in der deutschen Revolution auSgeliehen haben, beginnt er Ihnen zurückzuerstatten, freilich nur in kleinen Abschlagszahlungen , aber dennoch mit bessern Zinsen, alS die Demokratie jemals gethan haben würde. Hören Sie, Herr Beseler, mit bessern Zinsen, alS die Demokratie jemals gethan haben würde. Mit aufrichtigen Glückwünschen für Ihr Wohlergehen in Erfurt und mit der Ihrer Partei gebührenden Achtung verbleibe ich :c.
Die neueste Nummer des „Napoleon," hat allgemeine Indignation erregt. In dem Augenblicke, wo die Wahlen vor der Thüre stehen, tritt dieses Blatt Orleanisten und Legitimisten mit Füßen. Wir geben ein paar Auszüge aus diesem seltsamen Gemische von Wahrheit, Irrthum und Hochmuth, zuerst ein Manifest an die Wähler, welche am 10, März neue Abgeordnete zu wählen haben.
Nachdem darin beklagt worden, daß man die üble Gewohnheit habe, für alles Schlimme waS geschieht und für alles Gute waS nicht geschieht, das Staatsoberhaupt verantwortlich zu machen, das doch „ohne die Nationalversammlung nichts vermöge," heißt es weiter: „Von zwei Dingen eins. Entweder verlangen die Wähler nach einer neuen Revolution, und dann mögen sie Repräsentanten wie deren Vorgänger ernennen: die Gesellschaft hat im Voraus ihre Maßregeln ergriffen. Oder sie wünschen die versprochenen Verbesserungen und dann mögen sie die Unruhstifter verwerfen. Der Fortschritt ist unverträglich mit der Unordnung. Die Regierung, die man um ihre eigene Festigkeit besorgt macht, verliert dadurch, daß man sie an ihre eigene Vertheidigung zu denken zwingt, die Zeit und das Vermögen, die Leiden des Landes zu heilen und nützliche Reformen zu vollbringen. Sonderbarer Widerspruch ! Dieselben Leute, die Louis Napoleon ernannten, haben in die Nationalversamm, lung seine erbittersten Feinde geschickt. Nach dem 10. Dez., dieser imposanten Kundgebung, wo 6 Millionen Menschen sich verabredet zu haben schienen, um zum Neffen deö Kaisers zu sagen: „Retten Sie die Gesellschaft!" hat man es sich zur Aufgabe gemacht, ihm die Mittel dazu zu nehmen. Seine Gewalt, moralisch so stark, war faktisch durch die Verfassung in die engsten Gränzen gebannt, und die Versammlung schien gegen ihn erwählt worden zu seyn." Die Wähler werden schließlich aufgefordert, Vertreter zu ernennen, welche entschlossen sind, dem Präsidenten der Republik in seinem festen und redlichen Gange zu folgen.
Zu dieser Sprache des „Napoleon" gibt ihm wahrscheinlich der Umstand Muth , daß neulich der Oberst Edgar Ney, ein Adjutant deS Präsidenten, im Charentedepartement mit großer Mehrheit gewählt worden, während der Kandidat der Demokratie durchfiel. „Es ist eine Thatsache , bemerkt der „Napoleon" hierzu, daß jedes Mal, wenn bei den Wahlen ein Kandidat auftrat, dessen Name mit dem Kaiserthume im Zusammenhänge stand und dessen Ergebenheit für den Präsidenten der Republik nicht zweifelhaft war, derselbe über seine Gegner mit einer großen Stimmenmehrheit gesiegt hat." In einem anderen Artikel, worin die Gerüchte von einem Zwiespalte zwischen dem Präsidenten und dem General Changarnier Lügen gestraft werden, bezeichnet dasselbe Blatt außer den Sozialisten die eraltirten Legitimisten als die heftigsten Feinde des Präsidenten und der Republik und nennt dieselben geradezu „weiße Anarchisten."
Folgender Aberwitz verdient ebenfalls Beachtung: „Einige Journale haben kürzlich wie zur Warnung für die Regierung gesagt: Karl X. und Louis Philipp hätten auch ein ergebnes Ministerium und Heer gehabt und seyen doch gefallen. Dies ist wahr. Allein Karl X. unb Louis Philipp waren nicht durch die Nation erwählt worden und überdies auch nicht, wie der Präsident der Republik entschlossen, das Heer niemals im Stiche zu lassen und in seiner Mitte lieber den Tod zu empfangen, als noch einmal das Eril anzunehmen."
