heute früh eine Höhe von 18 Fuß erreicht; da auch der Ober- main im Wachsen begriffen ist und der Mittelrhein die Höhe von 1784 erreicht hat, so kann der hiesige Wasserstand noch immer um einige Fuß höher werden.
Heidelberg, 1. Febr. Altbürgermeister Vater Winter ist noch immer verhaftet. Eine Kaution, welche für seine Freilassung der Untersuchungsbehörde angeboten worden, wurde nicht angenommen. Uebrigens wird Winter in dem Arresthause mit vieler Humanität behandelt und ihm sein dortiger Aufenthalt in jedweder Weise, so weit dieses mit den Pflichten der Unlersuchungsbehörde nur vereinbarlich ist, erleichtert. Seine Freunde hoffen mit Sicherheit darauf, daß, sobald die Untersuchungsakten geschlossen sind, er gegen eine Kaution werde freigegeben werden. Ueber die eigentlichen Klagepunkte ist in dem Publikum nichts bekannt. (S. M.)
Dresden, 2. Februar. (O.-P.-A.-Z.) Die Verurtheilun- gen von Seiten des hiesigen App.llationSgerichtS fallen sehr hart aus. Nachdem die drei auf dem Königstein in Haft Befindlichen, Bakunin, Röckel uud Heubner, bekanntlich zum Tode verurtheilt worden, lautet neuerdings daS gegen den Postsekre- târ Martin gesprochene Erkenntniß auf lebenslängliches Zuchthaus ersten Graves. Das Oberappellationsgericht scheint mildere Grundsätze zu verfolgen, wenigstens hat eS bereits einen vom Kriegsgericht verurtheilten Soldaten — freigesprochen, so daß derselbe jetzt wieder seinen Dienst versieht.
Berlin. Die Allgemeine Gerichts-Zeitung sagt; Vor Kurzem ist die Verhaftung dreier Männer, welche Mitglieder des im Waldeck'schen Prozesse erwähnten Todtenbundes seyn sollen, erfolgt. Unter ihnen befindet sich der Stiefelputzer des HandlungSbieners Ohm , die beiden andern Verhafteten sind Handwerker. Sie haben, wie es verlautet, in einem Schanklokal, aufgeregt durch den Genuß von Spirituosen, sich als Mitglieder des Todtenbundes bekannt, und über denselben so erhebliche Aufschlüsse gegeben und so genaue Kenntniß von dessen innerer Einrichtung verrathen, daß ihre Betheiligung an dem Bunde unzweifelhaft seyn soll.
Berlin, 3. Febr. (O.-P.-A.-Z.) In den Schwurgerichtsverhandlungen dieser Session dürften manche Abweichungen von dem ursprünglichen Plan eintreten. Vielleicht wird der ganze Steuerverweigererprozeß vertagt, theils wegen der vielen nicht eingetroffenen Entlastungszeugen, theils wegen der von Seiten der Vertheidigung erhobenen Protestation gegen den Schwurgerichtspräsidenten, Appellationsgerichts- rath von Caprivi, denselben, der auch bei dem Zieglerschen Prozeß in Brandenburg präsivirte. Die Protestation stützt sich auf die dort von ihm in das Resume eingeflochtene Privatmeinung,, nach der er die Steuerverweigerer für des Hochverraths schuldig erklärt haben soll.
, , Ein anderer das Berliner Publikum sehr interessirender, insbesondere wegen eigenthümlicher Beziehungen und Verhältnisse die Damenwelt beschäftigender Prozeß, die Verhandlung gegen den Dr. Eichler, ist gestern ebenfalls ausgesetzt wor- den. Eichler, unter den Hauptvolksrednern des Jahres 1848, dessen Gewalt über die Menge seiner Zeit so groß war, daß ftln bloßer Anblick und seine aufgehobene Rechte die brausende Menge, die den Grafen Schwerin bei einer der Maffendemon- strationen nicht zu Worte kommen ließ, bis zur Lautlosigkeit beschwichtigte, steht unter der Anklage der Majestätsbeleidigung und des Aufruhrs, gegründet auf eine Rede zum Andenken der Marzkampfer in Merseburg gehalten, so wie auf einen Versuch mi Juni 1848, Gefangene zu befreien, und endlich auf einen Aufruf aus dem November 1848, um bewaffnete Zuzüge nach fuhren. Bleich und kränklich, gleicht der Angeklagte sich selbst nicht mehr. Seine sonst weite Plätze unter freiem Himmel beherrschende Stimme reichte kaum aus, sich in dem kleinen Saal des Schwurgerichts vernehmlich zu machen. Es loll ihm namentlich vor seiner noch nicht allzulang dauernden -Verhaftung sehr kümmerlich gegangen seyn. Die Verhandlung wurde wegen Nichterscheinens der Entlastungszeugen auö- gesetzt.
