Kurzem wurden den hiesigen Buchdruckereibesitzern die früheren Verordnungen eingeschârft , nach welchen sie von jeder bei ihnen gedruckten Schrift wenigstens 24 Stunden vor der Ausgabe ans Publikum ein Gratiseremplar an die königliche Stadtdirektion abzugeben haben, bei Zeitschriften aber, je die im Laufe eines halben Jahrs erschienenen Nummern oder Hefte am Schluffe des Halbjahrs zusammen zu übergeben sind. Gestern nun wurde denselben bekannt gemacht, daß statt der bisherigen halbjährlichen Uebergabe von politischen Zeitungen an die Stadtdirektion von heute an jede Nummer einzeln gleichzeitig mit der Abgabe an die Abonnenten durch die Post an die königliche Regierung deS Neckarkreises in Ludwigsburg gesendet werden solle. (W. Z.)
Berlin, 8. Febr. Die hiesige Gemeinde der Jrvingia- ner (die apostolische Gemeinde) erwartet zum Frühjahre den Professor Thiersch, welcher in ihren Versammlungen Vorträge und Predigten halten wird. ES scheint überhaupt, als ob die Jrvingianer die Absicht hegten, Berlin zum Zentralpunkte für Deutschland zu machen, um von hier aus ihre Lehre zu verbreiten.
Berlin, 7. Febr. Man erzählt sich noch immer viel Intimes über den Schwur und die Rede. Einer der Montmorencys aus der Uckermark meinte im Gespräch mit einem boshaften Ausländer, der „Hofdemokrat" (Herr von Manteuffel!) habe nun wohl sein Letztes durchgesetzt, und er werde in Erfurt wieder gut zu machen haben, was er in Berlin gesündigt. Jener aber antwortete: Sie dürften in Erfurt noch Merkwürdigere Dinge erleben. Gedenken Sie des tiefen Wortes, von dem es nur Schade, daß es Herrn Maximilian Robespierre zum Autor hat. Es lautet: Man geht niemals weiter, als wenn man nicht weiß wohin man geht (on ne va jamais plus loin que lorsqu'on ne sail pas oü l’on va!)
Wien, 7. Febr. Se. Majestät der Kaiser war, wie der „Lloyd" sagt, von einer leichten Unpäßlichkeit befallen, befindet sich aber bereits auf dem Wege der Besserung. Ein Ball, welcher am Sonntag in einem der angesehensten hiesigen Häuser abgehalten werden sollte, [unterblieb aus diesem Anlaß. — Die durch den Donaukanal überschwemmt gewesenen Theile der inneren Stadt und der Vorstädte sind seit vvr^, stern Mittag vom Wasser gänzlich frei; doch ist die Waffer- Höhe in jenen Gegenden, welche der große Donauarm über- fluthete, noch immer nicht zurückgewichen. Gestern früh ist das Wasser im Donaukanal wieder um 1% Schuh gesunken.
Frankreich
Paris, 8. Febr. Hr. Proudhon, welcher bis jetzt in seinem Gefängnisse die größtmögliche Bequemlichkeit genoß, ist seit heute Morgen in geheime Haft gesetzt, wegen eines Artikels in der „Voir du peuple" mit der Ueberschrift: „Es lebe der Kaiser." — Die Zahl der Stadtsergeanten, welche unter Ludwig Philipp 680 betrug, beläuft sich nun auf 1200.
Man hatte befürchtet, daß die Nachricht von den Unruhen in Paris auf die Departements zurückwirken könnte. Die halboffiziellen Blätter melden heute, die Regierung habe fast aus allen Deparlementen telegraphische Depeschen erhalten, welche vollständige Ruhe melden.
Man liest heute im „Constitutionnel": „Die helvetische Regierung hat den Reklamationen der benachbarten Mächte in Bezug auf die politischen Flüchtlinge ihre Berücksichtigung zu Theil werden lassen. Sie entfernt jene von ihrem Territorium, deren Benehmen von einer solchen Natur ist, daß es die Ruhe der benachbarten Staaten stören könnte. Hr. Mazzini verläßt aus Befehl der Bundesregierung die Schweiz; alle Maßregeln sind getroffen, daß er sich über Frankreich gehend nach England begebe.
Paris, 9. Febr. Die heutige Post besteht abermals fast ausschließlich aus einer Reihe von Gerüchten, die aber sämmtlich der ernstesten Art sind und wiederholt bekunden, daß der noch rauchende. Krater jeden Augenblick einen neuen Ausbruch befürchten lassen kann. Abermals ist von einem Staatsstreich die Rede, und bereits will man wissen, einerseits, daß der Präsident der Republik den General Changarnier durch einen Mann von größerer Energie und namentlich von größerer Zuverlässigkeit zu
ersetzen gedenke, andererseits, daß General Cavaignac entschlossen sei, in der Voraussicht eines bevorstehenden Staatsstreichs, demselben auf das Entschiedenste entgegen zu treten und daß man von beiden Seiten bereits sich über -bie Stimmung der einzelnen Offiziere und Truppenkörper, auf welche für oder gegen die Verfassung zu rechnen, sich ins Klare zu setzen suche.
