Frankfurt, 7. Febr., 9 Uhr früh. (O.-P.-A.-Z.) Eine telegraphische Depesche aus Berlin über den gestern vorgenom- menen Beschwörungsakt haben wir bis zu diesem Augenblicke vergeblich erwartet. Ob die telegraphische Verbindung irgendwo gestört oder der Telegraph gestern vorzugsweise von der Regierung in Anspruch genommen war, läßt sich nur vermuthen.
DaS Wasser des Mains ist seit^gesternMbends wieder im Fallen begriffen und war heute srüh halb 8 Uhr bereits zwischen zwei und drei Fuß unter seinen^höchsten Stand zurückgetreten.
Gießen, 4. Febr. (Darmst. Ztg.) Am Freitag erlebten wir dahier auch einen Prozeß Kinkel. An diesem Tage stand nämlich Heinrich Kinkel, Gerber von Dodenau, angeklagt der Vorbereitung zu hochverrätherischen Handlungen und des AbreißenS der am 16. Mai v. I. an die Soldaten von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog? erlassenen Proklamation, vor dem Schwurgericht, und wurde, . a die Zeugen sehr bestimmt und mit großer Genauigkeit, wie wir dieses meistens bei den Zeugen aus dem Hinterlande finden, gegen ihn ausgesagt hatten, von den Geschwornen, nach kurzer Berathung, für schuldig erkannt. Der Assisenhof sprach gegen den Angeklagten auf den Grund des Art. 131 des Str.-Ges.-BuchS die geringste gesetzliche Strafe von zwei Jahren Korrektionshaus aus, und setzte auf den Grund des Art. 179 des Str.-Ges.-Buchs einen Monat zu, verurtheilte denselben zugleich in die Kosten des Prozesses und verordnete die Bekanntmachung des Urtheils. — Dieses war während der drei bisherigen Sessionen der Assisen der erste Fall, daß ein des Hochverraths oder Vorbereitungen dazu Angeklagter gestraft wurde, so wie denn auch wenige Tage zuvor zum erstenmal ein der Majestätsbeleidigung Angeschul- Vigter mit einer Strafe von neun Monaten Korrektionshaus angesehen worden ist.
Karlsruhe, 6. Febr. In der heutigen Nr. der KarlSr. Ztg. zeigt der frühere Vorstand der Finanzen, Karl Hoffmann an, daß er gegen den Verfasser einer Mittheilung in der Karlsr. Ztg., wonach er von den Vorständen der Amortisations-, wie der Generalstaatskasse vergebens um die Ermächtigung gebeten worden sey, Staatsgelder retten zu dürfen, eine Verleumdungsklage zu erheben beabsichtige. Die Direktion der Amortisationskasse zeigt an, daß die Angabe, als habe der Diener eine Summe von 80,000 fl. gerettet, unwahr sey; übrigens wird demselben das beste Zeugniß gegeben. Die Redaktion bemetkt, das jener Artikel durch ein reines Versehen zum Abdruck gekommen sey. — Aus Rastatt sind wieder zwei gefangene Soldaten auf räthselhafte Weise über den Rhein entkommen.
Rastatt , 3. Febr. Gestern kam der Prinz von Preußen auf der Durchreise von Karlsruhe nach Freiburg auf hiesigen Bahnhof, wo der Kommandant v. Gansauge ihn bewill- kommte. Er wird dieser Tage hierher zurückkommen, die Besatzung zu mustern. — Gestern Nacht, während die Hoch- angeschwollene Murg ihr Bett zu übertreten drohte, tönten Allarmschüsse. Heule früh vernahm man, daß zwei Gefangene, worunter ein zu acht Jahren Zuchthaus Vcrurtheilter, durch kühnen Fluchtversuch sich befreit haben. In dem Reduit des Fort A hatten sie eine Oeffnung burchgebrochen, durch welche sie sich vermittelst Betttücher hinabließen und inS Freie gelangten. Bei der Ueberschwemmung, welche in der Rheinniederung weithin bemerklich ist, dürfte ihr Entrinnen ins Ausland nock- größeren Schwierigkeiten unterliegen, als ihr Entkommen aus dem Gefängniß. (S. M.)
Wien, 28. Jan. (Allg. Ztg.) Die 16 Gendarmerieregimenter werden so vertheilt, daß auf jedes Kronland etwa eines kommt; kleinere sind zusammengeschlagen, so besteht z. B. für Oesterreich ob und unter der Enns und Salzburg, für Galizien unv die Bukowina nur ein Regiment. Auf Ungarn dagegen fallen drei. Gerade dort wird von der stattlichen Mannschaft, welche den Gesetzen Autorität verleihen soll, viel gutes gehofft, da an vielen Orten namentlich jetzt die Rechtsunsicherheit so stark war, daß man sich aus Furcht vor größerer Beschädigung nicht getraute Abhülfe eines Unrechts zu fordern, auch wenn der Thäter bekannt war.