.âiel, 31. Januar. Die Neue Bremer Zeitung meldet: leswlg«holsteinischen Angelegenheit hat stch die Bundes-Zentral,Kommission dahin entschieden, von der Sendung eines Kommissärs abzusehen, dagegen sofort eine „neue provisorische, beiden Herzogthümern gemeinschaftliche Regierung einzusetzen. Für die Friebenöunterhandlungen hat man
ferner als Grundbedingung die Unteilbarkeit Schleswigs und Holsteins hingestellt, wovon der Waffenstillstand Preußens mit Dänemark bekanntlich weit abging, und den auch Preußen wohl in dem Frieden streng durchzuführen nicht Willens war. Hinsichtlich jener interimistischen Regierung sowohl als der Fortführung der Friedensunterhandlungen wird Preußen im Wesentlichen die Ausführung überlassen bleiben. An all diesen Berathungen hat der General v. Peucker lebhaft theilgenommen, dem die ganze Angelegenheit noch von seiner Stellung als Reichskriegsminister her genau bekannt ist.
Görz, 28. Jan. (K. Bl. a. B.) Unsere Stadt wurde heute Nachts von einem surchtbaren Feinde heimgesucht, der eine nicht geringere Verheerung anrichtete, als bei einem wirklichen Bombardement zu geschehen pflegt. Die Bora ließ ihre Wuth an uns so unbändig aus, daß sie nicht bloß Hunderte von Fensterscheiben, sondern selbst Dächer und Rauchfänge zertrümmerte; ja einer der zwei Thürme der Jesuiten- Kirche zu St. Ignaz auf dem Hauptplatze Travnik neigte sich schon zum Einstürze, und steht mit gekrümmter Kuppel und entblößtem Dachstuhle da.
Schweiz.
In der Stadt Freiburg ist der Haß des radikalen Theils der Bevölkerung gegen die Flüchtlinge zu dem Grade gestiegen , daß sich ganze Banden zusammenthun und die Flüchtlinge, wo sie dieselben finden, überfallen und mißhandeln. Die Regierung hatte keine Gewalt, um die Verfolgten zu schützen, und mußte sie an andere Orte verlegen.
Im Kanton Tessin sind schon einige mal Spione entdeckt und polizeilich aus dem Lande gewiesen worden. In Lugano heißen die Spione Trompetenbläser. Ist einer entdeckt, so wird er den Stiefelputzern gezeigt, deren es auf dem Hauptplatz und unter den Bögen eine ziemliche Anzahl gibt und mit einer kleinen Trompete versehen sind. Diese passen dann auf und begleiten den Spion unter einem fürchterlichen Trompetenlärm, jo daß das Ganze ein Volksspektakel wird und die Verdächtigen ohne Bemühung der Obrigkeit zum Lande hinausgebracht werden.
Frankreich
Paris, 3. Febr. Die Jahresfeier des 24. Februar soll der revolutionären Partei zum Vorwand dienen, um eine Demonstration hervorzurufen, bei der man gern die Arbeiterassoziationen eine Rolle spielen lassen möchte. Das Programm dieser Feierlichkeit wird zwischen gewissen Montagnards und den vorzüglichsten Chefs der Arbeiterverbindungen verhandelt. Prouvhon und die Männer der „Voir du Peuple" widersetzen sich auf alle mögliche Weise einer öffentlichen Manifestation; aber die ehemaligen Abgeordneten des Luremburg werden ohne Zweifel von Louis Blanc veranlaßt, ihre Idee nicht aufzugeben, und sie behaupten, man könnte etwas Imposantes unternehmen, ohne daß dies in eine Provokation ausartete. Die Montagne wird über diese Frage nächstens entscheiden.
Paris, 3. Febr. Die griechisch-englische Verwickelung und die von den beiden deutschen Großmächten beabsichtigte Intervention in der Schweiz halten die hiesige polische Welt in einer Spannung und Aufregung, in der sie sich lange nicht befunden hat. Das gestrige bedeutende Fallen der Fonds an der Börse ist das sicherste Zeichen, wie besorgt man namentlich der letztern Angelegenheit wegen ist.
Das bedeutendste Organ der legitimistischen Partei sagt heute: „Die Jnlerventinon wird stattfinden; sie wird statlfin- den ohne Frankreich. Wir werden die Oesterreicher zu Zürich, die Preußen zu Neuschatel und Freiburg erblicken. Dies mußte so kommen. Die Herren Druey und Ochsenbein find bei sich zu Hause ebenso ohnmächtig gegen die Revolution, als die Herren Mamiani und Gioberti es zu Rom und zu Turin gewesen sind. Hr. L. Napoleon Bonaparte, Präsident der französischen Republik, kann in der Schweiz nicht interveniren, noch auch verhindern, daß man daselbst intervenire. Es liegt in den Ereignissen eine Logik, in den Umständen eine Macht, der man sich nicht entziehen kann." Die Assemblee Nationale, die in Dingen der allgemeinen europäischen Politik häufig gut unterrichtet ist, gibt sogar das Datum der Intervention an: