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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

J£ 2S Montag -en L. Februar 1SSO*

Dritte Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Deutschland. Bingen (Unterstützung der vom Eisgang Beschädigten).

Koblenz (Der Eisgang). Remagen (Unfall). München (Erklärung sämmtlicher Rabbiner Bayerns über den Talmud). Berlin (Das Wahlergebniß. Gerichtliches). Wien (Eugen Sue'S neuester Roman verboten. Die neue Strafprozeßordnung).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Großbritannien. London (Die Schriftsetzer der Londoner Zeitungen). Türkei. (Die goldene Schnupftabacksdose des Hrn. v. Stürmer).

Zeitungsschau.

DieEingesandts" der Berliner Voss. Zeitung beschäftigen sich lebhaft mit den Wahlen für Erfurt. Der Vorschlag, Männer wie Gagern, Beseler und andere FrankfurterKory­phäen" auf die Wahlliste Berlins zu setzen, daS widersteht dem altbrandenburgischen Gefühle." Ja sogar gegen die Absicht überhaupterclusiv Deutschgesinnte" nach Erfurt zu senden, spricht sich heute ein ungenannter Vertreter deS royalistischen PreußenthumS mit mehr Bitterkeit als Verstand auS, denn von den Gotha-Frankfurtern haben wir nur ein neues Schema Kleindeutschlands zu erwarten." Das Großdeulschthum sucht also selbst in Berlin Boden zu fassen. Zugleich belehrt unS dieser Aufsatz über die Ursachen, an welchen daS Frankfurter Werk gescheitert ist:An zweierlei ist die Frankfurter Verfas­sung zu Grunde gegangen, an dem Demokratischen ihrer Re- gierungSform und an ihrem wilden UnitarismuS. (?) Welches die Hauptursache des Todes gewesen, darüber zu streiten, ist müßig: nur daS muß hervorgehoben werden, daß bei einer nicht so unitarischen, die Individualitäten und Rechte der ein­zelnen Staaten mehr respektirenden Gestalt der Bundesregie­rung daS demokratische Prinzip von selbst 'ausgeschlossen ge­wesen wäre, so daß also jener übertriebene UnitariSmuS die Wurzel alles Uebels gewesen ist."

Deutschland.

Bingen, 1. Febr. So eben geht ein Wagen voll Lebens­mittel von hier ab zur Unterstützung dec durch den Eisgang obdachlos gewordenen Einwohner von Niederheimbach.

Koblenz, 31. Jan. Nachdem gestern abermals eine Strecke der von St. Goar oberhalb feststehenden Eisdecke des Rheins, welche sich in Bewegung gesetzt hatte, hier vorbei- getrieden war, so daß die Kommunikation zwischen den beider­seitigen Rheinufern unterbrochen wurde, haben sich die EiS- maffen in Folge des niederen Wasserstandes unterhalb Ober­wesel wieder festgesetzt. Durch diese Stockung stehen die Orte Oberwesel, Bacharach und Trechlinghausen, sowie eine große

Strecke der dortigen Landstraße tief unter Wasser, wodurch seit gestern die Frankfurter Posten uns sämmtlich fehlen. Vor­gestern wurden zwei große Wölfe hier cingebracht, welche in der Gegend des 3 Stunden von hier landeinwärts gelegenen Städtchens Mayen geschossen worden sind.

Remagen, 31. Jan. Die von Koblenz nach Linz fahrende Personenpost hatte gestern Abends zwischen Wallerhof und Linz daS Unglück, an einer Stelle, wo das Geländer in schlechtem Zustande sich befand, durch daS bedeutende Glatteis von der Straße abzugleiten und in den Rhein zu stürzen. Der Postillion und drei Reisende haben sich gerettet; der Wa­gen aber hat nebst den Pferden und den Postgütern bei dem starken Eisgange trotz der größten Anstrengungen nicht ge­rettet werden können und ist bis jetzt noch nicht zum Vorscheine gekommen. (K. Z.)

München, 30. Jan. DerNürnb. Correspondent" ent­hält folgende Erklärung der sämmtlichen Rabbiner in Bayern über den Talmud:

Bekanntlich wurde während der Debatte über die Eman­zipation der Juden in der Kammer der Abgeordneten, in der Sitzung vom 13. Dezember, eine Erklärung des Rabbiners Aub dahier bezüglich des Talmud verlesen, deren Schlußstelle lautete:Indessen da nach dem leider bei der in Rede stehen­den Debatte so vielfach Gehörten ein so großes Mißtrauen gegen uns Juden und unsere Sittenlehre selbst bei den vielseitig gebildeten Theologen noch besteht, so erkläre ich hiermit im Namen aller Rabbiner und aller Juden des deutschen Vaterlandes aus daS feierlichste, daß wir jede in Beziehung der Sittlichkeit zweideutige Stelle im Tal­mud oder in den spätern hebräischen Schriften, die von einem einzelnen Rabbi oder von mehreren Rabbinern auSging, nicht nur als nicht verbindlich erachten, sondern selbe ein für alle­mal verwerfen." Sämmtliche Rabbiner Bayerns wurden von Hrn. Rabbiner Aub ausgefordert, seiner Erklärung beizutreten. Bereits haben von den 41 Rabbinern 40 ihre deSfallsige Erklä­rung eingesendet, 31 derselben sind der Erklärung deS Herrn Aub unbedingt beigetreten, 9 Rabbiner streng orthodorer Rich­tung traten der Erklärung im Wesen bei, hätten aber eine andere Fassung derselben gewünscht, indem nach ihrer Ansicht sich im Talmud gar keine zweideutige Stelle befinde, und er­boten sich, auf jeden hierauf bezüglichen Angriff die genügendste Antwort zu geben. Sämmtliche, größtentheils trefflich moti- virte Erklärungen werden der Kammer der Reichsräthe einge, reicht werden. Dem bekannten Antrag des Herrn Abgeordne­ten Dr. Sepp, vor der Entscheidung der Emanzipationsfrage einen Sanhedrin zu berufen, dürfte dem Zwecke nach durch obige Erklärung entsprochen seyn freilich ohne das Resultat ergeben zu haben, welches Herr Dr. Sepp und seine Gesin- nungSgenossen gewünscht haben mögen.

Berlin, 31. Jan. Die Abendblätter verkünden daS unS bereits telegraphisch angemeldete Wahlergebniß. Die, Aufzäh­lung der Namen: Brandenburg, Manteuffel, Bodelschwingh, Bülow macht die Bemerkung überflüssig, daß die Regierungs­partei in allen vier Wahlkreisen der Hauptstadt den vollstän-