Großbritannien.
London, 5. Februar. Im Oberhause interpellirte gestern Lord Stanley über das griechische Zerwürfniß. Er frug, warum, während nach der Thronrede England mit allen Mächten in den freundschaftlichsten Beziehungen stehe, man jetzt plötzlich erfahre, daß während derselben Zeit der PiräeuS von einer englischen Flotte blokirt werde, und verlangte die Vorlegung der betreffenden Papiere. Lord Lansdowne gab zu, daß die in den Zeitungen enthaltenen Nachrichten im Allgemeinen richtig seyen, befürchtete keine dauernde Unterbrechung der freundschaftlichen Beziehungen zu Griechenland und erläuterte, daß das gegenwärtige Verfahren nur die selbstverständliche Folge einer langen Reihe von Ereignissen sey. Daß eine Blokade erklärt worden sey, leugnete er; daS VermittelungS- Anerbieten der französischen und russischen Gesandten fey-bloß nicht angenommen worden, weil sie von ihren Regierungen nicht dazu ermächtigt gewesen, weßhalb man eS als keine Be, leibigung anschen könne. Zur Vorlegung der Papiere erklärte er sich bereit.
Im Unterhause erklärte Lord Palmerston in derselben Angelegenheit, daß Sir W. Parker Befehl erhalten habe, Athen zu besuchen, um im Verein mit Hrn. Wyse an gewisse Ansprüche der englischen Regierung zu erinnern: sie hätten sich deßhalb mit der griechischen Regierung in Einvernehmen gesetzt, aber ohne genügenden Erfolg, wcßhalb Hr. Wyse sich cnr Bord der Flotte begeben habe, um die Stellung des Admirals klarer zu machen, im Fall er zu Zwangsmaßregeln schreiten müsse. Diese ziemlich kavalierement lautende Erklärung erregte die Heiterkeit des Hauses, befriedigte aber Hrn. D'Jsraeli noch nicht, der zugleich nähere Erklärungen über den noch fortdauernden Zwist mit Spanien, die Spannung mit Oesterreich und die sckleswigsche Angelegenheit verlangte. LorbPal« merston fechte hierauf dir^Dnspräche der englischen Regierung weitläufiger auseinander, wobei er erwähnte, daß die von England beanspruchten Inseln schon 1800 von der Türkei abgetreten und daS Besitzrecht Englands in den Vertragen von 1815 anerkannt worden sey. Das Vorhandenseyn einer Spannung mit Oesterreich leugnete er, obgleich Meinungsdifferenzen über die verschiedene für Oesterreich hochwichtige Sachen zwischen beiden Regierungen stattfänden. Die schleSwigsche Frage sey eine der verwickeltsten, die jemals aufgetauchi seyen, wegen der großen Anzahl der dabei betheiligten Parteien und Interessen. ES kommen dabei in Frage das dänische Volk und die Herzog- thümer Schleswig und Holstein , jede mit einer eigenen An- schannng; Deutschland und das deutsche Nationalgefühl, welche die Angelegenheit alS deutsche Frage betrachten; die preußische Regierung, welche die Sacke in ihre Hand genommen; die" Regierungen Frankreichs, Rußlands, Schwedens und Englands, die alle mehr oder minder bei der Frage belheiligt seyen. Es sey daher natürlich, daß bis jetzt die Verhanv-' lungen wenig fortgeschritten seyen, sie hätten aber wieder begonnen, und er hoffe in einem versöhnlichen Sinne.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Für die Wasserbeschadigteu am nassauischen Rheinufer sind bei der Expedition der Nass. Allg. Ztg. eingegangen r
Von H. in Limburg 1 Thaler C. Im Ganzen sind also bis jetzt bei uns an Geld eingegangen: 49 fl. 12 kr.
Durch freundliche Vermittelung des Herrn Dekan» Kirchenraths Dilthey zu Mosbach sind heute 8» ff 19 kr. zur Dertheilung unter die Dürftigsten unserer n^ffauifdicu Wasser beschädigten in dem Hieggea KreiSamte bei dem Unterzeichneten eingegangen , waS mit dem größten Danke Namens der Betheiligten hiermit angezeigt wird
Rüdeshelm, den 12. Februar 1850. v. Gagcrn, KreiS-Amtmann.