sie nicht an ein Ministerium Windisch-Grâtz denken; daS Gerücht gewinnt aber eben jetzt nach dem preuß. Ereigniß und dadurch an Bedeutung, daß Windisch-Grätz seinen ehemaligen Gegner Pillersdorf zum Minister des Innern vorgeschlagen haben soll, so daß man auf eine Rückkehr zur Verfassung vom 25. April 1848 mit einer Pairskammer gefaßt seyn müßte. Indeß scheint es immer noch wahrscheinlicher, daß die Berufung Windisch-Grätz's sich lediglich auf die ungarische Frage bezieht, deren Lösung unserm schöpfungslustigen Ministerium von Woche zu Woche schwieriger wird. Die ganze konservative, d. i. österreichische Partei, steht jetzt in offener Opposition gegen die Verfassung vom 4. März, ja selbst der Kriegsminister Graf Giulay soll dieser Opposition angehören. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird das Verfassungsstatut Ungarns so werden, daß dadurch die Konstitution vom 4. März in Betreff Ungarns ziemlich aufgehoben seyn wird.
Ein schauderhafter Vorfall, der bisher nur als Gerücht verbreitet war, liegt nun amtlich bestätigt vor uns. Es ist die Ermordung des Baron Georg Kemeny. Der Hergang der Sache ist folgender: Am 14. Dec. v. I. reiste der unglückliche Baron von Klausen bürg ab, um sein Gut Czintos im unterweißenburger Comitate zu besichtigen, und kam am 15. in Torda (Torenburg) an. Tags darauf ließ er sich durch einige Szekler bis Maros-LudaS führen, wo diese dann weiter gingen, während der Baron in dem am jenseitigen Ufer der Maros liegenden Wirthshause zurückblieb. Um in der langen Winternacht nicht ganz allein zu bleiben, nahm er einen lahmen walachischen Burschen, Namens Juon Saulon, der ihn mit einer Laterne nach Kutyfalva in den Zeyk'schen Edel- Hof führen sollte. Unterwegs ward er plötzlich angefallen, die Lampe ausgelöscht und, wie aus den Spuren ersichtlich, der Daron ermordet und in die Maros geworfen. Die zwei ku- tyfalvaer Schiffer traf sogleich der Verdacht, da sie nach dem Vorfälle verschwanden und erst 14 Tage später zum Vorschein kamen. Als die Gattin des Barons erfuhr, daß er nicht nach Czintos gekommen, reiste sie ihm sogleich nach und erfuhr in Maros-Ludas von einer walachischen Wirthin, daß der kuty- falvaer Kirchenvater in einer der vergangenen Nächte Lärm gehört und des Morgens an dem Orte, von welchem der Lärm auszugehen schien, Blutspuren und einen zerrissenen Handschuh gefunden. Die Baronin erkannte sogleich den Handschuh als ihrem Gatten gehörig, und außerdem waren noch im Schnee an dem Maros-Ufer Fußtritte sichtbar. Oberst Urban wurde am 18. Jan. d. I. von diesem Vorfälle in Kenntniß gefetzt und hat ohne viele Umstände die verdächtigen Individuen verhaften lassen. Unter diesen befindet sich auch der lahme wala- chische Bursche, der bereits so viel auSgesagt, daß die beiden Schiffer seine gewöhnlichen Kameraden sind. Der Mord ist durch einen Zigeuner, Moka Grundza, verübt worden.
Siebenbürgen.
Aus Siebenbürgen. Einem Briefe aus Schäßburg entnehmen wir folgende, für die Stimmung der Szekler sehr bezeichnende Nachricht. Man erzählt sich daselbst: In Udvarhely, dem Sitz des Militârdistriktskomwandanten im Szeklerland wird eines Tages plötzlich alarmirt. Das Militär rückt marschfertig aus; wie das die Einwohner sehen, durchzuckt sie auf einmal der Gedanke: die Russen sind geschlagen, die Oesterreicher retiriren, die Türken kommen siegend herbei. Das österreichische Militär verläßt wirklich die Stadt und marschirt die Landstraße hinab. Den Leuten kaum aus den Augen, läuft Alles zusammen; die Männer ergreifen den Spaten, und graben die tief versteckten Gewehre heraus; im Augenblick flattert auch schon wieder die heimlich verborgene Tric o lore und erschallt das lange schon verhaltene El je». Ehe das Volk sich versieht, sind aber die Kaiserlichen auch schon wieder da. Die List war gelungen. Der Kommandant erhaschte die vergrabenen Waffen, die der Szekler ihm trotz aller Aufforderungen nimmer ausgeliefert haben würde. (Wand.)
