Nassauische
Allgemeine Zeitung.
M SS Mittwoch de» 6. März 1850.
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags.— Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Tburn- und TariSschen Verwaltungsgebietes 8 ft. IO fr. — Jnserate werden^ die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelleu- ierg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Zur Eisenbahnfrage.
Deutschland. Wiesbaden (Die Feier des 4. März). — Frankfurt (Zwiespalt im Schoße der Bundeszentralkommission. Der Prinz von Preußen). — Darmstadt (Die Gemeinde Kirchbrombach). — Kassel (Untersuchung gegen Haffenpflug. Ehrenbürgerrecht an Eberhardt. Minister Haffenpflug nach Berlin). — Berlin (Rührigkeit der KreuzzeitungS- Partei). — Oldenburg (Die Truppen). — Bremen (Gerücht von einer preußischen Besatzung für die Stadt). — Schleswig-Holstein (Vollpracht). — Wien (Russische Truppen in Siebenbürgen).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Sprechsaal für Stadt und Land.
delsstädte Deutschlands, und welche wohlthätige Rückwirkung steht bevor? eine Rückwirkung, welche alle Reize des schönen RheinstromeS und der vaterländischen Lahn unmöglich zu verbreiten verwogen. Auf welchen Standpunkt sich auch immerhin unser Staatsministerium stellen mag, so wird es nimmer Deriäugnen können: daß die Westerwälder Route (Nordbahn) bei weitem die Interessen einer größern Anzahl von Staatsangehörigen berühren muß, als alle andere Richtungen, und daß, wo das allgemeine Interesse hinneigt, der Würfel fallen und das Recht bestehen muß, denn nur die Allgemeinnützigkeit kann Maßstab bleiben.
Möge das Herzogliche Ministerium seine, an Hachenburg erlassene Note so verstanden haben. S.
Zur Eifenbahnfrage.
$ Vom Elbbach. Das Land ist umlagert von Eisenbahn- projekten. Jedes Thal, jede Ebene trägt ihre Ideen zu Markte: der Rhein, die historisch-klassische, ja selbst idyllische Bedeutung seines Gaues, und die Lahn, die industriellen Kräfte, und den Erzreichthum ihres Stromgebietes. Den Westerwald dagegen bedauert und betrauert man seines ewigen Schnee's, seiner Unwirthlichkeit, seiner unbedeutenden Produktionen wegen. Aber erstreckt sich denn der Westerwald von Hachenburg nach Wiesbaden?
So weit unsere geographischen Kenntnisse reichen, wird die Bahnlinie über den Westerwald jenseits Westerburg kaum den südwestlichen Abhang des Amtes Marienberg, etwa eine Strecke von zwei Stunden berühren und selbst da war in diesem Jahre Alles schon von Schnee befreit, als die Eisschollen und hohen Wasserflächen des Rheines noch jeder Schranke trotzten.
Wie würde es zu jener Zeit der Kommunikation einer Rheinbahn ergangen seyn, welche man wahrlich nicht, gleich den Schwalbennestern, aus die Zacken der hohen Felsenspitzen des RhcinthalS aufheften konnte? Auch die Rheinbahn ist eine Rumpfbahn und ihre Verbindung mit der Lahnbahn erinnert zu sehr an die Träume Münchhausens, als.er die Kirche um das Dorf tragen sah. Zu Spazierfahrten würde die Rheinbahn als ein zu großartiger Lurus erscheinen und als Weltstraße am Saume unseres Ländchens zu sehr gegen das All- gemeinintereffe des HerzogthumS. Herrlich ist Die Idee, daß der Rhein und Die Lahn sich gegenseitig die Hände reichen wollen, aber dann mögen sie auch nicht das ihre Ufer umgrenzende Binnenland, welches daö Wohl und Wehe des ganzen HerzogthumS in sich trägt, zum Opfer bringen. Auch der Westerwald hat seine Romantik, auch der Westerwald trägt seine reichen Schätze in seinen Eingeweiden, und die einzige Sauerquelle im goldenen Grunde (SelterS) sprudelt vielen Tausenden oft mehr, Freude und Labung , als oft die ganze Weinkreszenz. Oder was hätte die Rheinbahn noch weiter zu erportiren? Getraide, Mastvieh, Fabrikate? Und wie? würden nicht Wiesbaden und Liitiburg die Herzpunkte der Interessen zweier der größten Han
Deutschland.
* Wiesbaden, 5. März. Der gestrige zweite Jahrestag unserer Märzerhebung ging äußerst still vorüber. Von Seiten der Konstitutionellen geschah gar nichts; die Demokraten hielten eine Feier im Gasthause zu den „Vier Jahreszeiten" ab. Wir hätten wohl gewünscht, daß auch von Seiten unserer Partei irgend eine, wenn auch noch so bescheidene Erinnerungsfeier veranstaltet worden wäre, nicht daß wir überhaupt sonderlich viel von dergleichen Festlichkeiten hielten, sondern zum Wahrzeichen der Partei, welcher wesentlich Der 4. März angehört.
Frankfurt, 27. Febr. (Hamb. Korr.) Daß das Gelingen der österreichischen Wühlereien am kurhesstschen Hofe gelungen ist, hat hier sehr überrascht und noch mehr die heute hier cin- gelaufene Nachricht, daß in Kurhessen alle Beurlaubten nicht bloß der diesjährigen, sondern auch der vorjährigen Konskription einberufen werden. Haffenpflug, am preußischen Hofe beliebt, aber ein Mann der Partei Gerlach in aller und jeder Beziehung, ist als ein energischer Mann bekannt, und ist man wegen der möglichen Folgen dieses Entschlusses des Kurfürsten hier nicht ohne Besorgniß, besonders in einem Momente, wo der Wirrwarr so groß ist, wie er nie zuvor war,: was wir hier an der hohen Bundes-Kommission am besten zu beobachten Gelegenheit haben, Denn in dieser herrscht, sicherem Vernehmen nach, der größte Zwiespalt, weil sich die Prinzipien so schroff einander gegenüber ständen. Neue Nahrung habe dieser Zwiespalt durch die Zolleinigungs-Vorschläge Oesterreichs erhalten, indem die preußischen Mitglieder die Kompetenz der BundeS- Kommission zur Einberufung deS Zollkongresses bestritten, während die Oesterreicher Dem entgegensetzten, es bestände feine andere Behörde , bei welcher ein Vorschlag auf Zolleinigung Oesterreichs mit dem übrigen Deutschland eingebracht werden könnte. Der Prinz von Preußen scheint bemüht zu seyn, die Bundes-Kommissäre einigen zu wollen, man steht wenigstens Hrn. v. Kübeck oft bei demselben Vorfahren und lange verweilen. „
Frankfurt, 4. Febr. Se. königl. Hoheit der Prinz von Preußen begab sich heute um 11 Uhr auf der Taunuseisen-