Nassauische
Allgemeine Zeitung.
Jtë LL.
Montag den 18. Februar
1850
Dritte Ausgabe.
Uebersicht.
Zcitungsschau.
Deutschland. Wiesbaden (Der Prinz von Preußen). — Frankfurt
(Die Beisteuern für die Wafferbeschârizten am Rhein). — AuS dem Großherzogt h um Baden (Wahlen). — Berlin (Die Einberufung des Reichstags). — Wien (Nachrichten aus Griechenland).
Schweiz. Pufchlav (Grânzverletzung).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Italien. Vom Lago Maggyore (Tessin als Zufluchtsort der österreichischen Deserteure).
Amerika. Hayti (Krieg und Frieden). — San Franzisko (Der Wallfischfang).
Zeitungsschau
AuS London im Februar bringt die „Schweizerische Ratio nalzeitung" den folgenden Artikel, der wieder ein ganz eigenes Licht auf die demokratische „Brüderlichkeit" wirft und dessen Beurtheilung wir unseren Lesern anheimgeben: Ich laS neulich eine Schrift von Simon (Trier) über das selige deutsche Parlament und dessen Rechtsbefugnisse. Diese Schrift, äußerst fromm und religiös gehalten, wie'das die Paulskirche eben mit sich bringt, ist auch äußerst langweilig und ich legte sie bedenklich bei Seite, indem ich nicht begriff, wie der Welt- mann Simon, der allerdings einst sich nicht entblödete, für die Kaiserwahl des Hohenzollern zu stimmen, auch noch eine Gattung „Heuler" werden konnte! — Und eine zweite Bro, schüre „Die pfälzische Revolution" von Bamber- ger, dem pfälzischen Mitregenten (ist unrichtig!), nahm ich jetzt zur Hand; diese war allerdings nicht langweilig, sondern unterhaltend, aber unterhaltend wie ein lüderlicher Roman. Es ist nicht zu viel gesagt mit dem Worte „lüder- lich," denn die gehaltvollen Stellen des Buches verschwinden mit ihrem bitteren Ernste gänzlich unter dem Wüste von Späßen, Witzen, Karikaturen und Persiflagen, ausgegossen, nicht über die pfälzische „Regierung" (dabei war ja Herr Bamberger selbst!), welche doch alle die hergezählten Dummheiten direkt oder indirekt verschuldet, oft in Gemeinschaft, mit den badischen Diktatoren; nein auSgegossen-über-das arme Volk, das sich, mit dem Vertrauen auf Männer, die der Sache der Freiheit ergeben und gewachsen, auf den Ruf dieser Männer, die leider größtentheilS Th e aterh el d e n waren , zu den Fahnen stellte. — Von Seite der Fürsten Druck und Gewalt und von der Seite der sogenannten Volksführer Spott und Hohn — das fehlte noch! Aber eS ist so in der That. Herr Bamberger behandelt die ganze Sache wie ein Werk der Mainzer Narrhalla; er hat keinen Trost, keinen Rath, keinen Tadel — er hat nur Spott für das Volk. Ober wie nennt man es, wenn Bamberger erzählt, wie cr„ einst eine Anzahl von Männern, die ihre Kanonen selbst mühsam durch Berg und Thal zogen, gesehen, und welche Zugstiere sich „Artilleristen" nannten. Herr Bamberger ist natürlich gefahren oder geritten und wahrlich schnell genug, sonst wäre eS ihm vergangen, nachträglich solche armselige
Witze zu fabriziren. Mög' er mündlich in der Unterhaltung mit dem Herrn Florian Mördcs, der ganz ein so herzloser Patron ist, wie er, der sich nicht schämt, in seinem Buche zu sagen, er sey durchaus nicht radikal, nicht revolutionär, rc. der sich aber doch zum Minister des revolutionären Badens machen ließ, — sich also ergießen , aber derlei zu schreiben, schäme er sich. Doch er hat sich selbst gerichtet, lassen wir ihn glücklich hinfahren über den Ozean zu den desertirten Bannerträgern des Volkes, die sich nach „Eigenthum" umsehen, und in der Sorge um ihre Kinder, das Wehegeschrei der armen Waisen überhören, deren Väter sie zum Tode aber nicht zur Freiheit geführt und mit deren hinterlassenem Geschlechte sie nicht ferner tragen mögen die Roth der Zeit und arbeiten an dem Glücke der Zukunft.
Aber da komme ich auf die große Annonce im „Frankfurter Journal" von Zitz, der ebenfalls durchzubrennen gesonnen ist, wie so mancher seiner „großen" Freunde aus dem Parlamente, der sich auch Vermögen schaffen will, in dem großen Kalifornien, der aber den Muth, die Kraft und den Willen nicht hat, auSzuhaltem im begonnenen Kampfe, obwohl gerade ihm Vermögen, Kenntnisse und Kräfte zu Gebote stehen, wie wenig Anderen. Ja predigen konnten sie uns donnernd von Kühnheit und Ausdauer, aber gerade sie,. die Redner, sind es, welche mit ihren Schätzen das Weite suchen, unbekümmert um alle die Massen von Unglücksbrüdern, welche nicht fort können und nicht fort wollen. Fahret hin! Je mehr das Volk betrogen wird, um so schneller wird es zum Verstände kommen, und ablegen den Götzendienst und den Glauben an einzelne Personen! Aber wenn unser Freiheitsruf hinüberbraust an die Küsten eures fleischlichen Egyptens, wenn unser Freudenfeuer, die Gluthen der Rache, d eu H i m m e l über euren neuen Palästen färben und wenn es euch dann heimwärts zieht — bleibet, bleibet bleibet dann drüben, wo ihr seyd , bleibet in den Freistätten eures Reichthums, in den Goldhöhlen der Selbstsucht, ihr habet nicht auSgehalten bis ans Ende, ihr habet die große Probe nicht abgelegt, ihr seid vor dem Kampfe, vor dem letzten großen Wettringen zwischen Volk und Fürsten davon gelaufen, — und für euch ist keine Stätte tr, den Wohnungen der Sieger!
Ein „Ionier" sagt in einer Zuschrift an die Times: „Besäße Griechenland eine hinlänglich starke Flotte, und diese käme, den Hafen von London zu blokiren, indem sie die Zurückgabe der „Elgin-Marmore" und eine Entschädigung für den am Parthenon angerichteten Schaven forderte, zugleich drohend die Dampfboote von Graveöend in Beschlag zu nehmen, und die Dampf Nacht „Victoria and Albert" wegzuführen , wenn nicht die Marmorskulpturcn und das Geld binnen 24 Stunden hèrauSgegebeu würden — dann möchte das Er, staunen deS britischen Publikums ungefähr so groß seyn, wie eS das der GriecheN-chei dem kriegerischen Auftreten der Engländer im PiräeuS war.