bezeugen wird) ; nur in einer einzigen derselben ist von Reichs, tagdfanbibaten die Rede, nämlich in bem Berich te über die Versammlung in Limburg, aber auch hier sind nur Thatsachen referirt und' es ist keine Empfehlung Seitens des hiesigen Wahlkomite'S darin zu finden. Warum in diesem Berichte Herr Vollpracht nicht als Kandidat genannt worden ist, ist unseres Erachtens durch unsere Einsendung in Nr. 25. dieses Blattes genügend erklärt.
WaS nun den Artikel „aus dem Rheingau" betrifft, so brauchen wir sicherlich nicht das Wahlkomite gegen den Verdacht in Schutz zu nehmen, als habe dasselbe irgend einen Theil daran. Wenn das Wahlkomite die Kandidatur des Herrn Voll Pracht zu bekämpfen gewillt gewesen wäre, so würde es dies offen und nicht unter fremder Maske gethan haben. Den Inhalt jenes Artikels kann Niemand mehr bedauern und, was namentlich die Hindeulungen auf die er- wâhnten Privatverhältnisse betrifft, mißbilligen, als wir. Insbesondere aber haben wir bedauert, daß gerade die Freunde des Herrn Vollpracht dadurch, daß sie die Kandidatur desselben so dringend und in einer solchen Weise empfehlen, wie sie die bekannte Bescheidenheit des Herrn Vollpracht sicherlich am wenigsten billigen würde, die Veranlassung, (wohlverstanden — wir sagen nicht „die Berechtigung," sondern „die Veranlassung") zu solchem Angriffe gegeben haben.
Dem Verfasser deS Artikels „auS dem Rheingau" nachzuspüren , ist unsere Sache nicht. Der Herr Einsender im Sprechfaule glaubt besser unterrichtet zu seyn. Dann begreifen wir aber nicht, was es mit „der Selbstsucht eines Wahl- getriebeS, in der Furcht, von einem wirklich Würdigeren auö dem Sattel gehoben zu werden" — sagen will. Hr. Vollpracht hatte in bem Wahlbezirk, für welchen ihn seine Freunde vorschlugen, immer zwei Konkurrenten, die Herren Heydenreich und Wirth. Ohne von diesen beauftragt zu seyn, halten wir uns doch für berechtigt, die Verdächtigung, als ob diese Herren vergleichen Mittel anwendeten, um einen Gegenkandidaten zu beseitigen, aus voller Ueberzeugung zulückzuweisen.
cf Wiesbaden, 1. Februar. Da in der Nass. Allg. Ztg. letzihin mehrmals von der Revision der Gebührenordnung für unsere Mevizinalbeamten die Rede war, so dürfte es den Lesern nicht uninteressant seyn, eine Vergleichung der nassauischen Gebührenordnung vom 26. Mai 1818 mit derjenigen unseres Nachbarstaates Frankfurt vom 22. Juli 1817 nach folgenden Notizen, die mir eben zur Hand sind, anstellen zu können.
Nassauische Taxe: Frankfurter Taxe:
für den ersten Krankenbesuch bei Wohlhabenden .....— st. 14 kr. 54 kr. bis 1 ff. 40 kr. für jeden folgenden ... — „ 8 „ 30 „ — 1 „ — „ für eine schriftliche Krank- heitsgeschichte ....—„ 30 „ 3 ff. 45 „ — 8 „ — „ für eine Entbindung selbst
bei unregelmäßigen Geburten ......— „ 30 „ 3 „ 30 „ — 20 „ — „ für eine chirurgische Ope
ration ......— „ 30 „ 5 „ — „ — 85 „ 45 „
(nämlich bei dem Steinschnitt), für eine Sektion auf Requi-
fition der Behörde nebst
dem Obduktionsbericht . 3 „ — „ 7 ff. 55 kr. ic.
** Lorch, 31. Januar. Von hier ist nur Trauriges zu melben. Durch die bisherigen partiellen Eisgänge hat sich das Eis unterhalb Caub so aufgepoltert, daß es einen Eisdamm durch den Rhein bildet, wodurch daS Wasser gestern morgen um 5 Uhr plötzlich zu einer seit Menschengedenken nicht erlebten Höhe getrieben wurde. Alle Gebäude im niedern Theile Lorchs am Rhein und der Wisper stehen im Wasser, zum Theil bis ans Dach, und es mußten viele nicht haltbare Häuser verlassen werden. Viele Lebensmittel und Geräthe konnten nicht gerettet werden. Kein Menschenleben ging, Gott sey Dank! verloren. Der Fürsorge edler Menschenfreunde gelang es mit Aufopferung viele Bedrohte zu retten. Der Anblick der mit EiSmassen umlagerten Wohnungen ist schrecklich und der Jammer der Nothleidenden in diesen harten Wintertagen Herz, zerreißend.
Mögen mitfühlende Herzen der Unglücklichen sich annehmen! die Noth wächst stündlich.
L Vom Elbbache, 29. Jan. In Nr. 21 der Nass. Allg. Ztg. gefällt sich unser Gegner von der Lahn her in seinem Ausfälle gegen die Nordbahn zu sehr unter der Maske der Satyre, als daß wir ihn um diese Glückslaune beneiden möchten.
