Nassauische
Allgemeine Zeitung..
J£ SS Sonntag den 1O» Februar 1S5O»
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
ZeitungSschau.
Deutschland. Höchst (Der Wasserstand). — Mainz (DaS Wasser). —
Frankfurt (Die Wahlen zum Staatenhaus): — Berlin (Die Beleuchtung der Stadt. Festjubel). — Wien (Vermischtes).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Zeitungsschau.
Die „Republique" enthält folgende bemerkenSwerthe Betrachtung über die britisch-griechische Frage: Bei den Planen Rußlands gegen Konstantinopel sind Griechenland und Bevölkerungen von griechischem Ursprung oder griechischer Religion bestimmt, eine wichtige Rolle zu spielen. Aus den Ruf des als Befreier der christlichen Bevölkerungen sich darbielenden Rußlands sollen die griechischen Provinzen aufstehen und durch eine Diversion im Innern die Vertheidigung deS osmanischen Reichs deSorganisiren. Unter diesen Umständen 'muß das feindliche Auftreten Englands gegen Griechenland als die Antwort Englands auf die furchtbare Truppenkonzentration am Pruth und an der Donau betrachtet werden. Da England die Donauprovinzen mit seinen Flotten nicht erreichen kann, so sucht eS wenigstens eine von Rußland vorbereitete Diversion zu lähmen. Diese Politik ist energisch und konsequent. England schickt sich als interessirter Beschützer der Türkei an, dieselbe zu Athen zu vertheidigen, wo sie nicht weniger bedroht ist als am Balkan. Die nichtssagende, unschlüssige, stumpfsinnige Politik Frankreichs dagegen schickt eine Flvlte nach Smyrna, um sich den Planen Rußlands zu widersetzen, und hernach, wenn England eine wirksame Maßregel zum Schutze der Türkei ergreift, so vereinigt sich der französische mit dem russischen Gesandten, um gegen die Handlungen Englands zu protestiren. Man sollte sagen, daß die französische Regierung mit geschlossenen Augen und ohne etwas davon zu merken, dem Vorspiele zu einem der größten historischen Dramen beiwohnt.
Deutschland.
.^ Höchst, 9. Febr. Nach und nach tritt der Main wieder in seine Ufer zurück. Beträchtlichen Schaden hat der hohe Wasserstand in hiesiger Gegend nicht verursacht, wenn schon die Gefahr an manchen Orten groß wär. Allgemein rühmt man die unermüdliche und umsichtige Thätigkeit, welche der hiesige Kreisamtmann an den Tag gelegt, um Unglück zu verhüten.
Mainz- 8. Febr. (O.-P.-A.-Z.) Das Fluthwasser des Rheines ist seit gestern stark gefallen, so daß man hoffen kann, der Strom werde bis morgen Abend wieder in sein Bett zurückgetreten seyn.
Frankfurt, 9. Febr. (Telegraphische Depesche der vereinigten Frankfurter Blätter.) Berlin, 8. Febr., Abends. Die
* ■ Wahlen zum Staatenhause erfolgen in der ersten Kammer “ Montag, den 11. d. M.; in der zweiten Dienstag, den 12. d. c
M., in einer Abendsitzung. g
Berlin, 7. Februar. Die gestrige Beleuchtung der Stadt t ist, der „Reform" nach, doch noch glänzend ausgefallen. Na- 1 mentlich zeichnete sich der Palast des Prinzen von Preußen *1 dabei aus. Der bedeutsame Trinkspruch, den der König bei • der Festtafel der Abgeordneten auSbrachte, lautete: „Der Dank 1 deS Vaterlandes durch den König!" Präsident v. Auerswald 1 erwiederte dies, als sich der König zurückziehen wollte, durch: d „Dank dem Könige durch die Vertreter des Volkes." Einige, 1 jedoch nur unbedeutende Erzesse bübischen Muthwillens wurden ! im Laufe des Tages verübt; die Anstifter verhaftet. Trotz deS RegenwetterS boten die Straßen am Abende einen sehr beleb- - ten Anblick dar.
Prag- 4. Febr. Telegraphische Depesche aus Wien- 3. Febr., 12 Uhr 41 Minuten. Die Kommunikation der Stadt mit dem Nordbahnhof ist bereits unterbrochen. Die Brücken werden nicht passirt. Florisdorf ist unter Wasser, die ‘ Gefahr ist im Steigen. -
Telegraphische Depesche. Florisdorf nach Prag, 4. Febr., 3 7 Uhr 14 Minuten. Mehrere Joche bei der Kaiserbrücke über • vaS Kaiserwasser sind weggerissen, daher weder Frachten noch ’ Reisende für Wien aufzunehmen sind.
Frankreich. i
Paris - 6. Febr., Abends 8 Uhr. An der Porte St. i Denis sieht man wohl Volksgruppen, aber im Allgemeinen . ist Paris ganz ruhig. Zahlreiche Verhaftungen haben stattge« . funden. Changarnier ritt in Begleitung seiner Adjutanten ' durch die Vorstadt St. Martin. Der militärische Schutz dec gesetzgebenden Versammlung war heute sehr verstärkt worden; zahlreiche Artillerie war in den Höfen des Gebäudes.
Heute Abend verbreitete sich die Nachricht, daß der Poli« zeipräfckl Carlier abgesetzl sey. Man hat daS Fällen der FreiheitSbäume heute gänzlich eingestellt.
Paris- 6. Februar. Von 4 Uhr Abends waren die Truppen konsignirt und zahlreiche Patrouillen durchstreiften die Straßen, hatten aber keine Unordnung zu unterdrücken. Die Zahl der Verhafteten schätzt man auf 300, wovon 200 amne« stirte Juni-Jnsurgenlen sind. — Die Aufregung herrschte gestern Abend nicht nur im Stadtviertel St. Denis, sondern auch noch in andern Stadttheilen. So waren in der Straße, in welcher der tödtlich verwundete Arbeiter gewohnt hatte, viele Menschen versammelt. Der Verwundete ist noch nicht gestorben, und man hofft, ihn am Leben zu erhalten. Dagegen sind die Po- zeidiener, welche durch schwere Hammerschläge verwundet worden waren, in einem Zustande, der an ihrem Aufkommen zweifeln läßt. — Heute verbreitet sich daS Gerücht einer bevorstehenden Ministerveränderung. Man versicherte, daß L. Fau- cher Herrn F. Barrot und Mole den General Lahitte ersetzen würde. Die große Unwahrscheinlichkeit dieses Gerüchts braucht nicht erst erwähnt zu werden. Thatsache ist nur, daß Herr