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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M SS. Mittwoch de» 6. März 1850.

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Frankfurt (Trauerftst). Darmstadt (Kattmann. Auswanderung nach Merika. Politischer Prozeß). Kassel (Haffen- pstug). Mannheim (Tenier'S Scheerenschleifer und die Polizei). Leipzig (Die Zustände in Athen). Brieg (Mathy gewählt). Wien (Jllustrirtc Blätter. Der Grubenbrand in Bochnia. Der Vcr- fuisungâentwurf. Die ungarische Separatistenpartei. Bevorstehender Ein­marsch österreichischer Truppen in Würtemberg).

Großbritannien. London (Familienkongreß bei Ludwig Philipp).

Italien. Rom (Eine Hinrichtung). Neapel (Der Vesuv. Theue­rung in Sizilien).

Ungarn. Von der ungarischen Gränze (Honvedtranöporte).

Türkei. Konstantinopel (Eine deutsche Sonntagsschule).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsschau.

Der Napoleon hatte in seiner letzten Nummer den National scharf aufs Korn genommen. Darauf enthält nun dieses Blatt eine Erwiederung mit der Ueberschrift: An unsern Kollegen Hrn. L. Bonaparte. Der Ton der in Brief­form gehaltenen Polemik ist charakteristisch für die französischen Preßzustände, er dürfte dem Präsidenten der Republik sein RevaktlonSamt etwas verleiden. Der National schreibt: Mein Herr! Sie haben in einem Artikel des SonntagS- KaiserS: die Gegner des Präsidenten, uns direlt an­gegriffen. Es ist unS erlaubt Sie zu fragen, denn ein Jour­nal der großen Partei der Ordnung behauptet, dieser Artikel sey ganz auS ihrer Feder geflossen. Wir wollen Ihnen nun auch unsererseits einige Zeilen widmen. Ihre Angriffe erfor­dern übrigens keine lange Antwort. Es ist nach Ihnen ein Berbrechen, Ihr Gegner zu seyn. In dieser Beziehung, zwei­feln Sie nicht daran, werden Sie in uns verhärtete Verbre- cher finden. Sie.werfen uns vor, wir hätten Sie schon be­kämpft ehe die Wahl am 10. Dez. Ihnen Gelegenheit gege­ben, Ihre Politik darzulegen. Was beweist dieß anders, als daß wir richtig geurtheilt haben? Sie werfen uns vor, daß wir in unserer Opposition gegen Ihre Gedanken und Ihre Noten beharren. Was beweist dieß anders, als daß Sie alle unsere Besorg­nisse bestätigt haben? Sie sehen, wir bekunden Ihre Vorwürfe, nicht um sie zu widerlegen, sondern um sie für unS in An­spruch zu nehmen. Wir verdienen sie, wir sind stolz darauf, dieß ist ein Rechtstitel, den wir nicht freiwillig aufgeben moch­ten, darauf können Sie sich verlassen. Ja, wir sind Ihre Geg­ner gewesen in der Vergangenheit, wir sind Ihre Gegner in der Gegenwart, und wir werden Ihre Gegner seyn in der Zukunft, denn eS ist nicht wahrscheinlich, daß Sie Ihr Belra- gen bessern werden. Erlauben Sie uns, dabei mit Ihnen stehen zu bleiben. Wir könnten ohne Zweifel über gewisse Ausdrücke Ihres Artikels rechten, wir thun cs nicht, und in Wahrheit wird Niemand denken, daß es nothwendig sey. Ihre

Politik haben wir nicht mit Ihnen, sondern mit dem Land zu erörtern. Ein Wort zum Schluß. Nach Ihrer politischen Elegie über die vermeintlichen systematischen Feindseligkeiten, deren Gegenstand Sie seyen , nach dieser gefälligen Apotheose, die Sie sich selbst zucrkennen, machen Sic den Wählern von Paris die Kandidaten Ihres Beliebens bekannt, und in einem Ton, der keine mögliche Widerrede zuläßt, fügen Sie hinzu: Jede andere Kandidatur hätte weder unsere Unterstützung, noch unsere Zustimmung. Das, dünkt uns, heißt gegen die souvre- nen Wähler den Ton etwas hoch stimmen. Das ist das Ge- bahren jener gestiefelten und gespornten Politik, welche Lud­wig XIV. im versammelten Parlament so gut gelang. Aber um mit der Peitsche Ludwigs XIV. zu knallen, bedürfte eS zweier kleiner Bedingungen : zuvörderst Ludwig XIV. zu seyn, dann im 17ten Jahrhundert zu leben, statt im lOten, aber freilich, sind Sie nicht wie Sie nicht aufhören können zu wiederholen sind Sie nicht der Neffe eines erlauchten Oheims? Und ist damit nicht alles gesagt, alles gerechtfertigt? Empfangen Sie rc."

Bezeichnend für die Hofhaltung des Präsidenten der Re­publik ist folgender Bericht deSDir Decembre" über den vor, gestrigen Empfang im Elysee:Die Soiree im Elysee Na­tional war sehr glänzend. Eine ausgewählte und außerge­wöhnlich zahlreiche Gesellschaft drängte sich in den SalonS. Die Mitglieder und der Vorstand der Nationalversammlung, die Minister, das diplomatische KorpS ganz vollzählig, die Ge­nerale, die Offizire der verschiedenen Regimenter der Armee von Paris mehrere Offiziere der Nationalgarde, Magistrats­personen, Literaten und Künstler wohnten dieser Gesellschaft bei. Der Präsident in der Uniform eines Generals der Na­tionalgarde gab feiner Tante, der verwittweten Großherzogin von Baden, den Arm und durcheilte mit ihr jeden Salon, wo, bei er sich mit mehreren der zahlreichen Gäste unterhielt. Die Tänze dauerten bis fast 3 Uhr. Ihre königliche Hoheit die Großherzogin zog sich um Mitternacht in ihr Gemach zurück, begleitet vom Präsidenten, dem badischen Minister­residenten und dem Kapitän Lepic, Ordonnanzoffizier." Klingt diese Schilderung nicht ganz so wie ein Artikel auS einem Hofjournal eines absoluten und legitimen Souveräns? Gewiß hatte die Großherzogin sich einer solchen Pracht in der Amts, Wohnung deS Präsidenten einer Republik nicht versehen, auch erzählt man sich, daß sie zu ihrem Neffen geäußert habe: Bürger Präsident, Ihre Gesellschaft ist die einer durchlauch, tichsten Hoheit." Diese Aeußerung ist jedenfalls treffend, auch wenn sie der Großherzogin nur in den Mund gelegt wäre.

Deutschland.

Frankfurt, 3. März. (O.-P.-A.-Z.) Den seit 1844 auf dem Feldberge gehaltenen Volksfesten ist durch Maßregeln un- gegründeten Mißtrauens vorläufig ein Ende gemacht worden.