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Wien, 1. März. (O.-P.-A.-Z.) Ein Erlaß des 3. Armee« kommanbos an die verschiedenen Kommanvanten in Ungarn hat große Bestürtzung unter sehr vielen dabei Betroffenen her- vorgebracht. Er lautet:

' Das hohe k. k. Militärdistriktskommando ist beauftragt, laut hohen 3. Armeekommandobefehls vom 15. Februar Nro. 806, sämmtliche Nationalgarven, welche während der hierlân- dischen Revolution in die Honvedstruppene ingereiht waren, oder welche ihre Heimaih verlassen haben und bewaffnet ins Feld zogen, zu assenrircn, solche aber vom Assentplatze bis zur Ein­berufung zu beurlauben, ausgenommen die Guerillas und Honveds. Die Assentirten sind an daS hohe Landesmilitär­kommando zu senden und die Urlauber in genauer Evidenz zu halten.

DieOesterr. Korresp." ist bemüht, den peinlichen Ein­druck dieses Erlasses durch die Voraussetzung zu mildern, daß sich diese Maßregel wohl nur auf solche Theilnehmer der frü­heren Nationalgarde beziehe, welche sich nicht durch psycholo­gischen oder materiellen Zwang bestimmen ließen, in das Feld zu rücken, an den Kriegsoperationen mehr als passiven Anthei nahmen und ihrer revolutionären Gesinnung wegen bekannt und deßhalb gemeingefährlich waren.

Dem Vernehmen nach sind in Palma nuova Unruhen ausgebrochen, die jedoch durch rasches Einschreiten der Mili­tärgewalt sogleich unterdrückt wurden.

In Cervignano, im Küstenlande, sind Erzesse vorge­fallen, weßhalb einige Truppenabtheilungen dahin beordert wurden.

DieOesterreichische Korrespondenz" vom 1. März sagt: Der heute hier eingetroffene Osservatore Dalmato bestätigt die auf telegraphischem Wege gebrachte Mittheilung , daß von den etwa 100 zu Travnik in Bosnien befindlichen ungarischen Flüchtlingen eine bedeutende Zahl in den Militärdienst der Pforte trat; dieselben erhalten eine tägliche Löhnung von 10 fr. K. - M. und außerdem eine Ration an Brod, Fleisch und Reis.

Am 2. Februar traf zu Varna ein türkisches Dampfboot ein, welches den Pfortenkommissär Mehemed Effendi nebst zwei höheren Beamten an Bord hatte. Diese Kommission ist nach Schumla bestimmt, um die Angelegenheit der Flüchtlinge der mit beiden Mächten getroffenen Uebereinkunft gemäß in daS Reine zu bringen."

Frankreich.

Paris, 2. März. Es wird versichert, daß die morgen er­scheinende Nummer desNapoleon" einen sehr kriegerisch gehal­tenen Artikel über die Schweizer Angelegenheiten bringen soll, trotz deS Widerstrebens des Generals de Lahilte, Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, der sich bemüht, so lange als thunlich die Möglichkeit oder wenigstens die Hoffnung des Friedens aufrecht zu erhalten. Für den Fall eines Krieges mit dem Auslande könnte die Regierung auf eine sehr kom­pakte Majorität in der Nationalversammlung zählen. Nicht nur, daß die gegenwärtige Linke schon mit der größten Heftig­keit in den Wahlversammlungen, in ihren Journalen rc. auf die Drohungen des alten Europa hinwcis'l; auch die Partei Thiers, Odilon Barrot u. s. w., die durch ihre Vergangenheit auf dem Boden der Revolution steht, ist darin mit der Linken einig, daß die Schweiz, nachdem sie einmal in Bezug auf die Flüchtlinge den Anforderungen Preußens und Oesterreichs ent­sprochen hat, nicht gezwungen werden könne, Neuschatel wieder herguSzugeben und den alten Bundesvertrag wiederherzustellen. Jeder Berufung auf die Verträge von 1815 würde mit der Verletzung dieser Verträge bei der Inkorporation von Krakau geantwortet werden.Der erste preußische Soldat, der die Baseler Brücke überschreitet, gibt das Zeichen zum allgemeinen Kriege!" Dies ist die Sprache sehr gemäßigter, bedächtiger und so zu sagen offizieller Journale der Partei Odilon Barrot, Piscatory, Dufaure u. s. w. Nach der Ansicht derselben kann Frankreich mit Gewißheit auf die Allianz Englands, Belgiens und Piemonts zählen, ohne die allenfallsigen Sympathieen für eine republikanische Armee in Deutschland und Italien und auf unvorhergesehene Ereignisse in Polen und Ungarn zu rechnen.

