Einzelbild herunterladen
 

Nassauische

Allgemeine Zeitung.

Jtë. Donnerstag den 21. Februar

1850.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des Herzogthums Nassau, des Großherzogthums und KurfürstenIhumS Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. W kr. Jnfera te werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 kr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelleu­ter g'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die neuesten pädagogischen Bekenntnisse des Herrn Thiers zu Paris.

Deutschland. AuS dem Amte Idstein (Raubanfall beiNicderselterS).

Von der E lb (Die verschiedenen Eisenbahnprojekte). Frank­furt (Der Prinz von Preußen. H. v. Gagern in Lübeck gewählt). Darmstadt (Demokratische Entstellungen), Dresden (Verhand­lungen der ersten Kammer über die deutsche Frage). Danzig und Memel (Schiffbrüche).

Dänemark. Kopenhagen (Kriegsgericht über die Erpedition gegen Eckernförde),

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Amerika. Vereinigte Staaten (Lever des Präsidenten. Florian Mordes. Goldeinfuhr aus Kalifornien).

Die neuesten pädagogischen Bekenntnisse des Herrn Thiers zu Paris.

:=: ThierS kennt seine Landsleute recht wohl, und, wie er selbst schon früher von sich sagte, durch das Erlebniß von neuen Revolutionen hat er, der früher die alte beschrieb, retrospektiv erst dieselbe recht zu verstehen gelernt. Was er in seiner neuesten Rede über das neueste französische Unter­richtsgesetz in der Nationalversammlung gesagt hat, trägt den Stempel der innersten Aufrichtigkeit und Wahrheit an sich, und fordert uns Deutsche darum um so mehr zu Vergleichun­gen der ernstesten Art auf. Auch hier sehen wir wieder, wie übel uns jede Nachäffung des französischen Wesens bekommt, und wie sehr Unrecht wir thun, daß wir unsere politische Weisheit bei den romanisirten fremden Kelten an der Seine suchen, statt an der Themse, bei unseren eigenen Stamm- Werwandten.

Berühmte Männer der neueren Zeit haben zu Paris bei der zu öffentlichen Preisvertheilungen versammelten Jugend der höheren Lehranstalten oft genug ernste Worte gesprochen, wie Cousin, Villcmain, Salvandy; die englischen Rektoratsreden bei der Universität zu Glasgow von Broug­ham und Peel sind eben so bekannt. Man hat sie alle als Paränesen" für die deutsche studirende Jugend übersetzt und benutzt. Was ThierS so eben sprach, ist eine bittere, ernste Parânese für Jung und Alt diesseit und jenseit des Rheines. Der kurzen Worte schwerer Sinn ist kein anderer, als:Ar­beit ist Kultus." Unter dieser Aufschrift brachten unsere Blätter im vorigen Jahre einen Aufsatz von Carriere in Gießen. In England gibt eS für die Jugend keinen anderen Weg zu Ehren, als durch Schweiß und Arbeit, und dieser Weg ist lang und beschwerlich. Unsere Blätter haben im vo­rigen Jahre ebenfalls Parallelen dieser Art und Ermahnungen auS Albion gebracht. Auch Griechenland und Rom bot kei­nen anderen Weg dar, wie die dortigen Dichter, Redner und Geschichtschreiber in Wort und That zeigen. Nur zu den Zeiten Catilina'S schlug die Jugend kürzere Wege ein, und

wohin der Staat und die Nation, ldie Zivilisation und die Litteratur, das Heil der ganzen Welt, dadurch gerieth, wissen wir. Möge daher nicht unbeachtet verhallen, waS ThierS gesprochen hat.

Ich nehme zwischen der Geistesart deS heutigen Geschlechts und desjenigen vor 25 Jahren einen großen Unterschied wahr. Der jetzige niedrige, Stand der geistigen Bildung rührt wesent­lich von dem Vorherrschen der demokratischen Ideen her. (Be­wegung links.) Die Republik ist, ich weiß cs, demokratisch; obschon ich sie nicht gemacht habe, bin ich doch auch nicht ihr Feind; ich glaube sogar, sie habe mindestens den Vorzug, daß sie diejenige Regierungssorm ist, die uns im Augenblick am wenigsten spaltet. (Bewegung.) Die Wahrheit aber ist, daß eS jetzt Viele gibt, die ein klein wenig, und nur Wenige, die viel und dies viele gut wissen. Welcher moralischen 'Erschein nung begegnet man unter der jungen Welt heutzutage am häufigsten? Dem übertriebensten sie verzehrenden Ehrgeize, eine Laufbahn zu machen, zu steigen ohne viel Zeil und Fleiß (Aufsehen.) Es würde bei mir, der ich ein parvenu und ein Geschöpf meiner Werke bin, lächerlich erscheinen) wenn ich eS tadelnSwerth fände, daß die Menschen eine Laufbahn zu machen suchen sollten. Aber ich erschrecke über diese ungezügelte Unge­duld der gegenwärtigen Jugend, rasch vorwärts zu kommen ohne sich Zeit zu nehmen und ohne viel zu lernen. (Hört, hört!) Eltern erziehen ihre Kinder über ihren Stand; sie lassen ihnen einen gelehrten Unterricht ertheilen, aber so oberflächlich, daß sie der Mehrzahl nach blos Halbwisser sind, die von Jedem etwas, aber Nichts recht wissen. Dieser Zustand der Dinge ist der Größe des Vaterlandes verderblich."

In meiner Eigenschaft, als ein Mann des Emporkom« menS, bin ich ein Gegenstand für die Neugier des emporkom- menden Geschlechts; aber ich kann versichern, dieses nicht weniger für mich. (Bewegung,) Oft erhalte ich Briefe von jungen Leuten jeden Standes, und in allen diesen Briefen drückt sich ein Mißbehagen mit ihrer Stellung und ein Wunsch auS, koste es was eS wolle, eine Laufbahn zu machen. Alle scheinen sich für zurückgesetzt zu halten, und hadern deßhalb mit der Gesellschaft. Allen jungen Leuten im Heere, in den wissenschaftlichen Fächern, kurz-überall antworte ich nur: Arbeit, Arbeit! Erfolg ist einzig und allein eine Frage der Zeit!" (Diese Stelle wurde mit großem Beifall ausgenommen.)

Deutschland.

AuS dem Kreisamte Idstein, 16. Februar. Am 13, L Mts. ist der Reisende deS Kaufmanns H. auS Limburg bei hellem Tage auf der Landstraße in dem ohnweit NiederfelterS gelegenen Walde Hadenstock von einem Manne durch Schläge mit einem Prügel oder einer Art am Kopfe bebeutend ver­wundet und beraubt worden. *

Sowohl von dem KrciSamle als den Landjägern wurden sofort in der ganzen Gegend die geeigneten Nachforschungen angcstcllt, welche auch dahin führten, daß in einem zum Amte Limburg gehörigen Orte ein dieser That Verdächtiger verhaftet und der Justiz überliefert wurde.