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rungen mit dem Erfurter Reichstag abgeben sollen, ist noch nichts definitiv beschlossen. Der nassauische Minister Lollpracht wird wohl einstimmig gewählt werden. Ebenso steht General v. Rad owitz's und Bodelschwingh's Wahl fest. Der Erstere müßte, wenn er das wichtige Amt in Erfurt übernehmen soll, in Frankfurt vertreten werden; dies ist nicht wahrscheinlich, da man namentlich in der letzten Zeit im hie­sigen Kabinel ein immer geringeres Gewicht auf Frankfurt zu legen scheint. Die transitorischen Bestimmungen zum Verfas- sungscntwurf vom 28. Mai, welche gleichzeitig vorgelegt wer­den sollen, sind in dem zweiten Theile des Vollpracht'schcn Re­ferats ziemlich beschränkt ausgefallen. Sie kommen nächstens zur Berathung, ebenso wie der Bericht über das gegen Hanno­ver und Sachsen einzuhaltende Versahren. Preußen ist nach eingcholtem Rechtsgutachten nun selbst beschwerdeführend beim Verwaltungsrath aufgetreten. (Köl. Z.)

Posen, 6. Febr. Aus dem Königreiche Polen erfahren wir, daß das 35,000 Mann starte Armeekorps zwischen Korin und Kolno völlig marschfertig ausgerüstet ist, und fortwährend gegen die deutsche Gränze Front macht. Die sonst so treff­lichen Chausseen in Polen sind in diesem Augenblicke in Folge der Witterung gar nicht zu passiren. Auch unsere Stettiner Eisenbahn ist auf einer beträchtlichen Strecke in der Nähe von Arnswalde vom Schneewasser völlig unterhöhlt, ja auf einer Länge von 12 Ruthen fehlen die Schienen gänzlich, so daß seit einigen Tagen Umladungen stattfinden müssen.

Schleswig-Holstein. Die Landesversammlung in Kiel hat sich am 7. Verlagt und ihr Büreau ermächtigt sie nach ihrem Ermessen erforderlichen Falls wieder zusammenzu­berufen.

Wien, 7. Febr. (O.-P.-A.-Z.) Preßb urg wurde am 5. d. M. von einer Ueberschwemmung heimgesucht, wie selbe noch nie, selbst im verhängnißvollen Jahre 1809 nicht, in solcher Höhe sich eingestellt. So weit man von den Höhen der Schloßzitadelle wahrnehmen konnte, war kein trocknes Fleckchen bemerkbar. Alle Dörfer, Weiler und Flecken am jenseitigen Ufer standen unter Wasser. In der Engenau kletterten die Bewohner auf Bäumen und Dächern herum, um vor dem furchtbaren Elemente Schutz zu suchen. Im Innern der Start haben Kaufleute und Gewölbeinhaber, die nicht zeitlich genug auf die Rettung ihrer Waaren bedacht gewesen, unermeßlichen Schaden erlitten. Die Thüren der Kaufläden waren fast vom Wasser überragt. Die Zugänge sämmtlicher Gast- und Kaffee­häuser waren gesperrt. Der Wasserstand betrug 24% Schuh. Mit Einbruch der Nacht hatte das Wasser plötzlich zu steigen angesangen und um %!! Uhr Morgens die größte Höhe er­reicht, worauf sich die Eismassen, welche den Mühlau- und Karlburger Arm verrammelt hatten, langsam in Bewegung setzten und die Gefahr beseitigten. Eine halbe Stunde später waren bereits einige Straßen und Plätze wieder passirbar.

Frankreich.

Paris, 9. Februar. Die innere Lage Frankreichs ist sort- dauernd eine dunkle, über die freilich in jedem Augenblick eine grelle Beleuchtung wie von einem plötzlich ausgehenden Feuer fallen kann. Gestern noch ließ die Regierung zur Beruhigung der guten Pariser ankündigen, daß sie aus den Departements zufriedenstellende Nachrichten erhalten habe, und heute wieder­holt man bestimmter als je, daß eine rothrepublikanische Schild­erhebung in den östlichen Provinzen und namentlich in Lyon und Nachbarschaft nahe bevorstehe. Die Bauern der an Lyon gränzenden Departements sollen in einer bedenklichen Stimmung und von einem Geiste besessen seyn, der an die Zeiten der Jacquerie erinnert. Die Regierung hat an ihre Beamten die Weisung erlassen, sich jeder öffentlichen Kundgebung am Jah­restage der Februar-Revolution zu widersetzen, und General Mneau hat zur Vorsorge bereits im Ganzen Bereich der sech­sten Militärdivision (Lyon und Umgegend) alle Versammlun­gen ohne Ausnahme verbieten lassen. In Lyon soll sich bereits eine große Anzahl von Individuen, die durch ihre eraltirten Meinungen bekannt sind, zusammengefunden haben.

