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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

^ 28.

Samstag den 2. Februar

1850»

Die Raff. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige PrLnume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßkerzogthumS und Kurfürstentums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt T fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen Verwaltungsgebietes 8 fl. io fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen» terg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Deutschland. Caub (Der Eisgang). Von der Aar (Die Frohn- dienste der Schullehrer). Koblenz (Die Wölfe). Mannheim (Staatsrath Bekk). Be rlin (Die Verfassung soll vom Könige be­schworen werden. Die Verhandlungen der ersten Kammer). Wien (Verschönerung der Akademie der Wissenschaften. Die Stockprügel in Padua).

Frankreich. Paris (Vermischtes).

Amerika. Neu-Jork (Aus Kalifornien).

Nachschrift.

Sprechsaal für Stadt und Land.

Die Afsifenverhandlnngen zu Wiesbaden.

Zur Geschichte der Vertheidigung des Raubmörders Philipp Marlin Kopp aus Breitharvt.

*** Wiesbaden, 1. Februar. In unserem Berichte vom 30. v. M. in Nr. 26 dieses Blattes über die Anklage gegen den Raubmörder Kopp haben wir allerdings eine Bearbeitung deS Angeklagten zur Zurücknahme seines in der Vorunter­suchung abgelegten Eingeständnisses angedeutet , jedoch aus­drücklich bemerkt, daß wir der Zwischenverhandlung darüber in der Assise nicht beigewohnt hätten. Unsere Andeutung stützte sich ans die Mittheilungen mehrerer bei diesem Zwischenfall gegenwärtig gewesenen Justizbeamten. Der Herr Prokurator v. Schütz hat sich in Nr. 27 dieser Zeitung »ermäßiget ge­sehen, diese Andeutung eineVerdächtigung" zu nennen und gesagter halte es unter seiner Würde, ein Wort darauf zu erwiedern." Was Herr v. Schütz zu thun und zu unterlas­sen sür gut findet, das ist seine Sache. Unsere Sache aber ist es, da wir uns nun einmal auf die theilweise Relation der Asstsenverhandlüngen und die Kritik der dabei wahrgenom­menen Leistungen nach dem geringen Maaße unserer Zeit und Kräfte eingelassen haben ungescheut das zu tadeln und zu rügen, was wir für das bei uns noch neue und zarte Insti­tut der Jury für schädlich und verderblich halten, da aber auch anerkennend und aufmunlernd zu verfahren, wo die Leistungen dem, was man billiger Weise bei unS jetzt schon verlangen kann, entsprechen oder erfreulicher Weise noch darüber hinaus gehen.

Mit dem Zwischenfall verhält es sich übrigens nach den uns gewordenen Mittheilungen also:

Als Kopp bei seinem Verhör in der öffentlichen Sitzung sein in der Voruntersuchung abgelegtes- qualifizirtes Geständniß zurücknahm, trug der Herr Staatsprokurator Reichmann darauf an, den Herrn Kriminalrichter Zinn, welcher die Vor­untersuchung geführt hatte, und den Gefangenwärter An­dreas über den allenfallsigcn Grund der Zurücknahme zu vernehmen. Der Herr Assisenpräsident Trepka, von sei­ner diskretionären Gewalt Gebrauch machend, ließ beide vor die Schranken des Gerichts zitiren und vernahm sie. AuS den Deposilionen Beider ging hervor, daß mit Kopp, seitdem Herr Prokurator v. Schütz am 20. l. M. bei ihm in seiner Zelle

gewesen war, eine bedeutende Veränderung vorgegangen war. Namentlich hat Andreas angegeben: daß alsbald nach der Entfernung des Herrn ».Schütz aus dem GefangenhauS Kopp ihm auf seine Frage, warum er denn auf einmal so munter sey, gesagt habe:sie mögen machen mit mir, was sie wollen; sie mögen mir so viele Zeugen bringen, als sie wollen, es hat es doch Keiner gesehen; ich sage nur ja und nein."

Als nach der Deposition des Hrn. Kriminalrichlers Zinn über seine Wahrnehmungen bezüglich der auffallenden Verân, derungen an Kopp Herr Prokurator v. Schütz erklärte, er habe den Kopp nur zum Widerrufe seines in der Vorunter, suchung erzählten MâhrchenS von der mystischen Person, die ihn zur That gezwungen habe, aufgefordert, deponirte Herr Zinn weiter:

So eben hat mir noch der Herr Vertheidiger die Mit, theilung gemacht, daß er seinen Klienten zur Zurücknahme seines Geständnisses veranlaßt habe."

Sodann zu Herrn v. Schütz sich wendend:

Zinn: Ist eS nicht so?

v. Schütz: Ja!

Der Herr Staatsprokurator Reichmann ließ von den Deposilionen des Hrn. Zinn und des Andreas Akl nehmen. Wie wir hören, soll die Staatsbehörde dies Protokoll und viel, leicht auch etwaige spätere Eröffnungen deS Raubmörders Kopp, welche solcher über die Art und Weise, wie er die Zurücknahme seines Geständnisses mit übler Behandlung in der Voruntersuchung beschönigen möge, gemacht haben dürfte, der zuständigen Gerichtsbehörde zum geeigneten Vorschreiten auf dem Disziplinarwege mittheilen wollen.

Ob nun hierdurch unsere erwähnte Andeutung eine Ver­dächtigung genannt werden kann, das müssen wir freilich dem gesunden Urtheile des Publikums überlassen.

Wir halten den Stand der Vertheidiger für einen der achtungswürdigsten, die es nur im menschlichen Leben geben kann, und es für die Pflicht eines Vertheidigers, alle mit der Würde desselben vereinbare Mittel zum Schutze des Angeklag« tcn anzuwenden. Eitelkeit dürfen ihn jedoch nie verleiten, Mittel anzuwenven, welche ein zartes, noch in seiner Ent« Wickelung begriffenes Institut gefährden können. In dieser Beziehung hat es uns tief geschmerzt, als wir von einem sehr achtbaren Justizbeamten vernahmen: ein sehr braver Bürger, meister auS dem Justizamte Wehen habe nach dem gedachten Zwischenfall zu ihm gesagt: Herr, das sind keine Assisenver, Handlungen, das sind Assisenhändel! Dixi et salvavi ani- mam meam !

Deutschland.

§ Caub, 30. Jan. Seit heute Morgen fünf Uhr ist daS Rheinwasser im Wachsen. AlleS ist auf den Beinen die Habe dem furchtbaren Elemente zu entreißen und in Sicherheit zu bringen, indem nach den Aussagen älterer erfahrener Leute der jetzige Wasserstand jenen von 1813, bis hierhin der höchste, übertreffe. Schon am vorigen Sonntage, am 27. d. M., hatte sich das Eis im Rheine, vom Lorlci aufwärts, gestellt und daS Schwellwasser war dahier in mehrere Häuser vor dem soge-