der neuesteNapoleon" enthält nachstehenden,Die Schweizerfrage" überschiebenen Artikel:Seit achtzehn JahWr hat sich die Presse bemüht, der Reihe nach die Vor­theile dcö englischen oder des russischen Bündnisses geltend zu machen, als ob zwischen der einen oder der anderen dieser Mächte eine innige Verbindung unerläßlich wäre, und als ob Frankreich nicht der Verbündete der einen seyn könne, ohne der Feind der anderen zu seyn. Nach diesem unaufhörlich in der politischen Welt wiederhallenden Satze würde cs scheinen, als ob unsere Nation einer anderen Kraft, als ihrer eigenen, bedürfte, um sich geachtet zu machen, einer anderen Stimme, als ihrer eigenen, um im Rathe der Könige gehört zu werden. Wir sind fern davon, eine Vereinzelung zu predigen, welche alle freien und freundschaftlichen Beziehungen aufhören lassen würde; aber nach unserer Ansicht muß ein Bündniß das Er, gebniß langer, wohlwollender Beziehungen, und nicht die Wir- kung einer plötzlichen Hinreißung seyn. Nachstehendes sind in dieser Beziehung die Worte deS Kaisers Napoleon:Frankreich ist durch seine geographische Lage, den Reichthum seines Bo­dens und die verständige Energie seiner Bewohner der Schieds­richter der europäischen Gesellschaft; cs tritt aus der Rolle heraus, welche die Natur ihm zuweist, sobald es erobernd wird; es steigt von derselben herab, sobald es den Verpflich­tungen irgend eines Bündnisses gehorcht. Frankreich ist für die Notionen Europa's, was der Löwe für die ihn umgeben­den Wesen ist. Es kann sich nicht regen, ohne Schützerin oder Zerstörerin zu seyn. ES gewährt die Unterstützung seiner Kraft, aber es tauscht sie nie in seinem eigenen Interesse gegen eine Hilfe auS, die ihm zu seiner Vertheidigung nöthig wäre. Seine eigene Kraft genügt ihm stets, selbst dann, wenn eS