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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 33

Freitag den 8. Februar

1S5O*

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume» »atiouspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt S fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungâgebietes S fl. IO fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Das Einschreiten Englands in Athen.

Wahlen in das Erfurter Volkshaus.

Deutschland. Wiesbaden (Auffindung des von M. Kopp geraubten

Geldes. Unterstützung der Wafferbeschâdigten). RüdeSheim (Ein Vatermörder). Frankfurt (Der Main). Aus Rheinpreußen

(Der Winter). München (Das Verfahren Englands gegen Griechen­land). Berlin (Der Verwaltungsrath. Die neueste königliche Bot­schaft).

Ungarn. Preßburg (Die erfrorenen Soldaten). Ofen (Mordthat). Sprechsaal für Stadt und Land.

Das Einschreiten Englands in Athen.

Ueber die merkwürdigen Maßregeln Englands, welche leicht europäische Verwickelungen nach sich ziehen dürften, stellen wir Folgendes aus der Allgemeinen Zeitung zusammen.

Aus München wird diesem Blatte geschrieben: Der tele- graphischen Depesche aus Wien über die höchst überraschen­den Vorgänge zu Athen ist gestern im Laufe des Tages ein Courier der bayerischen Gesandtschaft am k. griechischen Hofe nachgefolgt. Er hat, wie ich höre, Briefe an Se. Maj. den König und umfassende Berichte an das Ministerium des Aus­wärtigen gebracht. Die hellenischen Majestäten haben mit Muth und Seelengröße den unerwarteten, im tiefsten Frieden ihres Königreichs geführten Schlag ertragen, der unzweideutig Vernichtung der griechischen königlichen Marine und des rasch auflebenden griechischen Handels bezielt, in seinem eigentlichen Plane noch im Dunkeln, in seinen möglichen Folgen aber außer aller Berechnung liegt. Das athenische Volk hat dieses Ver­fahren seiner erstenSchutzmacht" wohl zu würdigen gewußt. Nach den hier eingelaufenen Nachrichten herrschte noch nie eine solche »Uebereinstimmung in den Gefühlen zwischen ihm und dem Königspaar, und dieses wurde überall mit dem lautesten Jubelruf empfangen. Die Deputirtenkammer und der Senat drückten Sr. Maj. dem Könige Otto persönlich die über den englischen Gewaltstreich empörte öffentliche Meinung aus. Es ist ln der That unerhört, daß eine fremde Regierung, welche die völkerrechtlichen freundschaftlichen Beziehungen noch nicht gelöst, das Beglaubigungsschreiben ihres Gesandten noch nicht zurückgenommen hatte, mit einem Schlage kriegsmäßig zu ver­fahren beginnt. Wir können unmöglich glauben, daß dieses Verfahren an der Themse wie Seine anders als mit Erstaunen und Entrüstung ausgenommen werden wird, unmöglich, vaß diese Anwendung des Rechts des Stärkeren durch Lord Pal­merston Beifall im bittischen Volke finde.

Und um welcher Ursachen willen diese Gewaltthat? Wenn ich nicht ungenau berichtet worden, nicht um der Anlchensfor- derungen willen nein, um imaginärer Privatreklamationen willen! Eine antiquirte Geschichte mit einem Mister Finlay, die man schon als geordnet betrachtete, eine andere abenteuer­

liche Angelegenheit mit einem Juden Don Pacifico, die dem Abschluß (vielleicht gerade dieser unbequem) nahe war!

Vernehmen Sie nun, waS ich über den ganzen Hergang in Erfahrung brachte. Nachvem Admiral Parker um die Mitte des vorigen Monats mit seiner Eskadre vor Athen erschienen war, begab er sich am 17. Morgens mit dem brittischen Ge­sandten in das Ministerium des Auswärtigen, und forderte von Dem Minister Londos im Namen von England die volle Befriedigung mehrerer Privatforderungen binnen 24 Stunden, mit dem Beisatz: gleichviel, ob sie begründet oder unbegründet wären. König Otto versammelte den Ministerrath, und eS wurde beschlossen, die Vermittlung der Gesandten Rußlands und Frankreichs nachzusuchen, gleichzeitig aber ein Gutachten der Kronanwälte über die Reklamationen eingeholt, welches jedoch durchaus verneinend ausfiel. In der Nacht vom 17, auf den 18. Januar kam es sovann zu dem Beschlusse, daß über die fraglichen Forverungen ein Schiedsgericht durch die Gesandtschaften der russischen und französischen Schutzmacht be­stellt werden solle. Herr Wyse verwarf aber bei dem perem- torischen Wortlaute der Palmerstonischen Jostruktionen jede Jnterzcsston, begab sich am 19., ohne jedoch das gesandtschaft- liche Verhältniß aufzulösen, an Borv des englischen Admiral- schiffeSThe Queen, und Parker kaperte ohne weiteres das hellenische KriegsschiffOthon" nebst einem anderen königlichen Schiffe. Darauf wurde die Blokade des Hafens, und zwar derart angeordnet, daß nicht einmal der fanzösischc, im PiräuS liegende Dampfer vorher avisirt worden war. Der griechischen Regierung blieb gegen diese Akte nur zu protestiren übrig, aber ich zweifle nicht, daß dieser Protest in Europa seinen Nachhall haben wird.

Hieran mögen sich folgende Spezialberichte aus Athen reihen:

Athen, 21. Jan. Am Morgen des 28. Jan. berief der Präsident der Kammer dieselbe zu einer außerordentlichen Sitz­ung, an welcher achtzig Deputirte Antheil nahmen. Gallerten, Vorplätze und Straßen waren mit Tausenden von Menschen gefüllt. Die ganze Kammer sprach einstimmig, in Anwesenheit deS Ministers des Auswärtigen, ihren Entschluß aus, daS Ministerium in allen seinen Schritten zu unterstützen.

Noch am 6. Abends lief das KriegSdampfschiffOtto" mit Regierungsdepeschen nach Poros und Syra, beordert auS dem Hafen von Piräeus, ehe ihm der Blokadezustand mitge­theilt worden war. Verfolgt von zwei englischen Dampfern wurde derOtto" auf der Höhe von Cap Sunium zum Halten gebracht, und unter Mittheilung der nöthigen Papiere gezwungen, nach dem Piräeus zurückzukehren.

Am 19. Jan. theilte der englische Gesandte unserer Re­gierung mit, daß er sich mit seinem ganzen Gesandtschaftsper­sonal auf die englische Flotte begebe, und daß deßwegen die griechische Regierung jede Mittheilung, die sie etwa ihm zrr machen habe, in das Gesandtschaftshotel senden möge. Gleich nach dieser Mittheilung verließ Hr. Wyse sein Hotel und fuhr in Begleitung des Admirals Parker und mehrerer englischen Offiziere nach PiräeuS, um sich von dort nach Salamis zu begeben. Im Laufe des Tages wurde noch ein anderes grie­chisches Kriegsfahrzeug, der Polydeukis, nach PoroS bestimmt,