Einzelbild herunterladen
 

Deutschland.

A Eltville, 5. März. Gestern Abend bald nach 8 Uhr hat stch dahier ein Unglücksfall ereignet, bei dem mehrere Men­schenleben hart gefährdet waren, wenn nicht augenblicklich Hilfe gekommen wäre. Unter furchtbarem Krachen stürzte nämlich der Theil deS am Rhein gelegenen früheren Gasthauseszum Kreuz" zusammen, welchen der Privatlehrer Fritzmann mit feiner Familie bewohnte, die gerade bei Tische saß und ohne irgend ein Vorzeichen sich auf einmal unterm Schutt begraben fühlte. Sofortiger Hilfe gelang es, sie sämmtlich zu retten, und einige leichte Verwundungen und Quetschungen ausgenommen, befin­den sie sich wohl. Die Möbel dagegen sind total zertrümmert. Das Gebäude ist alt und scheint verwahrlost. Wiewohl eS zunächst des Rheines liegt, so übt doch daS Wasser keinen Einfluß darauf.

,% Diez, 4. März. So eben hören wir, daß Hr. Kan­didat Künstler als Lehrer an der Realschule seiner Stelle ent­hoben worden, und zum Kaplan nach Espa und Weiperfelden versetzt worden ist.

Vor Allem bedauern wir es, daß die hiesige Realschule an Herrn Künstler nicht nur einen ausgezeichneten Schulmann veUiert, sondern auch einen eben so tüchtigen Erzieher der Schuljugend, welcher durch unermüdlichen Eifer in der Schule und strenge Handhabung der Disziplin unsere Real­schule so sehr gehoben hat, wie das früher niemals der Fall gewesen ist. Dennoch hat dieser ehrenwerthe Schulmann einer gewissen Partei hier weichen müssen, welche sich vorzugsweise die freisinnige nennt, aber unter Freiheit nichts anderes zu verstehen scheint, als Willkürherrschaft.

Der hiesige Gemeindeausschuß hat nach seinem schwindel­haften Begriffe von VolkSsouveränetäl in einer besonderen Sitzung beschlossen, Herrn Künstler von Diez zu entfernen, und hat zu dem Zwecke eine Supplik bei Herzoglicher Regie­rung eingereicht, und es währte nicht lange, so wurde gegen Erwartung aller rechtlich denkenden Bürger von hier wirklich eine Versetzung des Herrn Künstler durch dieNass. Allg. Zeitung" uns bekannt.

Wir können dies Verfahren der Regierung in Sachen deS Herrn Künstler nicht begreifen, da wir doch nicht wohl un­terstellen können, als liebäugle dieselbe mit der hiesigen soge­nannten freisinnigen Partei, und wolle mit ihr Hand in Hand gehen, und ihr ja nicht auf den Fuß treten.

Möge indessen die Regierung bedenken, welche gefährliche Wege sie hier einschlägt, indem sie durch ein solches Admini- tzrationsverfahren in Diez die Willkürherrschaft der radikalen Partei moralisch befestigt und dieser einen Mann von Tüchtig­keit, Ehre und Gewissenhaftigkeit geradezu hinopfert. Jeden­falls wird ein solches Verfahren die schlimmsten Folgen nach sich ziehen, und daS sollte eine höhere Staatsbehörde doch wohl erwägen.

Mainz, 5. März. (M. I.) Se. K. H. der Prinz von Preußen haben den Postillon Fries von Niederingelheim mit dem nachfolgenden huldvollen Schreiben zu erfreuen geruht: Nach den vor dem Geschwornengerichte zu Mainz gepflogenen Verhandlungen ist der ic. Adam Schneider von der gegen ihn erhobenen Anklage freigesprochen und auch ein anderer Ur­heber des Schusses, durch welchen Sie getroffen, nicht ermittelt worden. Zum Zeichen Meiner Theilnahme indessen an der Verwundung, die Sie erlitten, und in Rücksicht der dabei ob­waltenden eigenthümlichen Umstände finde Ich Mich veranlaßt, Ihnen vom 1. Januar 1850 ab eine Unterstützung von monat­lich 5 Thaler zu bewilligen, zu deren Auszahlung in monat­lichen Raten Meine Hofstaats-Kasse heute mit Anweisung ver­sehen worden ist. Frankfurt a. M. den I. März 1850.

Prinz von Preußen."

Frankfurt a. M., 1. März. (Allg. Z.) Nach ziemlich verbürgten Mittheilungen darf man schon in der nächsten Zeil der Ankunft des Herrn ».Schmerling aus Wien entgegen sehen. Kein Zweifel daß seine Sendung einerseits mit den österreichi­schen ZolleinigungSvorschlâgen , andererseits mit der endlichen Festsetzung der deutschen Verfassungsverhältnisse in Verbindung steht. Hoffentlich wird nun auch in kurzem der sogenannte VierkönigScntwurf aus dem mystischen Dunkel, in welches wi­dersprechende Zeilungögerüchte ihn bisher eingehüllt, ans volle Tageslicht hervortret-n.

