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Nassauische

Sonntag den 27. Januar 1850»

Zweite Ausgabe.

Uebersicht.

Zeitungsschau.

Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

Deutschland. Magdeburg (Politische Prozesse). Berlin (Die

Verfaffungskrifis). SB iien (Unterredung des Erzherzogs Johann mit

dem Kaiser. Die Gräfin von Meran).

Italien. Rom (Beraubung des vatikanischen Museums).

ZeLtungsschau

DaöMainzer Journal" râth in Betreff der Mainzer Bischofs wähl zur Versöhnung und schließt den betreffenden Artikel in folgender Weise:

Dem Mainzer Journal liegt hierbei die Erfüllung einer Pflicht ob, die uns selbst eine Genugthuung ist. Ja es ist wahr: eine Anzahl Artikel, welche unmittelbar nach jener ver- hängnißvollen Bischsfswahl in unserem Blatt erschienen, haben vielfach Aergerniß erregt und tief verletzt, und zwar nicht we­nige edle Menschen. Heute bei dieser Veranlassung stehen wir nicht an,'.Alles, was jene Artikel Verletzendes enthielten, von ganzem Herzen zu mißbilligen und zurückzunehmen. Es war jene Sprache der Leidenschaft ein Fehler, und mehr als ein Fehler, gern gestehen wir ihn ein. So unser Bekenntniß, der Erfolg wird zeigen, wie wir frühere Fehler gut zu ma­chen entschlossen sind. Also allen Denen, die in Einer Wahr­heit mit uns einig sind, die Hand zur Versöhnung, unsere Waffe soll fortan nur gegen Die gekehrt seyn, die ohne Glauben und Liebe zu der allen achten Katholiken gemeinsamen Wahr­heit , selbst die kirchlichen Angelegenheitew zum Verderben der Kirche wie der Gesellschaft zu mißbrauchen sich nicht scheuen. Wenn im Angesichte der Gefahren der Gegenwart ein Thiers und Montalembert sich die Hand bieten und Ersterer er­klärt, daß wer immer die Gesellschaft retten wolle, die Kirche vertheidigen müsse, so werden rheinische Katholiken , werden die Söhne der Stadt des heiligen BonifaziuS nicht die christ­liche Einheit zerreißen und die tief erschütterte Sittlichkeit und Religiosität deS Volkes durch unheilvollen Zwiespalt noch mehr erschüttern. Friede Allen, die guten Willens sind!

Die Breslauer Zeitung theilt folgende Aeußerung des neuen französischen Gesandten in Berlin, Hrn. v. Persigny, mit:Ich habe mit Freuden die königl, Botschaft vom 7. Jan. begrüßt, weil eS nothwendig ist, daß die Regierungen dem Uebermaß usurpirter Freiheiten gegenüber sich endlich zu einem entschiedenen Handeln wieder ermannen und sich gegenseitig stützend so die ihnen gebührende Stellung wieder erlangen."

Die Assisenverhandlungen zu Wiesbaden.

*** Wiesbaden, 26. Jan. (Fortsetzung). Bei diesem letz, tern Eingeständnisse ist er auch in mehreren nach dem Ilten Sept, mit ihm abgehaltenen Verhören im Ganzen und in allen Theilen stehen geblieben.

Die Scheuer des Philipp KappuS ist von der Schlen­kergasse aus, einer engen Nebenstraße, angezündet worden. Zeugen, welche die Anzündung derselben seitens des Wilhelm Hucke gesehen haben, konnten keine ermittelt werden.

Nach der Angabe des Angeklagten sind jedoch zwei Mäd­chen, die Eva Ruppel und die Margaretha Müller aus Oberursel, unmittelbar vor der Brandstiftung an solchem vor­bei gegangen, als er vor der Scheuer des Philipp Kappus mit dem Gesichte vor dem Wandgefache stand, durch dessen Oeffnung er das Stroh in der Scheuer angezündet hat. Diese beiden Mädchen haben eidlich ausgesagt, daß sie nur ganz kurze Zeit vor dem Brande eine Mannsperson vor der Scheuer des Philipp Kappus stehen gesehen, solche aber nicht er­kannt hätten.

Kupferschmiede Anton Janz, Seifensieder Nikolaus Crana, Drechsler Anton Keßler und Schreiner Heinrich Horn, alle aus Oberursel, haben daS Loch in dem Wand- gefache, durch welches Hucke das Stroh in der Scheuer an­gezündet hat, als sie nach dem Feuerlärm an die Scheuer eil, ten, gesehen.

Am Orte der That hat der Angeklagte die Stelle, auf welcher er gestanden, als die gedachten Mädchen an ihm vor­bei gegangen seyen, vorgezeigt, und die Mädchen selber haben diese Stelle als diejenige anerkannt, auf welcher sie die frag­liche Mannsperson vor dem Ausbruche des Brandes stehen gesehen hätten. Die Stelle in dem Wandgefache, durch welche Hucke das Stroh angezündet haben will, ist ganz genau die« selbige, in welcher Janz und Genoßen bei ihrer Ankunft ein Loch und durch welches Loch sie das Stroh in der Scheuer des Kappus brennen gesehen haben. Das Eingeständniß des Wilh. Hucke steht sonach nicht vereinzelt da, wird vielmehr durch Indizienbeweis unterstützt.

Den Brand, welcher noch in der Nacht des nämlichen Tages auf einem neben der Scheuer des Philipp Kappus be, legenen, dem Jakob Rompel gehörigen Stall ausgebrochen ist, sowie mehrere auö dem Anklageakte vernommenen Einzelheiten übergehen wir und werden solche nur alsdann nachtragen, wenn sie durch die heutigen öffentlichen Verhandlungen von Interesse für daS größere Publikum werden sollten.

Um 11 Uhr Mittags ist daS Verhör, welches der Assisen- präsident mit dem Angeklagten vorgenommen hat, vollendet. Wilhelm Hucke hat heute anfangs fast alle Theile seines früheren Eingeständnisses wiederholt, während deS Verhöres aber namentlich wieder zurückgenommen, daß er absicht­lich die Scheuer deS Kappus angesteckt habe und angegeben, daß er zur Zeit der That betrunken gewesen sey. Die heu­tigen Antworten deö Angeklagten sind übrigens so widerspre­chend und ungenügend, daß den darin enthaltenen Abweichun­gen von den früheren Angaben auch alles Gepräge der Glaub­haftigkeit mangelt.