Paris, 3. März. (O.-P.-A.-Z.) Man verbreitete in den lebten Tagen und im Elysee selbst das Gerücht, der Präsident der Republik werde hinsichtlich der Wicdcrcrwählung zur Prä- jldenlichaft eine Maßregel ergreifen, welche dieselbe ohne Staats­

streich sichern könne. Er würde nämlich seine mit Gründen belegte Entlassung geben, in der Erwartung, durch das allge­meine Stimmrecht mit einer solchen Mehrheit wieder gewählt zu werden, daß die gesetzgebende Versammlung genöthigt seyn würbe, sich für die Revision der Verfassung auszusprechen, auS welcher dann die Artikel verschwinden könnten, welche der Wiedererwählung des Präsidenten nach Ablauf seiner AmlS« daucr entgegen stehen.

Auf die Aufforderung des Präsidenten der Republik, daß sich alle Veteranen der kaiserlichen Armee um Nationalbcloh« nungen melden sollen, haben sich so zahlreiche Ansprüche erho, ben, daß heute eine Regierungskommission zur Prüfung der­selben niedergesetzt wurde.

Man will wissen, daß vier Mitglieder der Bergpartei nächster Tage folgenden Antrag in der Nationalversammlung stellen werden: Einziger Artikel: Vom nächsten 15. März an soll der Ruf:Es lebe der Kaiser!" als aufrührerisch be­trachtet werden.

Paris, 3. März. Dem Minister des Auswärtigen ist durch den russischen Gesandten die Note mitgetheilt worden, welche daS Petersburger Kadinet in der griechischen Angelegenheit an die englische Regierung gerichtet. Wenn man der bekanntlich gut un­terrichteten Patrie glauben darf, so wäre dieselbe in sehr scharfen Ausdrücken abgefaßt und prolestire in einer so entschiedenen Weise, als es die diplomatische Form nur immer gestattet.

Türkei.

Ein Schreiben aus Schumla bringt Folgendes: Der so-- genannte Emigrationsausschuß hat eine Kommiisivn angeordnet, um die Urheber des gegen die Wohnung des österreichischen Vizekonsuls stattgehablen Attentats ausfindig zu machen und zu bestrafen. Der Emigrant Szerenyi, ehemaliger Vizegespan, verfügte sich zu Hrn. v. Rößler, und ersuchte ihn um die Mit­theilung der näheren Aufschlüsse über den ganzen Vorfall. Die Antwort des Vizekonsuls war eben so würdevoll als präzis; sie machte es dem Sendling klar, daß Hr. v. Rößler dem Emi­grationstribunal durchaus keine Kompetenz zuzuerkennen grr sonnen sey, sondern daß er die in der Sache nöthige Amtshand­lung von den türkischen Behörden erwarte. Den letzteren. scheint das Treiben derGäste des Sultans" nun doch e-Uv-rs bange zu machen. Halim Pascha verordnete-, daß die Flücht­linge in den Kasernen konsignirt und ihnen alle Waffen abge­nommen werden, womit sie bisher reichlich versehen waren; nur die höheren Führer sollen von dieser Regel ausgenommen bleiben.

Ein so ungewohntes Auftreten der osmanischen Behörde veranlaßte unter den Emigranten vielseitige Reklamationen. Zamoyski, den die polnische Legion als denThronfolger" Adam Czartoryskis betrachtet, eilte der Erste zu Halim Paicha, um ihm ernste Vorwürfe über eine Behandlung' zu machen^ die den Emigranten den Anschein gebe, als ob sieGefangene" wären, worauf der Pascha lakonisch erwiederte:Wie, Sie wußten bisher nicht, daß sie eS seyen?" Von den Polen sollen bereits über 500 Mann in den Kasernen untergebracht worden seyn, während die Magyaren sich noch immer nicht dem Beschlusse gutwillig unterziehen wollten, daher der Pascha höhern Oris anfragte, ob er die Widerspenstigen mit Bajon« neten zu Paaren ;u treiben habe. Oesterr. Reichz.)

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

Bis jetzt sind an Unterzeichneten folgende Gaben für die durch Waffers- noth Bcorängtcn und Notkioidonven Lorchs cingegangcn:

1. âlon Herrn Grafen v. Walkerdorf zu Molsberg 50 ff.

2. König!. Sâchs. Major Freiherrn von Hansen in Dresden 70 ff., welche beido Gaben an das UntersiütznngSkomite dahier abgegeben wurden.

3. Von Herrn B. Mai auf der Hammermühle 26 ff. 15 kr. und 158 Laib Brod.

4. Durch Herrn Kaplan Kaltenhänser in Oberlahnstein 22 ff.

5. Durch Herrn Dekan Castello in Bingen 14 ff.

6. Durch Herrn Kaplan Weber in Helferskirchen 18 ff. 30 kr.

Die Gaben sub 3, 4, 5 und 6 sind an die Hartbedrängten in augen­blicklicher Roth vertheilt worden. Im Namen der zahlreichen Unterstützten spreche ich den wärmsten Dank den liebevollen, freundlichen Gebern aus.

Lorch, den 3. März 1850. FUziugev, Pfarrer.