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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ SL. Dienstag den 5» März 18SV

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Amtlicher Theil.

Konzession zur Vermittlung von AuSwandernden betreffend.

Nichtamtlicher Theil.

Zeitungsschau.

Am vierten März.

Deutschland. Frankfurt (Russische Gesandtschaft bei der Bundes- zentralkemmissivn). München (Die Verfaffungskonferenzen). Erfurt (Die ParlamentSlokalitâten). Halle (Zwei Studentensachen vor dem Schwurgerichte). Berlin (Der VerwaltungSrath. Die Schweizerfrage).

Frankreich, Paris (Vermischtes).

Italien. Biterbo (Allegorisches Verbrechen). Venedig (Ein Weg­weiser).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Amtlicher Theil.

Konzession zur Vermittlung von AuSwandernden betreffend.

Es wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß der Kaufmann Adolph Wallach zu Weilburg als Hauptagent deS Koblenzer HauptvereinS für Auswanderung die Erlaubniß zum gewerbsmäßigen Betriebe der Vermittlung deS Transports von Auswanderern unter den in der Verordnung vom 31. Januar 1849 enthaltenen näheren Bestimmungen erhalten hat.

Wiesbaden, den 27. Februar 1850.

Herzoglich Nassauisches Staatsministerium, Abtheilung deS Innern.

Schepp.

vdt. Mollier.

Nichtamtlicher Theil.

3 e i t u n g s s ch a u

Der in Marburg erscheinende hessische Volksfreund richtet folgende Worte an die Volksschullehrer:

ES ist allbekannt, welche Rolle ein großer Theil unserer VolkSschullehrer seit den Tagen der Bewegung gespielt hat; eS war ein durch Treibhausbildung und Hochmuth, so wie durch Unzufriedenheit mit ihrer materiellen Lage genährter Drang nach unverstandener Freiheit und nach Verbesserung ihrer Lage, der sie zu Verbündeten deS Aufruhrs machte. DaS Verlangen nach Erhöhung ihrer Besoldung ist ihnen, so weit die Kräfte deS Staates reichen, erfüllt worden , das Gelüste nach Emanzipation oder Trennung der Schule von der Kirche konnte bis dahin nicht, und kann und darf nie und nimmer

eine Befriedigung finden, es sei denn, daß der selbstzerstörerische Wahnsinn, der aller Vernunft sich entleert hat, durch absolute Machtsprüche der Kirche und Schule und den Gemeinden ein dahin zielendes Gesetz aufzwinge. Ein solches Gesetz würde auch, sobald nur seine traurigen Folgen erst klar würden, an dem Widerstände der Gemeinden zu Grunde gehen, denn diele sind jetzt schon mehr als mißtrauisch gegen viele Lehrer, wes­halb sie auch zu einer angesonnenen Verbesserung des Gehalts derselben keineswegs geneigt sind, weil die Lehrer, wie sie sagen, Dies durch ihr Verhalten nicht verdient haben, wobei denn freilich auch manche Gerechte mit den Ungerechten zu lei­den haben.

Die Folgen deS Aufruhrs liegen klar am Tage für Jeden, der sehen kann und will, denn wir essen jetzt mit vollen Backen an seinen faulen und bittern Früchten und werden noch lange daran zu kauen haben, vielleicht auch, wenn das Gericht noch oft aufgewärmt wird, uns mit Schule und Kirche und Staat, mit Fürst und Vaterland daran todt essen. Das sollten auch unsere Schullehrer endlich einschen. Manche von ihnen, zu ihrer Ehre sei es gesagt, erkennen dieß wirklich und schaudern vor dem Abgrund, bis zu welchem sie gelangt find; aber viele sind mit Blindheit geschlagen. Beweist daö nicht ihr fortwäh­rendes Hosiren und Bücklingemachen vor jenen Großschulmci- stern, denen, wie es nach ihrem Thun und Wirken scheint, gar wenig an der wirklichen Hebung der Volksschule, wohl aber Alles au ihrer eigenen Erhebung mit Hilfe der Demokratie ge­legen ist; geht eS nicht auch hervor aus dem schaarenweisen Herbeilaufen zu bekannten Demokratenhäuptern, um an ihren süßen Reden und Versprechungen sich zu erlaben?

Glaubt ihr Schullehrer denn wirklich, daß die heutige De­mokratie, zu deren Verfechter ihr zu einem großen Theile euch selbst gemacht habt und durch unverstandenes Verschwatzen habt machen lassen, daß diese Demokratie daS Heil, der Schule in sich trage? Begreift ihr denn nicht, daß diese hochrothen De­magogen- und Sozialistenhäupter euch nur als Werkzeuge ge­brauchen, um das Volk in seiner Schuljugend zu entchristlichen, damit das Heranwachsende Geschlecht ihren gottlosen, Alles zerstörenden Plänen diene? Sie versprechen euch das goldene Schulzeitalter, wenn ihr, eingehend auf ihr Vorhaben, ihnen Thron und Altär stürzen und die soziale Republik einführcn helft; sie rechnen euch vor, daß mit Hülfe der liquid werden­den großen Zivilliste und der geraubten Kirchengüter herrliche, auf einmal ganz sorgenfrei machende Schullehrerbesoldungen sich bilden ließen. DaS leuchtet euch ein; daS weiter liegend« aber seht ihr nicht. Aber habt ihr denn noch nichts gehört von den Millionen, die daS seitherige Revolutioniren den Staat gekostet hat, und zweifelt ihr daran, daß jeder weitere Aufstand doppelt so theuer werden wird? Wie könnt ihr also glauben, daß die Staatskasse im Stande seyn werde, auch wenn sie eine ganze Zivilliste auf einmal verschlänge, euch das Gewünschte zu leisten? Für die Güter der Kirche aber, worunter, merkt euch daS wohl, auch eure Güter sich befinden, haben sich bereits ganz andere Erben gemeldet, die, heißhungrig gemacht durch die teuflischen Verführungskünste unserer Zeit, wenn sie erst vom Reden zum Handeln kommen sollten, euch und euere Ansprüche und Gelüste verlachen und stumm machen würden.