Hätte der „Herr von der Lahn" den Fehdehandschuh am rechten Flecke erfaßt; so würde er durch positive Data zu beweisen gewußt haben: daß die Lahnbahn keine Rumpfbahn sey. Statt dessen aber wird das Gegentheil mit der großartigen Emphase zugegeben: daß die Dampfschiffe diese Lücke ausfüllen und Preußen die Verbindung zwischen Bonn und Koblenz ausführen könne. Woher weiß denn der Herr Verfasser jenes Artikels dieses Alles so zuversichtlich, oder steht vielleicht Preußen sogar unter seiner Allmacht? Preußen trägt dieselben Verpflichtungen für Köln, wie für Koblenz, und Nassau dieselben Verpflichtungen für den Westerwald und den Taunus, wie für die Lahngegend und zwar im größeren Maßstabe, oder verdient wohl das Gesammtinteresse weniger Berücksichtigung, als daS Sonderinteresse, die Lahn von Lahnstein bis Weilburg mehr, als beinahe daS ganze Herzogthum?
Am Hafen zu Biebrich ist auch die Lücke zwischen Bonn und Mainz durch die Dampfschiffe ausgefüllt, aber wie steht es gegenwärtig dort mit der Kommunikation? Die Biebricher Zweigbahn ist daS im Kleinen, was die Lahnbahn im Großen leyn wird. Die von Bornscheuer auf sichere Nachweise basir- ten Berechnungen deS Transports betreffend, so sind uns diese vorläufig weit zuverlässiger als die problematischen Verheißungen auf der Lahnroute. Wir empfehlen dem Herrn Lahnkor- responventen jenes Merkchen zur ernsten Stunde, um zugleich zur Ueberzeugung zu gelangen, daß dort daS Problem der Lahnbahn eine wahre Chimäre genannt ist.
Ob 10 Millionen oder 20 Millionen! daS ist bei einem großartigen Unternehmen keine Differenz, auf welche Weise ein solches Unternehmen einem ganzen Lande, nicht aber einem einzelnen Distrikte, der ja die schiffbare Lahn schon zum Transporte besitzt, zum Vortheile gereichen wird, das ist die Frage?
Die Lahn mag so manchen Menschen jährlich verschlingen, sie wird aber, wenn ihr die Eisenbahn zur Seite folgt, den Erwerb der größeren Theile deS Herzogthums schmälern, und am Ende wäre es denn eins, ob die Leute am Proletariate sterben, oder ob man sie der Lahn zum Opfer bringt.
Mainz, 1. Febr. (Darmst. Z.) Eines so lang anhaltenden Eisganges wie derselbe diesen Winter auf dem Rheine stattfindet, können sich kaum die ältesten Leute erinnern. Ununterbrochen treiben täglich die größten Eismassen sowohl auS dem Maine als vom Oberrheine kommend zu Thal, und während heute die Kommunikation mit dem rechten Ufer nui geringen Schwierigkeiten unterworfen, ist dieselbe am anderen Morgen schon in Folge des Treibeises kaum möglich. Bei der fast täglich wechselnden Witterung ist an ein Feststellen deS Eises natürlich nicht zu denken, aber der dem Thauwetter bis jetzt stets unmittelbar folgende scharfe Frost verhindert auch, daß der Rhein seine User überschreitet, was vorgestern jed« Stunde zu befüchten war. Seitdem ist daS Wasser um zwei Fuß gefallen und heute Morgen betrug die Rheinhöhe am Brückenthore 9 Fuß.
Frankfurt, 1. Febr. (Telegraphische Depesche de, vereinigten Frankfurter Blätter.) Berlin, 1. Febr., 11 Uhr Vormittags. Durch königliche Botjchaft wurde heute den Kammern eröffnet, daß die Verfassung Mittwoch den 6. b. M. um 11 Uhr im Schlosse zu Berlin beschworen wer, den wird. Ein Gesetz über Fideikommisse bleibt vor behalten.
Bingen, 30. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Da durch daS vorletzte Thauwetter bie Weinberge alles schützenden Schnees beraubt wurden, so haben dieselben durch die gleich darauf eingefallene strenge Kälte nach dem Urtheil sachverständiger Leute bedeutend gelitten.
Köln, 31. Jan. (K. Z.) Heute Vormittags fand hier die Wahl eines Abgeordneten zum Volkshause des deutschen Parlaments für den XL rheinischen Wahlkreis (Stadtkreis Köln und Bürgermeisterei Deutz) Statt. Von den gewählten 170 Wahlmännern hatten sich 159 eingefunden, und es wurde gewählt Staats-Minister Ludolf Camphausen mit 110 Stimmen. Heinrich v. Gagern erhielt 26, Appellations-Ge- richtsrath Aug. Reichensperger 22 Stimmen, Heinrich v. Wittgenstein 1 Stimme.
Durch den elektrischen Telegraphen erfahren wir so daß in Aachen für den XVI. Wahlkreis (Stadt- und SL , Aachen) der Regierungs-Präsident K ühl w c t t e r; >