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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 28 Donnerstag den 31» Januar 1850»

Zweite Ausgabe.

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Uebersicht.

Zeitungsschau.

Die entscheidende Berathung über die Verfassungsvorlage.

Deutschland. Dillenburg (Strafurtheile. Die Kälte). Kvb len z (Das RheineiS. Nordlicht. Transport verurtheilter Freischärler). Aachen (Verschüttung einer Kohlengrube). Darmstadt (Ein weib­licher Freischärler). Heidelberg (Die Verhaftung Winters). Magdeburg (Politischer Prozeß). Berlin (Straferlaß. Die hohenzollern'schen Fürstentümer). Wi en (Vermischtes). Gratz (Der Einzug des Erzherzogs Johann).

Frankreich. Paris (Guizots Einleitung zur Geschichte der englischen Revolution. Vermischtes).

Italien. R o m (Die Rückkehr des Papstes), Großbritannien. London (Elektrischer Telegraph zwischen London und Neu-Bork).

Zeitungsfchau

DerDarmstädter Zeitung" wird aus Gießen geschrie­ben : Wer eS unternehmen wollte, den Werth des Geschwor­neninstituts einer scharfen Kritik zu unterwerfen, fände reichen Stoff in den Verhandlungen, welche in den letzten Quartalen staltgefunden haben. Oeffentlichkeir, die Unmittelbarfeit , die Staatsanwaltschaft haben sich, wie überall, glänzend bewährt, keineswegs aber die Jury, und am wenigsten in politischen Prozessen. Die dießmalige Session ist ausgezeichnet a) durch eine unter der diskretionären Macht des Regicrungsbirigenten zu Stande gebrachte Dienstliste solcher Geschwornen, welche weder der Demokratie angehören, noch sich als Organ derselben benutzen lassen, b) durch eine Staatsanwalt­schaft, welche mit Schärfe und Gewandtheit ihre Stellung behauptet, c) durch mehrere Vertheidiger, welche ihre Aufgabe begreifen und die dazu nothwendige Rednergabe be­sitzen , allein sie liefert auf der andern Seite wieder Be­weismittel genug a) daß die Geschwornen , auch bei dem red­lichsten Willen, Urtheile fällen, welche mit Thatsachen und Gesetz nicht vereinbar sind und die Verlegenheit derselben groß werden müßte, wenn sie verpflichtet wären, EntscheibungS, Gründe zu liefern. Es ist ein Fall vorgekommen, daß die Beantwortung einer Frage so fehlerhaft war, daß der Assilen- Hof wegen einer Majestätsbeleidigung freisprechen mußte, wäh­rend die Geschwornen eine Verurtheilung erwarteten, im an­dern Falle wegen Körperverletzung, in welchem einNicht­schuldig" erschien, obwohl Jedermann, darunter der Angeklagte selbst, unter mildernden Umständen einSchuldig" erwartete. Eine andere Wahrnehmung ist b) die sichtliche Langeweile, welche die Anwesenden ergreift in Folge der Masse von For­malien , der Rekapitulationen und eines nochmals reproduzi- renden Resumc, verbunden mit Gegenständen von ganz unter­geordnetem öffentlichem Interesse, so daß auch die Bänke der Zuhörer meist leer sind; ferner c) die fortlaufenden Beeidigun­gen der Geschwornen , welche dem deutschen Begriffe von der Heiligkeit deS Eides widerstreiten; d) die bedauernswerthe Lage der vier Richter des Assisenhofes, welche, ausgeschlossen

von jeder Mitwirkung, Wochen lang zu sitzen haben, ohne ein Zeichen geben zu dürfen, welche Pein oft auf ihnen liegt, wenn die Verhandlungen sich stets im Kreise bewegen. ES ist daher einleuchtend, wenn bei Richtern, Geschwornen und dem einsichtsvollen Publikum der Wunsch nach einer Umgestaltung dieses Verfahrens laut geworden ist und man von der Weisheit unserer Staatsregierung baldige und durch­greifende Hilfe erwartet.

Der offiziellenHann o v ersche n Zeitung" wird von Frankfurt gemeldet: Die Periode des Zauderns und Zuwar, tcns von Seiten Oesterreichs naht sich ihrem Ende Man hat hier mit großer Freude wahrgenommen, mit welcher Zuvor­kommenheit Erzherzog Johann in Wien behandelt wird und wie sich sein Aufeuthalt dort über Vermuthen verlängert; wer die Ansichten deS edlen Erzherzogs in Bezug auf die deutsche Frage kennt und seinen Verdruß über das lange Zögern, wo­mit man in Wien die Lösung derselben hinausschob, der ist zu dem Schlüsse berechtigt, daß der Erzherzog keine 24 Stunden in Wien geblieben wäre, wenn er den Boden für seine Wünsche dort völlig unfruchtbar gefunden hätte. In der That soll auch Oesterreich, wie von verschiedenen Seiten her versichert wird, auf eine Volksvertretung für ganz Deutschland eingegangen seyn und nur noch über die von den einzelnen Ländern zu wählende Zahl von Abgeordneten mit Bayern, Würtemberg u. s. w. in Unterhandlung stehen. Dieser Punkt möchte zu den allerschwierigsten gehören, seitdem Preußen durch daS Hereinziehen seiner früher nicht zum deutschen Bunde gehörigen Lande das normale Stimmen- und damit auch daS gegenseitige Machtverhältniß zu alteriren, unternommen hat. Soll Oester­reich nicht in Nachtheil kommen, so müßten Ost-, Westpreußen und Posen wieder aus dem engern Bunde scheiden, oder eS müßte Oesterreich verstattet werden, ebenfalls einen Theil seiner nicht zum alten Bunde gehörigen Lande beizubringen, oder endlich man müßte von dem Prinzipe der Abstimmung nach Kopfzahl abgehen und am allgemeinen Reichstage Stammcs- oder Landesausschüsse bilden und diese zur Grundlage der Stimmgebung machen, so daß jeder Ausschuß für sich eine Einheit bildete und die Anzahl von dessen einzelnen Mitglie­dern weiter nicht in Betracht käme. Blos auf einem dieser drei Wege möchte die so tief verwickelte Frage einer allgemeinen deutschen Volksvertretung ihre Erledigung finden können; eine hoffentlich nahe Zukunft wird entscheiden, welcher von denselben gewählt wurde.

Die Weserzeitung rekapitulirt in ihrer neuesten Nummer die Vorgänge der letzten Zeit und stellt zur Wahrung der kleineren Staaten von der Gefahr, preußische Unterthanen zu werden, die Bedingungtransitorische Bestimmungen", welche so lange gelten sollen, als die vier Königreiche sich von dem Reiche" dauernd fern halten.Wenn aber Preußen, schließt sie, den von den kleineren Staaten beantragten transitorischen Bestimmungen seine Zustimmung verweigert? so hören