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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J2 â8. Dienstag den 26 Februar 1S5O*

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Wiesbaden (Die Rechnungskammer). Darmstadt (Die konservative Presse). Kassel (Der Ministerwechsel). Hohen- asperg (Rösler von OelS entflohen). Pfullingen (Unglücksfall).

Dresden (Majorität für das DreikvnigSbündniß). Berlin (Die Arbeiten der Kammer. Die Haltung des dänischen HofeS). Ham­burg (Der kaufmännische Verkehr). Wien (Die griechische Berwicke lung. Vermischtes).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Türkei. Konstantinopel (Kälte).

Sprechsaal für Stadt und Land.

Zeitungsschau.

Der Allgemeinen Zeitung wird auS Wien geschrieben: Die ungarische konservative Partei konsolidirt sich immer mehr, und wenn man nach der Stimmung ihrer hie- sigen Häupter schließen darf, standen ihre Aussichten nie so gut wie eben jetzt. Dabei zählen dieselben allerdings nicht blos auf die gegenwärtigen Zustände, sondern ziehen auch an­derweite, nach ihrer Ueberzeugung unausbleibliche Eventuali, taten in Betracht. Ein Moment, auf welches sie ganz beson, derS ihre Hoffnungen bauen, ist die Armee. Tausende von frühern HonverS, darunter eine große Zahl Adeliger aus den besten Familien des Landes, wandern fortwährend unter die kaiserlichen Fahnen. Merkwürdigerweise treten die jungen Leute beinahe ohne Ausnahme fröhlich und mitunter jubelnd in einen Stand, welcher ihnen in der That als Strafe be­stimmt ist und in dem sie zunächst wenig Freuden erwarten. Die hier versammelten Häupter der ungarischen Partei aber erzählen sich mit funkelndem Auge, daß jetzt schon beinahe ein Drittel der Armee aus Ungarn bestehe, und ihrer Tapfer­keit und Treue mehr denn je in der Zukunft das Schicksal der Monarchie anvcrlraut sey. Ob diese Berechnungen durchweg begründet sind und ob die Regierung, im Bewußtsein der höchsten Lebensbedingungen eines festen Bestandes der Monar­chie , nicht auch die Kraft finden werde, um diesen von der ungarischen Partei beabsichtigten Eventualitäten mit Macht entgegenzutreten, vermag wol in diesem Augenblicke Niemand abzusehen. Soviel aber ist gewiß, daß diese Partei die ihr zu Gebote stehenden Mittel passiven Widerstandes die Regie­rung in vollem Maß in diesem Augenblick empfinden läßt, wo eben ihre großartigen Organisationsplane nach allen Seiten gleichzeitig ihrer Verwirklichung entgegengeführt werden sollen und daS Wohl des Landes der Mitwirkung aller Einsichts­vollen im Lande mehr denn je bedarf.

EinBerlinerKorrespondentderDeutsch en Zeitung schreibt: Wenn alle Schreckschüsse von Wirkung wären, müßte es schlimm um unS stehen. Haynau an der sächsischen Grenze;

die Note der Mächte mit halber Kriegserklärung an die Schweiz; die Note aus Petersburg, welche den Erfurter Reichstag ver­bietet; die sozialistischen Erhebungen in den französischen Pro­vinzen ; die Generale als Diktatoren dahin abgesandt; der Prozeß gegen die Steuerverweigerer, der noch bang über un, fern Häuptern schwebt; das neue Preßgesetz; endlich die 18 Millionen außerordentlich gefordert für den KriegSetat, diese Schreckschüsse folgten sich wie ein Peletonfeuer. Die Börse namentlich ließ sich dadurch drücken, und wenn sie selbst besseren Muth gehabt hätte, wurden ihr die Hände gebunden durch die Verkaufsaufträge von außerhalb. Aber unser großes Publi, kum scheint gegen die Schreckschüsse etwas taub geworden, oder im Allgemeinen beherzter, oder so abgespannt, daß es sich um einen neuen Schreck nicht mehr sonderlich kümmert. Ein offener Krieg wäre überhaupt für Viele nicht etwas so über­aus schreckhaftes gewesen, da sie noch immer der Meinung sind, daß solche Unordnungen im Körper, wie wir sie erlebt, nicht durch die leichten Mittel gründlich geheilt würden, die man in Anwendung gebracht, und daß ein AuSeitern und Austrocknen der ungesunden Säfte weit rascher und minder schmerzlich durch einen Aderlaß bewirkt werde. Das meinen natürlich nicht Alle. Aber auch die Demokratie regte sich in letzter Zeit, auf Anlaß des KönigSeides und der KönigSrede; und die Reden der Steuerverweigerer und ihrer Vertheidiger erweckten in ihr solche Erinnerungen, wie sie ein alter Soldat empfindet, wenn er eine Schlachtmusik hört, einen Marsch, unter dem er gesiegt oder geblutet. Da regte sich die Februarluft, die der Märzluft vorangeht.

Es ist aber in der kurzen Zeit schon vieles anders gewor­den. Zwar sind die 18 Millionen indessen wirklich gefordert und von den Kammern ohne Opposition bewilligt worden, aber wir werden damit weder Haynau entgegen rücken, (wenn er wirklich hinter den Nollendorfer Bergen steht) noch in die Schweiz einmarschiren, (denn die ganze Note ist bis jetzt Wind) noch gegen Rußland Front machen, (auch die Petersburger Note war eine Erfindung) höchstens vielleicht gegen die fran, zösische Grenze. Aber auch die von der Reform selbst gebrachte Nachricht, daß die zwei am Rhein stehenden Armeekorps mobil gemacht würden, ist schon amtlich widerlegt, und daneben wird ebenfalls amtlich versichert, daß es denn doch in Frankreich nicht so schlimm stânde, als man glaube, und die demokrati­schen Organe glauben machten. Die Börse erholt sich wieder, nachdem die ministerielle Reform hem Publikum gesagt, daß die Kreditsorderung nur dem si vis pacem para bellum, ge­golten habe.

DieVossische Zeitung" enthält einen guten Artikel über die Amnestiesorderungen, welche in den letzten Wochen wiederholt angeregt worden. Sie sagt darüber unter Anderm:

Es geht ein altes Sprüchwort:Wo nichts ist, da hat der Kaiser sein Recht verloren;" treffend können wir dasselbe auf den Gegenstand unserer Besprechung anwenden: Wo nur Freisprechungen, da bleibt dem Könige nichts zu amnestircn. Unsere Geschworenen sind offenbar der Amnestie des Königs zuvorgckommen." Nachdem das Blatt hierauf die bisherigen