mend beschlossenen Zusätzen und Abänderungen vollzogen und deren Publikation durch die Gesetzsammlung angeordnet. Der Schlußbestimmung der Verfassung gemäß, werden wir nunmehr das in derselben vorgeschriebene eidliche Gelöbniß in Gegenwart der vereinigten Kammern ablegen und zugleich den Eid unserer Minister und der Mitglieder beider Kammern entgegennehmen. Zu dieser feierlichen Handlung haben wir den nächsten Mittwoch, den 6. Februar b. I., bestimmt und fordern die Kammern auf, an diesem Tage um 11 Uhr Vormittags zu dem angegebenen Zwecke in unserem Residenzschlosse zu Berlin zusammenzutreten. Gegeben Charlottenburg, den 31. Jan. 1850. (gez.) Friedr ich Wilhelm, (gez.) Graf v. Brandenburg, v. Ladenberg. v. Manteuffel, v. Strotha. v. d. Heydt, v. Rabe. Simons, v. Schleinitz.
Wien, 26. Jan. Der Wanderer bringt folgende Klage über Verletzung deS Briefgeheimnisses: Gestern kam unS ein Schreiben eines unserer Korrespondenten aus Oberösterreich (Wels) erbrochen zu; der Brief trug zwei Siegel, das unsers Korrespondenten und das deS Welser Postamts, welche, wie g.,agt, beide erbrochen waren; auf der Rückseite standen die drei Worte: „Im Sammlungskasten vorgefunden." Auf unsere Anfrage ward unS bei der hiesigen Post bedeutet, die Eröffnung sey durch den Hrn. Kontroleur geschehen, da Briefe in Zeitungssachen offen aufgegeben werden müßten. Hierauf haben wir nur zu bemerken, daß der Brief ohne irgend einen fernern Zusatz unfrankirt direkt an die Redaktion adressirt war und von Zeitungssachen auf der Adresse keine Erwähnung geschah. Das hiesige Postamt hatte also durchaus keinen Grund, dieses Privatschreiben zu eröffnen, und wir' hoffen von demselben über diesen Verstoß baldige Aufklärung zu erhalten.
Wien, 28. Jan. (Ä. A. Z.) Nach den bisher bekannt gewordenen Erhebungen sind es 18 Kanoniere und ein Hauptmann, welche neulich in Folge des heftigen Frostes und fürchterlichen SchneesturmS auf dem Marsche bei Parendorf umgekommen sind. Dreißig andere Soldaten, welche später aufgefunden wurden, befanden sich leider in einem fast hoffnungslosen Zustand. Se. Maj. der Kaiser hat beim Eintreffen dieser Trauerkunde sogleich zwei seiner Aerzte abgesendet, um den Unglücklichen'Hilfe zu leisten.
Wien, 30. Jan. (A. Z.) Ein außerordentlicher Kourier hat gestern von Frankfurt eine sehr wichtige Depesche gebracht, nämlich eine Denkschrift über die allgemeine Lage Deutschlands, mit Bemerkungen über die Reorganisation der Bundesarmee und über daS VertheidigungSsystem gegen Westen. Die Arbeit soll von General Schönhals verfertigt seyn und den Gegenstand der ministeriellen Berathungen bilden.
Frankreich.
Paris, 31. Jan. Horace Vernet war bekanntlich nach Rom gereist, um im Auftrage der Regicrnng Szenen auS der Berennung Roms für die historische Bildergallerie von Versailles zu malen. Nach kurzem Aufenthalte daselbst ist er wieder nach Paris zurückgekehrt, und man erzählt sich nun, daß er sich vergeblich an die römische Polizei gewandt habe, um behufs seiner Studien einige der nach der Besitznahme der Stadt konfiszirten Uniformen der republikanischen Kämpfer zu erhalten, und daß er schließlich sich genöthigt sah, in den Trödel, buden des Ghetto nach den mit dem Blute der Freischärler Garibaldi's, der lombardischen Studenten und der Soldaten der Republik bedeckten Uniformen Jagd anzustellen.
Der Courrier de la Somme , der mit dem Courrier de la Gironde eines der „enfants terribles“ der konservativen Partei ist, bringt folgenden Herzenserguß: Man hat unS eines TageS mit insolenter Offenheit gesagt: „Die Republik als Mittel, der Sozialismus als Zweck! Wir aber sagen: die Republik alS eine gesetzliche und zeitweilige Nothwendigkeit, die Monarchie alS Zweck!"