Frankfurt, 5. März. (D. Z.) Wir müssen bedauern, daß wir die Angaben einer nicht gut unterrichteten Presse wie­derholten, wenn wir in Betreff des Fürsten Gorschaikoff be­richteten, daß derselbe von der Bundeskommission als Gesand­ter Rußlands bereits empfangen worden sey. Vielmehr erfahren wir jetzt, daß derselbe zwar die gemeldete Bestimmung erhalten, ein Beglaubigungsschreiben deS Kaisers von Rußland aber noch nicht überreicht hat.

Kassel, 4. März. (D. Z.) Die Nachricht, daß der Mi­nister Hassenpflug nach Berlin gereift sey, war falsch: er hat Kassel gar nicht verlassen. Gestern Abend fand das große Festmahl zu Ehren der abgetretenenen Minister statt.

Koblenz, 4. März. Vor einigen Tagen wurden zirka 170 Gewehre, welche aus dem Prümer Zeughause entnom­men waren, aus Baden (!!) hier eingebracht.

Stuttgart, 4. März. Durch Verordnung vom gestrigen Datum istdie zur Berathung einer Revission der Verfassung neu gewählte außerordentliche Versammlung" auf den 15, März d. J. nach Stuttgart einberufen. Die Iden deS Märzes.

Hohenzollern, 3. März. (D. Z.) Um in den beiden ganz offenen Hohenzollern'schen, Fürstenthümern eine Position zu gewinnen, welche im Nothfalle einer kleinen Besatzung die Möglichkeit gewährt, sich bis zur Herbeiziehung von HükfS« truppen zu vertheidigen, wird das alte Stammschloß der Hohenzollern zu einer befestigten Kaserne für 800 Mann ein­gerichtet werden.

Berlin, 3. März. (K. Z.) In der Sitzung des Verwal- tungsraihks vom 1. März wurde auch die Botschaft der Regierungen an den Reichstag mit geringen Mo­difikation! in der Fassung genehmigt, und es liegen nun also alle Vorlagen vor. In jener Sitzung fand übrigens ein sehr ern­stes Ereigniß Statt. Ich meine die protokollarische Erklärung der Bevollmächtigten sämmtlicher verbündeten Regierungen über den offenen Vertragsbruch von Hannover. Nach Ver­lesung des betreffenden, von der preußischen Regierung dem Verwaltungsrathe vorgelegten hannoverischen Aktenstücks liehen Herr v. Lepcl, der Bevollmächtigte Darmstadts, sowie Herr Seebeck, der Bevollmächtigte sämmtlicher thüringischer Fürsten­thümer , der allgemeinen Indignation den geeigneten, eben so scharfen als wahren Ausdruck, und nannten die Sache rück­haltslos bei ihWn^cchrcu- Name». Ihren zu Protokoll gege­benen (SrfTarurigen traten mit Ausnahme des Herrn v. Oertzen (für Mecklenburg-Strelitz) alle Bevollmächtigte bei, und wie ich versichern höre, scheint dieser Erklärung nach das Abbrechen der gesandtschaftlichen Verhältnisse mit Hannover von Seiten mehrerer Staaten bevorzustehen. Das betreffende Protokoll wird morgen vollzogen und alsbald veröffentlicht. Die defi­nitive Wahl der Kommission für den Reichstag findet erst nach Hrn. v. Rabowitz's Ankunft Statt.

Berlin. In der Voss. Ztg. finden wir dieAbwehr ei­ner Verläumdung," d. h. eine Erklärung Herrn Karl Gutz- kow's über sein A streten bei den Vorgängen des 18. März 1848, die durch eine Verdächtigung hervorgerufen wurde, wie sie leider gegenwärtig in Berlin an der Tagesordnung sind. Es war in einigen Blättern davon die Rede, Hr. Gutzkow sei zum technischen Direktor der königl. Bühne bestimmt. Als Hinderniß einer solchen Ernennung ward aber sofort von wohlwollender Seite her seine Theilnahme an den Märzereig­nissen bezeichnet. Hr. Gutzkow schildert deßhalb diese Theil­nahme ausführlich, wornach sie darin bestand, daß er sich zu­fällig mit Frau und Kind auf einer Erholungsreise in Berlin befand und auf Lichnowky's Veranlassung den tobenden Hau­fen vor dem Schlosse durch Zureden zu beruhigen suchte.

Memel, 27. Febr. Die beiden Gemeinden der Wieder­täufer, von denen die eine in der Stadt, die andere auf der Vorstadt Witte ihre Versammlungen hält, nehmen in der neuesten Zeit durch eine große Anzahl von Leuten, die aus der Landeskirche zu ihnen übertreten, bedeutend zu. Alle Strafen welche von den Behörden in früherer Zeit gegen mehrere Mit­glieder wegen der Vollziehung von Taufen, Trauungen und Abendmahl in Anwendung gebracht sind, erweisen sich als erfolglos. Nächstens soll der Bau ein'es eigenen Gotteshauses für diese Gemeinden in Angriff genommen werden.