Die Meubleshändler, bei denen Kaiser Soulouque das kostbare Meublement für seinen Palast bestellte, sind hierauf nicht eingegangen, weil Se. k. Majestät, die übrigens zwischen heute und morgen aufgehört haben kann, eine Majestät zu seyn, die Zahlung nicht in Baarem, sondern in Kaffee und Zucker zu leisten erklärte!

Paris, 9. Febr. Der Präsident der Republik hatte den Marineminister beauftragt, den noch lebenden Theil der Schiffs­mannschaft, der sich auf dem Bord des SchiffesVengeur" bei dem glorreichen Kampfe des 13. Prärial II befunden hatte, aufzusuchen. Heute werden 8 Matrosen namhaft ge­macht, welche die einzigen Ueberbleibsel dieser Mannschaft bil­den und wovon 7 noch in Seediensten stehen. Der Präsident der Republik hat die 8 Matrosen zu Rittern der Ehrenlegion ernannt.

Italien.

Rom, 30. Januar. Rossi's Mörder, Felir Heri, wurde heute nach der Engelsburg gebracht. Man versicherte sich sei­ner in Ancona, als er mit einem nach Griechenland visirten Paß sich auf ein zur Abfahrt bereit liegendes englisches Dampfschiff begeben wollte.

Die Mailänder Ztg. vom 5. Febr. meldet brieflich aus Turin: einige Jesuiten, die bisher im Exil in Frankreich lebten, seyen mit Erlaubniß der piemontesischen Regierung da­hin zurückgekehrt, und die Zurücknahme des Verbots gegen einige religiöse Orden in den sardinischen Staaten stehe in Aussicht. (A. Z.)

Griechenland.

Athen, 29. Jan. Die Blokade, durch den englischen Ge­sandten und den Vizeadmiral Parker auf alle Häfen Griechen­lands und auf alle Schiffe ausgedehnt, ist gestern Abend in das dritte Stadium getreten. Kein Schiff darf mehr ausladen, so daß selbst das Einlaufen der Schiffe die von einer weilern Reise kommen, keinen Vortheil bringt, sm sie ihre Ladung nW verwerthen können! Nicht einmal den Barken ist gestattet, den Hafen zu verlassen! Bald werden wir Mangel an einer Menge nothwendiger Gegenstände haben, die uns theils die See lie­ferte, theils nur durch ihre Vermittelung für uns möglich waren. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, durchlaufen die von England einstweilen in Aussicht gestellten Zwangs, maßregeln eine Leiter von sechs Stufen; wir dürften auf der dritten Stufe der Qual stehen.

Athen ist vollkommen ruhig. Das Volk erwartet Gerech­tigkeit vom Himmel. Die Kammern, die in wenigen Tagen alle Regierungsvorlagen, die Steuern für das Jahr 1850 betreffend, genehmigten, haben nun noch das Budget vor sich, das keine Schwierigkeiten bieten würde, cs in wenigen Tagen zu erledigen. Es scheint aber, daß die Kammern unter diesem Drang der Umstände beisammen bleiben werden, um der Regierung eine moralische Stütze zu geben. Alle Athenischen Blätter sprechen sich fortwährend für die Regierung aus, selbst die paar eng­lisch gesinnten (weil bezahlten) wagen es nicht, mit einer Apo­logie hervorzutreten. Das HauS des Redakteurs derHoff, nung" wurde vorgestern von Truppen und Polizeimannfchaft bewacht, weil die Behörden fürchteten, das Volk möchte einen Akt der Gewalt auSüben. Es erfolgte aber nicht das geringste. Man muß gestehen, daß unser Volk einen Takt entwickelt, wie er selten anderwärts zu finden ist. Die Theuerung der Le­bensmittel ist bereits fühlbar, was auch dem ungeheuern Schneefall zuzuschreiben ist, der unter diesen Breiten un­erhört alles bedeckt und unwegsam macht. Die Kälte war uns höchst empfindlich, denn daö Thermometer sank auf 8 Grad R. herab!

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

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Die Expedition der Nass. Allg. Zeitung.

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