Man liest in der Basl. Ztg., daß am 19. in Selz 14 Franzosen angekommen waren, die das Unglück gehabt hatten, auf Grund ihrer zu heftigen Betheiligung an der „Durchfüh
rung der deutschen Reichsverfassung" bis jetzt in den Rastatter Kasematten zu schmachten.
Großbritannien.
Der Hafen von Hull ist durch die D e z e m b er stürm e schrecklich heimgesucht worden. Sieben schöne Fischerboote, die vor Weihnachten mit 37 Mann ausgefahren, sind in den Stürmen vor Ende Dezember mit Mann und Maus untergegangen. Die Verunglückten haben 13 Wittwen hinterlassen. Einige Trümmer der Schiffe bringen die Kunde ihres traurigen Schicksals.
Italien.
Mailands 27. Januar. (D. 3D Die bis zur Albernheit leichtgläubigen Pariser unterhalten sich aufs lebhafteste über die beabsichtigte Abtretung der Lombardei an Sardinien. Inzwischen besuchte Radetzky am 27. die Stadt Mailand, hielt in Gegenwart einer „unermeßlich frohen Volksmenge", wie die Mailänder Ztg. im offiziellen Styl sich ausdrückt, eine Musterung über die gesammte Besatzung und besichtigte sodann die Arbeiten an den Forts vor der Stadt, mit deren Fortschritten er sich sehr zufrieden erklärte. Oesterreich befestigt Mailand wahrscheinlich nur, damit Sardinien nach Abtretung der Lombardei im Falle eines Krieges einen neuen tüchtigen Haltpunkt gegen Oesterreich habe!
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Sprechgral für Stadt und Land.
Schluß der Geschichte über die Vertheidigung des Raubmörders Philipp Martin Kopp aus Breithardt.
Wiesbaden, 3. Febr. Der Herr Prokurator v. Schütz hat sich über die in der Ueberschrift bezeichnete Geschichte in Nro. 29. dieser Zeitung abermals verlauten lassen und zwar auf eine Weise, welche die Griechen „âo^«^»?-" nannten. Wenn der Herr v. Schütz am Schluffe seiner Entgegnung nicht gesagt hätte: „dies ist mein letztes Wort in der Sache," und wenn uns nicht das ethische Gefühl, dem selbst in der aufrichtigsten und redlichsten Absicht Angegriffenen daS letzte Wort zu belassen, abhalten müßte, die Historia weiter zu verfolgen; so würben wir die bekannten Worte „qui s'cxcuse, s'accuse“ unter Zugrundlegung der eigenen öffentlichen Erklärungen des Herrn v. Schütz amplifiziren und alsdann mit deponirten Thatsachen nachhelfen.
Eine gleiche Sitte hält uns ab, die weiteren Schlußworte des Herrn v. Schütz, „den übrigen in jenem Artikel auf mich abermals gerichteten Angriffen habe ich nur Verachtung ent- gegenzusetzen", zu demaskiren und den von Hrn.v. Schütz erworbenen Defensor-Hut mit einem aus lieblich duftenden Blumen gewundenen Kranz zu schmücken.
Den geneigten Lesern aber erlauben wir unS am Schluffe auf das Heiligste zu versichern, daß wir in keinerlei Abneigung oder Leidenschaftlichkeit gegen den Herrn v. Schütz berichtet haben, und daß wir uns auch fernerhin stets redlich bestreben werden, immer nur der Sache, niemals aber einer Neigung für, noch weniger aber einer Abneigung gegen die Person bei Lob und Tadel Raum zu geben, und nur dem Recht und der Wahrheit zu dienen. In diesem Dienste werden unS aber auch nicht die Nachspürungen, Anfeindungen und selbst nicht einmal die nachhaltigen Verfolgungen Seitens einflußreicher Personen beirren.
Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.
Die erste Ausgabe des politischen Blattes wird an jedem Werktage, Nachmittags um 3 Uhr, ausgegeben oder kann im Expeditionslokale abgeholt werden.
Die Expedition der Nast. Altg. Zeitung.
Druck und Verlag der L. Schellenberg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,