Nassauische
Allgemeine Zeitung.
^L 31. Mittwoch den 6. Februar 1850.
Zweite Ausgabe.
Uebersicht.
Zeitungsschau.
Wahlen in das Erfurter Bolkshaus.
Betheiligung der Gemeinde bei der Anstellung der Lehrer.
Deutschland. Caub (Die WafferSnoth). — Mainz und Bingen (Der Eisgang). — München (Telegraphische Depesche aus Athen). — Halle (Erfreuliches Wahlergebniß). — Berlin (Die Förmlichkeiten bei Beschwörung der Verfassung. Der Vier-KönigSbund). — Hamburg (Bürgermeister Bartels f). — Wien (Wafferstand der Donau).
Frankreich. Paris (Das Ultimatum der nordischen Mächte an die Schweiz).
Amerika. Neu-Dark (Dampfschiff für den See Titicaca).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Zeitungsschau.
Ueber das erste Resultat des hannoverschen, auf daS Prinzip des Zensus und der Kapazitäten begründeten Wahlmodus für daS Geschwornen-Amt berichtet die Weser-Zeitung:
Dem Gesetze gemäß haben die Bürgervorsteher auS den Listen der sogenannten Kapazitäten, Derer, welche auf einer deutschen Universität ihre Studien gemacht und eine StaatS- oder Doktorprüfung mit Erfolg bestanden haben, und aus den Listen der Höchstbesteuerten Geschworne vorgeschlagen, auS 353 Berechtigten 118. - Unter diesen sind 21 Gelehrte und 87 Höchstbesteuerte; aber auch unter den Höchstbesteuerten sind viele Aerzte, Advokaten und Staatsdiener. Am zahlreichsten vertreten sind Kaufleute, Fabrikanten und Bankiers, weniger die Handwerker, von denen viele an Erfahrung, an Kenntniß öffentlicher Verhältnisse reicher sind, als manche Kaufleute; von ihnen sind nur einige Maurer- und Schlächtermeister auf die Liste gekommen. Mit auf dicken Listen stehen Schatzrath Lang, Hantelmann, aus erster Kammer Haußmann, aus der Reichsversammlung Karl Nicol, zwei ständische Beamte, die Generalsekretäre beider Kammern und Ruma nn. Dann ist die Technik durch den Direktor der polytechnischen Schule, -Kar marsch, vertreten, die Musik durch den Kapellmeister Marschner, die dramatische Kunst durch den Schau- spie.er Devrient.
Damit auch der Glanz der Residenz unter den Geschwornen nicht fehle, sind der Hofkonditor und der Hofputzhändler unter ihnen. Dann noch neun Advokaten außer Hantel- mann und Nicol, sechs Aerzte, zwei Beamte außer Dienst, von denen einer unter Schele wegen mißliebiger Anhänglichkeit an daS Staatsgrundgesetz entlassen war, drei Beamte im Dienst, einer der drei ist der Ministerialreserent Leonhardt, der die Gesetzentwürfe über die Geschworenen mit ausgearbeitet hat, ein Forstrath, ein Eisenbahnbeamter, ein Feldmessen Unter den Höchstbesteucrten sind noch vier Offiziere; ihre Wahl spricht für den richtigen Takt der Bürgervorsteher, die keinen Stand ausschließen wollten, vielmehr anerkannt haben, daß daS Ehrgefühl der Offiziere eine Bürgschaft für ihre Unparteilichkeit alS Geschworene ist, — Der Höchstbesteuerte unter Allen ist
der Graf Schwichelt, er zahlt jährlich 18541/* Thaler. — AuS diesen 118 wählen nun der Präsident und zwei Räthe der Justizkanzlei etwa die Hälfte. Aus allen Geschworenen deS Justizkanzleibezirks werden darauf für die nächsten Assisen 30 Hauptgeschworene und 6 Ergänzungsgeschworene aus- geloost.
Es gibt in Berlin eine große Anzahl von Publizisten auf eigene Kosten. Wir meinen damit diejenigen großmüthigen Politiker, die den Zeitungen nicht bloß ihre Gedanken zum Opfer bringen, sondern auch die Einrückungsgebühren dazu. Einer der öfters wiederkehrenden Namen unter den „Eingesandts" der Voss. Ztg. ist der des Hrn. Dr. Aug. Schubert. Hr. Schubert wird sich freuen, daß wir seiner Thätigkeit mit Aufmerksamkeit gefolgt sind, denn wir bemerken ausdrücklich, daß wir ihn stets das allerkonservativste Clement vertreten sehen. Ob er aber diesem Konservatismus auch in der nachstehenden Anzeige von vorherrschend zusammenraffender Tendenz ganz treu geblieben sey, daS zu beurtheilen überlassen wir dem Leser. Hr. Schubert erläßt nämlich folgende (wörtlich): „Instruktion für die nach Erfurt gehenden Deputirten. Man müßte in der Geschichte sehr unwissend und aller Menschenkenntniß baar und ledig oder auch ein sehr armseliger Träumer seyn, um an daS Bestehen einer andern als rein monarchischen Staats- sorm glauben zu können. ES kann daher nur von der Wiederherstellung derselben (mit berathenden Ständen), als der allein absolut guten, die Rede seyn. Das Fortbestehen der kleinen deutschen Staaten ist schädlich und auf noch lange Zeit eben so unmöglich, als für die Folge daS Fortbestehen der Vereinigten Staaten von Nordamerika, wie jeder Menschenkenner überzeugt seyn muß. Ein verständiger Mann glaubt nun aber für jetzt eben so wenig an die Möglichkeit einer Einheit Deutschlands als an Heren. Jedermann, dessen Blick etwas weiter als bis über den Zaun seines Nachbars reicht, muß indessen doch einsehen, daß Deutschland über kurz und lang nur zwei Herrscher, den König von Preußen und den Kaiser von Oesterreich haben kann. ES ist daher nicht abzusehen, warum das, was doch einmal unvermeidlich ist und außerdem als nützlich anerkannt werden muß, nicht gleich geschehen soll. Man ergreife daher dieses nützliche Unvermeidliche sofort, und theile Deutschland in zwei Theile und zwar so, daß Oesterreich noch das Königreich Bayern erhält, Preußen aber in den Besitz aller übrigen deutschen Länder kommt. Aus diesen werden, wo möglich mit Erhaltung der Namen, preußische Provinzen gebildet, z. B. Provinz Hannover, Hessen, Würtemberg u. s. w. Daß die bisherigen Souveräne dieser Länder abgefunden werden müssen, versteht sich von selbst, so wie auch, daß diese Theilung nur mit Genehmigung Rußlands, daS durch Polen entschädigt und zu- srieden gestellt werden könnte, geschehen kann, denn an der Freundschaft zwischen Preußen, Oesterreich und Rußland ist Alles gelegen. Dr. August Schubert."