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wohl die Thätigkeit des Verstorben zur längsten Zeit dem AuS- lande gewidmet war, so ist er doch mit wahrhaft patriotischem Sinne den Bewegungen der Jahre 1848 und 49 zur Neugestal­tung unseres Vaterlandes gefolgt. Wie durch seine Verwen­dung während seiner einflußreichen Stellung in den Niederlan­den noch manche Unterstützungen aus der königl. Kasse in das alte Stammland geflossen sind, so hat er auch während seines Aufenthaltes in Dillenburg mit wahrem Edelmuthe die Pflich­ten der Menschlichkeit geübt, wie denn sein Charakter als in jeder Beziehung vortrefflich anerkannt war. (D. Z.)

Frankfurt, 9. Febr. (D. Z.) Während gestern Abend ein junger Bornheimer auf der Main-Neckar-Eisenbahn freiwillig den Tod suchte und fand, indem er sich von dem Wagenzug auf der Schiene überfahren ließ, stürzte heute Mittag an dem, noch fast dem Ufer gleichsteheuden, Main am Quai einem Fuhr- knechte der zum Abladen der Eisschollen dicht ans Ufer ge­führte Wagen in die Fluth und war mit dem Pferde im Nu verschwunden. Der Fuhrknecht wurde nur mit Mühe davon abgehalten, sich in Angst und Verzweiflung seinem Geschirre nachzustürzen.

Leipzig, 7. Febr. (O-P.-A.-Z.) Außer Rockel, Bakunin und Heubner, den drei Hauptanführern während der Mai- ereigniffe in Dresden, ist nun auch der Forstakademist Bräun­lich aus Tharant, ein junger Mann von 19 Jahren, der seit dem Mai v. I. in Morizburg in Haft sitzt, in erster Instanz zum Tode verurtheilt worden.

Berlin. Die Stadtverordnetenversammlung hat, wiewohl nicht ohne starken Widerspruch, am 5. Febr. beschlossen, den Ministern Graf Brandenburg und von Manteuffel das Ehren­bürgerrecht der Stadt Berlin zu verleihen.

Bremen, 7. Febr. Die Weser hatte heute Nachmittag die seltene Höhe von mehr als 17 Fuß erreicht. DieWeser- Zeitung", welche diese Meldung gibt, ist um so genauer von dem Stande deS Flusses unterrichtet, je näher sich ihr die Ueberschwemmung befindet, welche von den Pressen, unter denen die genannte Zeitung hervorgeht, nur durch angestrengte Pump- und Dammarbeiten abgehalten werden konnte. Eine weitere Steigung des Hochwassers ward jedoch nicht befürchtet und die Deiche deS UferS hielten sich gut.

Einer unserer Wiener Briefe spricht von einer telegra­phischen Depesche, wonach in Athen das Haus deS englischen Gesandten vom Volke angezündet worden wäre. Die Sage scheint durchaus grundlos. Gegen zehn andere Briefe aus Wien schweigen darüber; ebenso unsere Mittheilungen aus Triest. (A. Z.)

Triest, 4. Febr. Die englisch-hellenischen Händel scheinen immer bedenklicher sich zu gestalten. Das Postdampfschiff aus der Levante bringt uns die Nachricht, daß Admiral Par, kerben Piräeus noch ganz roh blokire und bei 70 griechische Hand elssch iffe mit Beschlag be, legen und theils nachSalamis, theils nachSyra habe schaffen lassen. AuchSa lamiS istinBlokade, stand, ebenso Syra. Die Franzosen scheinen absichtlich den Kopf zu verstecken. Die ganze Flotte ist nach Mosko- nisi (Makranisi?) gezogen. Die Blokade der vorzüglichsten Häfen Griechenlands soll so lange dauern, bis die Griechen i die Entschädigungen gezahlt, und überhaupt den englischen Anforderungen entsprochen haben. (A. Z.)

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Sprechs aal

für ® t ad t und Land

An die Wohlthäter für die durch den hohen Wasserstand und Eisgang heimgesuchten Bewohner des untern Rheingaus.

Das harte LooS, welches viele der Bewohner unserer Rheinorte, namentlich aber der Gemeinden Lorch, Lorchhau­sen und Caub durch den hohen Wasserstand unv Eisgang in diesen Tagen betroffen, und das von allen Seiten her genü­

gend geschildert worden ist, hat bei allen Menschenfreunden so rege, innige Theilnahme gefunden, daß überall, nah und fern, auch von dem Wohlchätigkeitssinn in unseren Nachbarstaaten Sammlungen veranstaltet werden, und bereits reiche Spenden von vielen Seiten zur Unterstützung der Bedrängten eingegan­gen sind.

Von einzelnen der großmüthigen Geber ist dem Unterzeich, neten persönlich chas große Vertrauen geschenkt worden, nicht nur solche Gaben für seine bedrängten Kreiseingesessenen in Empfang zu nehmen, sondern auch nach seiner besten Einsicht zu vertheilen und darüber zu disponiren.

Indem derselbe für dieses Zutrauen seinen innigsten Dank ausspricht, und die Versicherung ertheilt, daß er alle Kräfte aufbieten wird, damit in dem edlen Sinne der wohlthätigen Menschenfreunde der Zweck erstrebt und erreicht werde, kann er eineötheils nicht umhin schon jetzt im Namen seiner Betheilig- ten Amlseingesessencn er weiß daß sie das wollen wenn auch nur mit schwachen Worten einstweilen die gerührteste An­erkennung für das auszudrücken, was bereits geleistet und ge­geben worden ist, und ein Denkmal in den Herzen der Be, drängten fetzen wird, daS keine Zeit zerstören wird.

Andererseits wollte sich der Unterzeichnete nachstehende Eröffnung erlauben.

Die Gemeinde Lorch ist unbestritten in Folge der Einflüsse der Fluchen und des Eisganges der Wisper in Verbindung mit dem des Rheins am stärksten Heimgesucht. Dieselbe zählt zugleich die bei weitem größere Anzahl Armer unter den Be­troffenen.

Dort ist sozusagen nichts verschont geblieben; durch Unter- wühlung der untersten Stockwerke von ungefähr 132 Wohn- Häusern die Bewohner vertrieben, und zu Mitbürgern geflüchtet, welche theilweise selbst nicht Raum genug in ihren Behausun­gen haben, Vieh aus den Stallungen gebracht und anderwärts mit anderem Viehstande eng zusammen gebracht, hin und wie- der Kellervorrath im Wasser verkommen, Holz und Dung weg­geschwemmt, Gärten mit Obstbäumen, Weinstöcke und Wein, bergpfähle in großem Umfang vernichtet.

In Caub ist das alles in weit geringerem Maßstabe, und in Lorchhausen in dem geringsten der Fall.

Ein näherer Besicht, der bis jetzt noch nicht möglich war, wird alles noch besser darthun.

An Lebensmitteln, Holz, Bettung und Bekleidung ist vor­erst nirgends dringender Mangel. Ihm ist bereits und wird fortwährend thunlichst abgeholfen, sowie auch möglichst gesorgt wird, daß es an Raum zu längerem Aufenthalte der Gèflüch, teten nicht fehlt, damit nichtwurch zu frühes Wiedereinziehen in die verlassenen Wohnungen Krankheiten entstehen.

Die eingehenden Gelder werden hiernach also allerdings so weit nöthig auch zur Anschaffung der nöthigsten Lebensbe­dürfnisse, demnächst aber auch vorzüglich zur Deckung reeller, unersetzlicher Verluste und als Zuschüsse zu den Kosten der Wiederherstellung beschädigter Gebäude und Grundstücke der Bedürftigen verwendet werden.

Dieß zur Kenntuißnahme derjenigen, welche für ihre Ga­ben einen bestimmten Zweck verbinden wollen, dem alsdann pünktlich entsprochen werden würde.

Der Unterzeichnete wird jedem Uebersender von Beiträgen und Gaben irgend welcher Art, wenn er ferner damit betraut werden will, den Empfang sofort anzeigen.

Fortlaufende Anzeigen des Eingegangenen wird er nicht liefern, vielmehr genau Rechnung führen, und nachdem der Zweck erreicht und die Mittel erschöpft sind, eine ausführliche Darstellung dessen veröffentlichen, waS geschehen ist.

In Lorch ist bereits ein eignes Unterstützungskomite ge­bildet, an welches Geschenke unter der Adresse des Herrn Bürgermeisters Trav er s auch direkt übersendet werden könnten.

In Caub und Lorchhausen würde dies noch geschehen kön­nen, wenn es für nöthig erachtet wird.

Zu einer Schilderung, welchen Eindruck die bereits angr- kommenen Gaben auf die Heimgesuchten gemacht haben, fehlen dem Unterzeichneten die Worte. Den mildthätigen Spendern wäre der Anblick wohl zu gönnen gewesen.

Rüdesheim, 8. Febr. 1850. v. Gagern,

Herzog!. KreiSamtmann daselbst.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl