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Die heutigen öffentlichen Verhandlungen, namentlich auch das allerdings sehr schwierige Verhör mit dem Angeklagten werden wir noch näher besprechen.

Deutschland,

Magdeburg, 21. Januar. (K. Z.) In der diesmaligen Schwurgerichtsperiode bilden fast nur Anklagen wegen Maje­stäts-Beleidigung den Gegenstand der Verhandlungen. Am 17. Jan. stand ein Mann vor den Schranken, welcher im De­zember 1848 in einer Gaststube auf die von dem Könige am 11. Nov. desselben Jahres an sein Volk erlassene Proklamation, Lie dort öffentlich aushing, mehrere Schmähungen geschrieben haben sollte. Unter der Versicherung des Königs, daß er es mit den im März gegebenen Verheißungen aufrichtig meine, daß er sie erfüllen werde, und daß sein Volk sich nicht durch böswillige Vorspiegelungen von dem Glauben an die Heilig­keit jener Versprechungen abbringen lassen möchte, haben die Worte gestanden:Wir glauben, waS wir sehen, nicht glatten Redensarten!" Bei anderen Stellen Aehnliches. Der Ange­klagte wurde freigesprochen. In der Schwurgerichtö-Sitzung des folgenden Tages lag eine ähnliche Anklage vor, die aber zu einem entgegengesetzten Resultate führte, indem der Ver­klagte wegen pöbelhafter Schmähungen auf den König zur Gefängnißstrafe verurtheilt wurde.

Berlin, 22. Jan. (K. Z.) Die wirr durch einander gehen­den Hoffnungen und Befürchtungen aller Parteien beginnen seit heule einer Gewißheit Platz zu machen, welche alle Frak, tionen der konstitutionellen Partei eine traurige nennen müssen, gleichviel, ob sie zu den Alt-Liberalen gehören, oder wirklich auch in der Auffassung des inneren Staatsrechtes, und nicht blos in der deutschen Sache, dem Ministerium entschieden an­hangen. Jeder Versuch einer Transaktion ist, wie jetzt zweifel­los feststeht, gescheitert, seitdem Herr v. Radowitz welchen das Ministerium, wie man lagt, durch den Telegraphen her­beigerufen hatte, und auf dessen bekannten persönlichen Einfluß bei Sr. Majestät man die letzten Hoffnungen gesetzt hatte nicht im Stande war, auch nur die kleinste Konzession in Be­treff des Art. 108 zu erringen. Unter diesen Umständen ist die Verwerfung der königlichen Vorlagen durch die Kammern unvermeidlich, und mit dieser auch ver Rücktritt des ganzen Kabinets. Der Tag der Abstimmung, also Freitag oder Samstag, ist der letzte Tag des Ministeriums Bran- denburg-Mante ufsel, welches, wie ich Ihnen aus bf» achtenswerther Quelle versichern kann, in seiner Totalität den politischen Schauplatz verlassen und nicht etwa, wie man hier seit einigen Tagen in verschiedenen Kreisen erzählt, sich nur modifiziren wird So viel ist gewiß, daß Herr von Radowitz, wie man behauptete, den Auftrag zur Bildung eines Kabinets nicht annehmen und daß Herr v. Kleist-Reetzow in allen Fällen Mitglied desselben seyn wird.

Berlin, 23. Jan. (D. Z.) In der gestrigen Versamm­lung der Partei Beckerath-Auerswald brachten Hr. Schimmel und Hr. v. Viebahn Vermittlungsvorschläge ein. Es wurde indessen beschlossen, Lie Besprechung nur solcher Abänderungs­anträge zuzulassen, deren Annahme Seitens der Regierung den Antragstellern verbürgt worden, ferner denjenigen als die Fraktion verlassend und austretend zu betrachten, welcher einen Antrag in die Kammer brächte, der nicht von der Mehrheit in der Parteiversammlung gebilligt sey. Darauf traten zwei Mitglieder aus.

Berlin, 24. Jan., 6 Uhr Abends. (K. Z.) (Durch den elektrischen Telegraphen). Nach den bis jetzt bekannten Resul­taten der hiesigen Wahlen von Wahlmännern in Betreff des deutschen Volkshauses überwiegen die Zweifelhaften sowohl die Anhänger, als die Gegner einer sofortigen Annahme des ReichS- Verfaffungsentwurfs.

Wien. Der Breslauer Zeitung wird Mittheilung gemacht über eine dreistündige Besprechung, welche jüngst der Erz­herzog Johann mit dem Kaiser hatte. Der ehemalige Reichsverweser, behauptet der Korrespondent, legte dem Kaiser die bedenkliche Lage Deutschlands auf Las wärmste ans Herz und . wies mit Ernst darauf hin, wie viel für Oesterreich in diesem welthistorischen Augenblicke auf dem Spiele stehe, wenn es Preußen gelingen sollte, die herrschende Macht in Deutsch­

land zu werden. Sein kaiserlicher Neffe sey ein Jüngling ohne Vergangenheit, dem es deßhalb leichter sey, eine große Zukunft zu gewinnen, als dem König, oder dem Prinzen von Preußen. Was diese jedoch stark und gefährlich mache, sey nicht ihre individuelle Kraft, sondern ihre Jdentifizi- rung mit den Grundideen und Hauptbestrebungen der deut­schen Nation, welche vor Allem auf innere Einheit und Gel­tung nach außen gerichtet sind und durchaus nicht mit den Extravaganzen der Republikaner vermengt werden dürfen, die bei starker Organisation des Reichs ohne fremde Hülfe ganz ungefährlich erscheinen. Es steht dahin, welchen Einfluß die ernsten Rathschläge des greisen Prinzen auf das jugendliche Gemüth des Monarchen und den Sinn der Räthe der Krone ausüben werden, jedensells hegt der Kaiser eine tiefe Verehrung gegen seinen Oheim, indem er den langgehegten Wunsch dessel­ben erfüllte und die Baronin Brandhof zur Gräfin v. Meran erhob, obschon diese Standeserhebung einer bürgerlicheü Person zum Freiherrn- oder Grafenstand ganz gegen die Ueberlieferung der Adelskaste läuft, da bisher der Bürgerliche wohl baronisirl werden konnte, die Vergräflichung jedoch erst den Sprossen deS also Geadelten zu Theil werden konnte. Die Aristokratie hielt mit Strenge auf diese Observanz, und weder die Millionen eines Rothschild oder Sina, noch die strahlendsten Verdienste um den Staat hatten bisjetzt die eiserne Schranke derselbeu zerbrechen können, weßhalb dieser Fall in den adelsstolzen Krei­sen keine geringe Bestürzung hervorgerufen.

Italien.

Rom, 7. Jan. Die Münzsammlung des vatika, nischen Museums, die schon im Jahre 1797 durch die Franzosen beträchtlich geschmälert wurde, die einen Theil der Münzen nach Paris mitnahmen, während ein anderer unter den diebischen Händen der Kommissarien verschwand, ist neuer­dings wieder sehr beraubt worden. Beim Regierungsantritt Pius IX. gelang eS einem jungen Manne, Demetrio Diamilla, sich in die persönliche Gunst desselben einzuschmeichcln und da­durch eine Anstellung als Scrittore der vatikanischen Bibliothek, namentlich für das numismatische Fach zu erlangen. Von den obern Beamten Ler Bibliothek ward ihm aller mögliche Vor­schub geleistet, und Mißtrauen wurde wegen der besagten per­sönlichen Gunst des Pabstes nicht rege. ' Erst durch einen be­leidigten Kunsthändler verbreiteten sich üble Gerüchte über Diamilla, die sich jedoch bei einer freilich oberflächlichen Unter­suchung nicht als faktisch erwiesen. Dennoch verstummten sie nicht. Unterdessen hatte die römische Republik ihr Ende er­reicht. Der Die'b, welcher, wie es scheint, auf eine Plünde­rung des Vatikans durch dieselbe gerechnet hatte, sah sich betrogen und mußte die nahe Entdeckung seines Verbrechens voraussehen. Aus diesem Grunde ging er plötzlich von der konservativen zur radikalen Partei über, um erilirt zu werden. Doch eS war zu spät; er ward verhaftet, der Raub am Staats­eigenthum konstatirt und der Verbrecher nach dem Buchstaben des Gesetzes zu lebenslänglicher Galeere verurtheilt, welche Strafe indessen im Wege der Gnade auf 15 Jahre gemildert seyn soll. Leider aber sind die sämmtlichen Goldmünzen (Lar, unter z. B. 90 Goldmedaillons römischer Pâbste, blos im Gold­werth von 3000 Scudi) theils verschwunden, theils durch schlechte oder falsche Exemplare ersetzt, und auch von den Sil, bermünzen ist nur der schlechteste Theil übrig gelassen worden.

Verantwortlicher Redakteur: W. H. Riehl.

^ I. III II im

Fruchtpreise.

Namen der Städte.

Datum der

Pr eise.

Waizen »v. Malter

Pfdifflkr.

Korn »v. Malter Pfeiff. Nr.

Gerste vr. Malter

Hafer pr. Malter

Psdi fl.

kr.

Pfdifl.

kr.

Bingen ....

16. Jan.

260

7

8

266

4

42

147

3

32

129

2

47

Diez.....

4. Jan.

310

10

35

290

7

20

260

5

17

4

20

Dillenburg . . .

19. Jan.

300

11

30

300

9

260

7

190

5

Friedberg . . .

25. Jan.

215

7

15

196

4

50

75

3

45

136

2

45

Hadamar....

21. Jul.

14

30

8

50

7

4

10

Herborn ....

19. Jan.

320

11

360

8

40

260

6

40

200

4

20

Mainz.....

18. Jan.

200

7

14

200

4

39

200

4

24

200

5

16

Wiesbaden . . .

24. Jan.

170

6

15

160

4

144

3

30

96

2

15

Druck und Verlag der & Schellenherg'schen Hof-Buchhandlung in Wiesbaden,