Proudhon fährt fort von der Conciergerie aus an den Grundfesten der Gesellschaft zu rütteln. Seine Beredtsamkeit durchläuft alle Tonarten von der wildesten Lustigkeit bis zu gotteslästerlicher Bitterkeit. Einer seiner lustigen Ergüsse hat am 6. der „Voir du Peuple" eine polizeiliche Beschlagnahme zugezogen. In diesem Artikel stellt Proudhon den Redakteur des „Eonstitutionnel" als den Teufel dar, mit welchem Louis
Bonaparte einen Pakt geschlossen hat, um Kaiser zu werden. „Der Teufel, sagt er, wird sein Wort halten: wir werden einen Kaiser, wir werden einen Staatsstreich haben! Gut, auch wir wollen einen Staatsstreich, und was euch vielleicht noch mehr überraschen wird: wir sind die Euren! Ja, ja, wenn der Staatsstreich kommt, marschiren wir mit euch, unter demselben Geschrei, unter derselben Losung. Ist eS nicht pure Unmenschlichkeit, daS Volk noch zwei Jahre auf sein Glück warten zu lassen, da wir mit Bonaparte'S Hilfe die Geschichte auf der Stelle abmachen könnten? WaS riskiren wir? DaS Proletariat hat nichts zu verlieren; die Bourgeoisie, fast ruinirt, ist nicht sehr erpicht zu bewahren, was sie noch hat; für sie ist eS die beste Spekulation Alles auf eine Karte zu setzen und ein Ende zu machen. Alle Welt ist für ein allgemeines Umpurzeln, die Staatsgewalt, die Bourgeoisie, das Proletariat. Nur die Legitimisten, die Orleanisten, die Jesuiten könnten einige Schwierigkeiten machen. Wie Viele sind ihrer? Nicht Einer auf Hundert. Also her mit dem Staatsstreiche! Es lebe der Kaiser!"
„Aber", fährt Proudhon fort, „verstehe mich recht, Prä, sident! An dem Tage, wo wir Dich aus dem Elisee abholen, wird der Krieg erklärt den Kaisern von Oesterreich und Rußland, den Königen von Preußen, Bayern und Sachsen; dem Papste und den italienischen Fürsten wird angedeutet, sich unsichtbar zu machen; denn so willesdaöfranzösische Volk! O, wir sind weiter gekommen seit Februar. Wir wissen was wir wollen und was sie wollen. Vor zwei Jahren da wollten wir eine langsame, fortschreitende, friedliche Revolution , und man kam uns mit Krieg und Schrecken. Vor zwei Jahren, da wollten wir zwei Dinge, welche die Gesellschaft selbst den Verbrechern nicht vorenthalten darf, —Arbeit und Brod ; man gab uns Blut und Blei. Keine Heuchelei mehr! keine Gnade mehr! Mache deinen Staatsstreich, Präsident; die Arbeiter werden Dir helfen! Thur gar nicht noth, sie durch Umhauen der Freiheitsbäume zu provoziren. Die Freiheit wohnt im Herzen des Proletariers; sie baumelt nicht an eueren Kletterstangen. Tritt nur auf den Balkon der Tuilerien, im Kaisermantel, und die Gesellschaft, welche wiedergeboren werden sollte durch die regelmäßige Entwickelung ihrer Institutionen, wird, zertrümmert unter unseren fiebernden Fäusten, ihre Neugeburt beginnen mit dem Chaos!"
Als ein freudiges Ereigniß und in sehr hoffnungsvollem Tone begrüßt der „Globe" den Eintritt Preußens in die Reihe der konstttutionellen Staaten. „Die preußische Verfassung," heißt es in dem betreffenden Artikel, „welche am 6. Februar die endgültige Ratifikation des Königs Friedrich Wilhelm erhalten hat, nimmt in der europäischen Geschichte ihre Stelle als ältestes erwachsenes Kino der Erschütterungen des Jahres 1848 ein. Die schweren Kämpfe, unter welchen sie empfangen wurde und heranwuchs, dürfen wir den individuellen Fehlern sowohl des Königs, wie des Volkes zur Last legen; allein es ist wenigstens ein befriedigender Gedanke, daß die vergleichsweise milde Form, in welcher diese Kämpfe in dem gegenwärtigen Falle aufgetreten sind, ihr Daseyn dem aufgeklärten Patriotismus des Königs verdankt und ein Zeugniß ableqt von dem kräftigenden E nfluß, den selbst eine höchst oberflächliche politische Erziehung auf das Volk ausgeübt hat. Kein Demagoge kann eine so eherne Stirne haben, daß er wagen sollte, zu behaupten, der König von Preußen sey unver- sehens von der Revolution überwältigt worden und habe dem panischen Schrecken eines Augenblickes Zugeständnisse gemacht, von deren Gewährung ihn früher sein Gewissen oder seine Selbstsucht abhielt. Der furchtsamste Reaktionär kann kaum blind sein gegen die Befähigung , welche die Staatsmänner und das Volk Preußens für Selbstregierung und weisen Vergleich bereits an den Tag gelegt haben. Es ist unsere feste Ueberzeugung, daß der König von Preußen seine Stellung anderen Staaten gegenüber von jetzt an unendlich stärker finden wird, als zu der Zeit, wo sie auf der Unterstützung eines antinationalen und unpopulären Bündnisses ruhte, daß seine Repräsentanten in der Fremde als Organe nicht nur eines Hofes, sondern eines einigen und frei gewordenen Volkes mit doppeltem Gewicht sprechen werden, daß jede Börse Zeugniß von einer Hebung seines finanziellen Kredits ablegen wird, und daß die erste Stunde kommender Gefahr den Beweis der un- erkaufbaren Stärke der Anhänglichkeit des Volkes liefern und