Na spanische
Allgemeine Zeitung.
Dienstag den 26 Februar
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Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prünume- rationspreis ist in Wiesbaven, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzoqlhums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tariâschen Verwaltungsgebietes 8 fl. IO kr. — Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelleu» berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Die nassauische und die deutsche Eisenindustrie. Deutschland. Wiesbaden (Die Verlegung der Rechnungskammer).— Frankfurt (Der österreichische Verfaffungsentwurf. Drohung Oesterreichs). — Hanau (Der Prozeß gegen die Mörder Lychnowskys). — Darm stadt (Lehrer Paulsackel). — Stuttgart (Wahlschnucren). — Berlin (Die Neuenburger Frage.).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Großbritannien. London (Proletarier-Unruhen in Limerick).
Italien. Neapel (Der Ausbruch des Vesuvs).
Schweden. Upsala (Unwetter).
** Die nassauische und die deutsche Gisenindustrie.
Gr. Es ist dem Publikum, welches sich für handelspolitische Fragen intcressirt, noch in frischem Gedächtnisse, wie in den letzteren Jahren die deutsche Eisenindustrie neben der Baumwollen- und Leinen-Spinnerei die hervorragendsten Objekte waren , um die Schutzmänner und Freihändler auf dem Felde der spekulativen Handelspolitik stritten. Dieser Streit scheint nun in Bezug des Eisens für uns einer Lösung zu nahen, die wohl am wenigsten vermuthet worden ist.
Es hat sich nämlich, nach glaubwürdigen Berichten und nach neueren Untersuchungen herausgestellt, daß die Steinkohlen-Formation an der Ruhr und in Westphalen großartige Ablagerungen von Eisenerzen (wahrscheinlich schieferige Sphä« rosiderite) enthält, die aus denselben Schächten mit den Steinkohlen wie in England, ohne erhebliche Kosten gewonnen werden können. Diese Erze sollen zwar nicht sehr reich, und von besonderer Güte, aber doch vollkommen geeignet seyn, eine großartige Eisenproruktion in den genannten Steinkohlen- Distrikten ins Leben zu rufen. Aus Anlaß dieser Entdeckung, die eine unberechenbare Tragweite haben muß, wenn sie sich bestätigt, hat sich dann auch bereits der Spekulationsgeist äußerst rührig gezeigt und es sind schon die umfassendsten Projekte darauf gerichtet, die uns nicht allein in einigen Jahren die Mühe ersparen werden, noch weitere Schutzmaaßregeln gegen die Einfuhr des englischen Eisens zu erstreben, sondern auch in Ansehung der nassauischen Eisenindustrie zu den ernstesten Betrachtungen Veranlassung geben.
Bekanntlich stützt sich unsere Eisenerzeugung auf die Verschmelzung meist zwar reicher und edler, aber auch kostspielig zu gewinnender Erze mittelst Holzkohlen, die jedenfalls viel theurer sind, als die Steinkohlen an der Ruhr, wobei wir auch noch in Ansehung wohlfeiler Transportmittel bedeutend zurück stehen. Hiernach ist mit Berücksichtigung unserer Absatzwege, welche fast alle auf den Rhein gehen, dessen Gebiet auch die genannten Steinkohlen-Distrikte beherrschen, leicht zu ermessen, welchen Gefahren unsere Eisenindustrie schon in naher Zukunft ausgesetzt seyn wird, wenn sich die erwähnte Entdeckung bewahrheitet.
Der Verkauf unseres Roheisens und der Gußwaaren, wie er bisher stattgefunden hat, die wegen der Güte des Produkts fast immer willige Abnehmer fanden und erhöhte Preise machten , wird sehr wesentliche Beschränkungen erleiden, wenn es nicht gelingt, der Verwerthung des Eisens eine andere Richtung zu geben , bie sich aber allein nur auf die vortrefflichen Eigenschaften desselben gründen könnte. Hier liegt uns nun zunächst die Stahlfabrikation mit allen ihren Nebenzweigen, welche bei uns aber, wie überhaupt die feinere Verarbeitung des Eisens, noch gar nicht kultivirt worden ist, vor. Die Lage Nassaus zum Hauptsitze der deutschen Industrie und zum Welthandel durch den Rhein, gibt ihm, verbunden mit seinem Eisen, welches, wenn sorgfältig bearbeitet, in seiner Güte keinem anderen nachzustehen braucht, ein natürliches Recht, alle Anstrengungen zu machen, um nicht allein seine Eisen- Industrie zu behaupten, sondern ihr auch noch eine größere Ausdehnung zu geben.
Aus diesem Wege aber ist auch nur allein unter der gestellten Voraussetzung, eine wirksame und erfolgreiche Gegenwirkung den vernichtenden Ergebnissen gegenüber zu erreichen, welche unfehlbar aus einer Entdeckung hervorgchen müssen, die alle Elemente in sich vereinigt, dem großen und rauhen Bedarf an Eisen für ganz Deutschland leichtlich zu genügen. Es muß daher jetzt schon au der Zeit gehalten werden, sowohl unsere Eisenproduzenten aus ihrer behaglichen Ruhe aufzustören und ihren Unternehmungsgeist, der doch in kurzer Zeit eine andere und energischere Richtung nehmen mußte, als für Erlangung höherer Schutzzölle zu wirken, wenn nicht die belangreichsten Interessen unserer Industrie hätten überwältigt werden sollen, anzufeuern.
Die beregte Angelegenheit hat für Nassau auch in staatlicher Beziehung das größte Gewicht und wenn unsere Staatsmänner nicht vollständig die hohen Belange verkennen, die sich an die Erhaltung unserer Eisenindustrie knüpfen, so werden sie dieselbe in einer Art würdigen müssen, welche zugleich geeignet ist, Folgen vorzubeugen, die uns unfehlbar treffen, wenn nicht bei Zeiten Vorkehrungen zur Abwehr getroffen werden.
Der Staat hat nämlich bei uns ein sehr bedeutendes Besitzthum in Eisengruben, Hütten und Waldungen, welche Letztere namentlich in finanzieller Beziehung, mit der Eisenindustrie in innigster Verbindung stehen. Es liegt deshalb auch um so näher für ihn, selbst der drohenden Katastrophe entgegen zu arbeiten und dadurch zugleich die übrigen Industriellen zur Entfaltung größeren Unternehmungsgeistes aufzumuntern.
Sollte sich übrigens auch die erwähnte Entdeckung nicht in einem Umfange bewahrheiten, wie er befürchtet werden muß, so werden doch Alle, welche den Entwicklungsgang der deutschen Industrie und besonders der Eisenindustrie genauer beobachtet haben, darin übereinstimmen, daß unser Eisengewerbe in kurzer Zeit andere Hülfsmittel ergreifen muß, wenn cs sich auf die Dauer produktiv behaupten will. Diese Hülfsmittel können aber nur in weiterer Bearbeitung des Eisens gefunden werden und eS ist unserer Regierung, den Ständen und Industriellen nicht genug zu empfehlen, die Eisenfrage in reifliche Erwägung zu ziehen und noch bei Zeiten wirksame Maßregeln