Frankreich.
Paris, 8. Febr. (A. Z.) Die bedrängte Lage Griechenlands ist in diesem Augenblick Hauptgegenstand alles diplomatischen Verkehrs. Die Regierung Ludwig Bonaparte's handelt in dem griechisch-englischen Zerwürfniß, wenn auch schonend
und rücksichtsvoll für England, ganz im Einverständniß mit Rußland zu Gunsten Griechenlands. Nach ri, ner vor wenigen Tagen auS Wien eingelaufenen Note schließt sich das dortige Kabmet diesem Verfahren an. Gerüchte von einer Modifikation des Ministeriums sind abermals im Umlauf. Nicht unwahrscheinlich ist, daß eine solche sehr bald erfolge, und zwar im vermittelnden Sinne deS Herrn Mole. Von dem Schweizer Bundesrath liegen sehr be^ friedigende Erklärungen in der Flüchtlings« n- gelegenheit vor. Ob indessen Preußen in Bezug auf Neuenburg nicht noch ein ernstes Wort reden werde, ist eine andere Frage, mit welcher sich die Diplomatie noch sehr zu beschäftigen haben wird, um gewissen Eventualitäten zuvorzukommen.
Paris, 12. Febr. (O.-P.-A.-Z.) Der Ministerrath soll sich jetzt mit dem wichtigen Plan beschäftigen, Frankreich in vier große militärische Kreise zu theilen, an deren Spitze vier kommandirende Obergenerale stehen sollen. Es würden durch Verwirklichung dieses Planes große Mittelpunkte für militärische Operationen geschaffen werden. Denn es ist wahrscheinlich, daß die nächste revolutionäre Bewegung nicht in Paris, sondern in den Departementen ausbrechen dürfte; indem die sozialistische Propaganda dorthin ihre hauptsächlichste Thätigkeit wendet. Die Regierung will dieser bevorstehendm Gefahr einen kräftigen Militärorganismus entgegenhalten.
In der gesetzgebenden Versammlung sprach man heute davon, daß General Castellane zum Oberkommandanten von 28 Departementen von Mittelfrankreich ernannt worden sey. General Rostolan soll in gleicher Eigenschaft für die westlichen Departemente bestimmt seyn, und Herr Romieu ist zum außerordentlichen Kommissär für die östlichen Departements erwählt.
General Magnan ist heute von hier abgereist. Er soll mit einem Kommando beauftragt sevn. Die Gerüchte, daß er Ehangarnier ersetzen soll, sind grundlos. Auch Herr Romieu ist heute nach Straßburg gereist. — General Ehangarnier hielt heute Vormittag eine große militärische Musterung auf dem Marsfeld.
Die sozialistische Partei soll in Paris für die Jahresfeier des 24. Febr. eine allgemeine Illumination anordnen wollen; die Häuser, welche finster bleiben, sollen als reaktionär bezeichnet werden.
Großbritannien,
London. In der „Times" bemerkt ein Herr Spooner, daß in den letzten drei Jahren nicht weniger als 25 Mill. Pfd. St. von den Kapitalisten des Kontinents, aus Furcht vor den politischen Ereignissen in England angelegt wurden. Eine andere Ursache der Anhäufung deS baaren Geldes in England ist die fast auf Null reduzirte Ausgabe englischen Geldes auf dem Festlande, die sonst durch die massenhaften englischen Reisenden mehrere Millionen betrug. Insbesondere war in den letzten drei Jahren vor der Februarrevolution die Reiselust so sehr gestiegen, daß eine Summe von 10—12 Millionen Pfund (120—144 Millionen Gulden) dem Lunde jährlich entzogen wurde.
Nachschrift.
* Wiesbaden, 15. Febr. Heute Vormittag wurden die sämmtlichen Angeklagten des Idsteiner Kongresses und Landes- Ausschusses freigesprochen und von dem Jubel der Demokratie aus dem Assisenlokale durch die Straßen begleitet.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl
Für die Wasserbeschâdigtcn am nassauischen Rheinufer sind bei der Erpedition der Nass. Allg. Ztg. eingegangenr Vonden Schülerinnen einer Mädchenschule (Poststempel „Schwalbach", 4 fl. mit einem Motto in Versen, dessen erste Strophe lautet:
Der „Hülfe ruf" hat auch in unsern Kreisen
Des Mitleids heil'ge Flamme angefacht. :
Und sollt’ er's nicht? Ach, welche tiefe Nacht
Umschlösse uns, berufen, Gott zu preisen.
Im Ganzen sind also bis jetzt bei uns an Geld eingegangen: 68 fl. 36 fr.