Unsere Briefe aus Wien berühren wieder umlaufende Ministerwechselgerüchte, z. B. daß Minister Bach austreten, Fürst Windisch-Grätz eintreten, dem Förderatismus namentlich in
Ungarn Konzessionen gemacht, die Bildung der Woiwodina zurückgenommen werden solle. Bis jetzt wird wenig anderer Grund für diese Gerüchte angegeben, als daß einige ungarische Altkonservative und Fürst Windisch-Grätz nach Wien berufen seyn sollen; dazu kommen die wachsenden Schwierigkeiten in Südungarn, zu denen der Geist der Unbotmäßigkeit inzDal- matien sich gesellte. Diese Dinge würden schwer in die Wag- schale fallen, wenn die englischen Gewaltstreiche in Griechenland zu einem größeren Bruche führten. (A. Z.)
Wien, 1. Febr. Ein kaiserlicher Erlaß vom 30. Januar genehmigt die Errichtung einer Z e n t ra l se e b e h ö rd e in Triest, deren Ausgabe in Ueberwachung des österreichischen Seeschifffahrtswesens in seinem ganzen Umfang, in Erforschung und Beurtheilung der wahren Bedürfnisse dieses Industriezweigs , so wie der darauf bezüglichen Vorkehrungen (z. B. Sanitäts- und Kontumazvorschriften, Ueberwachung der Konsularämter ic.), endlich in Ausführung der diesen Zweck betreffenden Maßregeln, in sämmtlichen österreichischen Küstenländern besteht.
Gestern fand in den Gemächern Sr. Maj. ein großer HofbaU statt. Sonntag ist Kammerball bei der Erzherzogin Sophie und für Montag hat die Fürstin Schwarzenberg einen Ball arrangirt, welchen der kaiserl. Hof besuchen wird.
Die Abreise des Banus Jellachich von hier nach Agram ist auf Mitte Februar festgesetzt. Vorgestern besuchte ihn Erzherzog Albrecht und verweilte fast zwei Stunden bei ihm. In Kroatien herrscht die feindseligste Stimmung gegen die Deutschen, da dort der Wahn verbreitet ist, daß die Deutschen den Banus in Wien zurückhalten.
Wien, 31. Jan. (W. Z.) Einer ausführlichen Relation nach zu urtheilen, die aus Frankfurt hier im Ministerium des Aeußern eintraf, scheinen die Hrn. Kübeck und Schönhals ihre Mußestunden in Frankfurt dazu benutzt zu haben, um eine genaue statistische Uebersicht von dem gegenwärtigen Stande der politischen Verhältnisse des außerösterreichischen Deutschlands zu nehmen. Die Macht der deutschen Demokratie, worunter natürlich alles gerechnet wird, was nicht dem Status quo von 1815 anhängt, soll darin auf das Genaueste angegeben seyn. Daß diese den beiden österreichischen Staatsmännern keine unbcachtenswerlhe erscheint, geht am besten aus dem Umstande hervor, daß sie auf die Nothwendigkeit einer schleunigen unv durchgreifenden Organisation einer Bundesarmee vorzüglich in der Schrift aufmerksam machen. Fürst Schwarzenberg wird wohl hiemil einverstanden seyn.
Grankreiâ
Paris, 4. Febr. Trotz der heute hier bekannt gewordenen Erklärung des Generals Dufour behauptet man doch, daß vor Kurzem ein Brief von ihm an den Präsidenten der Republik angelangt sey, in welchem der Erstgenannte verspricht, im Nothsall die radikalen Kantone zu bekämpfen.
Folgende Notiz aus der „Union de la Mayenne" vom 2. b. M., die zu Laval erscheint, bestätigt die Nachrichten revolutionärer Umtriebe in den Departementen, die in der letzten Zeit so oft gemeldet worben sind: „Seit einigen Tagen bemerkt man eine gewisse Gährung unter den Arbeitern unserer Stadt. Aehnliche B.merkungen werden in allen großen Mittelpunkten der Arbeiten, in'fast allen Departementen gemacht. Diese Thatsache unterstützt das, waS man uns täglichlich über die Anstrengungen der Rothen berichtet, die Bewegung, die in Paris keine Chancen mehr hat, in die Departements zu verlegen.
„GalignaniS Messenger", welcher gewöhnlich in Dingen, die England betreffen, gut unterrichtet ist, enthält heute Folgendes: „Es ging das Gerücht, daß die französische Flotte nach dem Pyräeus abgegangen sey, um Griechenland gegen England zu beschützen. Wir können dieses Gerücht auS guter Quelle für falsch erklären. Dessenungeachtet ist es wahr, vaß die Angelegenheiten in Griechenland in Verbindung mit der schweizerischen Angelegenheit die Abreise Drouyn de l'Huys als außerordentlicher Gesandter nach London veranlaßt hat."
Gestern Abend war hier das Gerücht von Unruhen verbreitet, die in Lyon ausgebrochen seyn sollen. Es scheint, daß dieses Gerücht nur durch die Forderung des Generals Gemeau um Militärverstärkung veranlaßt worden sc», und man ist geneigt, dieses Begehren mit Ereignissen in Serbin«