Einzelbild herunterladen
 

lisch kN Worte zurufen: Hae tibi erunt artes, pacisque impo- nere morein, Parcere subjectis, et debellare superbos.

Zugleich wird sich das noch entferntere Ziel darstellen, wo das neue Hellenenthum von Süden her über den Hämos (Balkan) dem mit uns durch Oesterreich vorschreitenden Ger- manenthume die Hand entgegen kommend zum Bunde reicht.

Das unglückliche, dem langen türkischen Joche kaum ent­ronnene Volk, welches jetzt den allseitigsten diplomatischen In­triguen erliegt und seine eigenen Schlacken noch nicht gehörig abgeworfen hat, konnte Bavarismus und Germanenthum bald unterscheiden lernen, und die wahren Nationalen wissen dort recht wohl, daß die pariser Moocn auf dem Quai des PiräuS nicht das rechte Bild der Zivilisation sind, deren daS helleni­sche Volk eben so fähig als bedürftig ist. Die stillen Musen­tempel Deutschlands und Englands, wo die alte hellenische Gelehrsamkeit seit Jahrhunderten ihren Sitz hatte, lernten mit der neuhellenischen Sprache auch die wahren Gefühle des rin­genden Volkes. Go et he's Kunstsinn verschmähte es nicht, die wilden Klephthen-Lieder zu übersetzen und ihre Phantasiern zu Aufgaben der bildenden Kunst zu machen. In Paris lebte Koray, ein ächter Grieche, welcher lange vor der Auferste­hung mit reinigender Bildung der Sprache auch seines Volkes Sinn unermüdlich zu erhöben und zu bilden bemühet war, bis ihn bei hohem Alter der Tod mit der Feder in der Hand über­raschte. (Der Schreiber dieser Zeilen empfing in der letzten Zeit seines Ledens einen Brief von ihm, welcher mit den Wor­ten beginnt: Gest avec bien de la peine que je trace ce peu de lignes.)

Dahin, dahin weiset Oesterreichs Aufgabe! Und wer von ihm verlangt, daß es gleichmäßig im Süden wie im Norden Lie Fahne vortragen soll, ver begehrt Uebermemchliches von ihm, zu einer Zeit, wo alle Arbeiten Theilung, nicht Verdoppelung, erheischen. Darum verzeihen wir wohl allen österreichischen Staatsmännern, wenn sie vor Allem Oesterreich er seyn wollen, aber sie müssen dann auch nur mit diesem Grundsätze nach Süden sich wenden, nicht nach Norden. Wir in Deutschland begehren ein reines Germanenthum und diesem darf Niemand zum Führer sich anbieten, als reine Germanen, nicht wer durch Slaventhum und Romanenthum und wohl gar noch durch Magyarenthum vielfach hin und her bewegt wird; am wenig­sten eine Macht, welche ihre deutschen Provinzen selbst aus Deutschland und von den Entwickelungen des reinen Germanen- thums zurückziehet, um von diesem zweifelhaften Heilkraute nur eine solche Dosis und solche Mischung zuzulassen, wie sie ihr zweckmäßig scheint für ihre anderweitigen Tendenzen.

Doch wir leben der frohen und sichern Hoffnung, daß Oesterreich je länger je mehr von der Wahrheit des Vorstehen­den sich überzeugen und allmälig selbst unausführbare Ansprüche, die gar nicht mehr an der Zeit sind, im Stillen aufgeben wird. Zugleich hoffen wir aber auch, daß Oesterreich, wie es für Ungarn Mittel und Wege finden zu wollen scheint, um ihm bei Der neuen Zentralisation noch einige altgewohnte Formen zu belassen, so auch für seine deutschen Provinzen früher oder später Die Möglichkeit der Rückkehr zu dem früheren Verbände mit Deutschland finden und öffnen wird.

Dann ist Die Zeit gekommen zu der ewigen und un­auflösbaren Union zwischen Deutschland und Oester­reich, so weit man Völker in ihrer Eristenz ewig nennen kann. Dann werden beide Staaten, im Rücken durch gleiches Prinzip des Germanenthums innigst amalgamirt, nicht wie die zusam­mengewachsenen Siamesischen Jünglinge blos unbehülflich ge, worden, nach allen andern Seiten hinreichend sich schützen können, und beide, vereint durch Geist und Natur, stehen un­antastbar in der Mitte Europa's. Das ist der Weg, auf wel­chem wir das neue Oesterreich uns denken, an neuen Ehren und neuen Siegen reich.

Die weiteren Verhältnisse des Germanenthums nach Nor­den hin gedenken wir demnächst zu besprechen.

Deutschland.

* Wiesbaden, 25. Jan. Der Herzogliche Hof hat gestern von Petersburg durch einen Kourier Nachricht erhalten, daß Ihre Kaiserliche Hoheit die Cäsarewna und Großfürstin Maria Alerandrowna, geb. Prinzessin von Hessen, am 14. b. von einem Großfürsten glücklich entbunden worden ist.

f* Wiesbaden, 25. Jan. Unter den Unteroffizieren der »hiesigen Garnison haben sich in neuerer Zeit wiederholt auf­

fallende Ereignisse zugetragen. Vor mehreren Wochen deser- tirten zwei Kompagnie-Rechner mit nicht unbeträchtlichen Sum­men , deren Ersatz nunmehr von den Kompagnie-Chefs zu lei­sten seyn wird, ohne daß man bis jetzt eine Spur von denselben entdeckt hätte. Gestern Nachmittag erschoß sich der aus hiesiger Stadt gebürtige Sergeant W. in der Kaserne; nicht in Erfüllung gegangene und wohl auch unberechtigte Hoffnungen auf eine Beförderung zum Offizier sollen außer einem unglücklichen Liebesverhältniß die Beweggründe zu dieser Handlung gewesen seyn.

A Aus dem Amte Hochheim, 24. Jan. Die Urwahlen für den Erfurter Reichstag haben in hiesigem Amtsbezirke ein sehr günstiges Resultat geliefert, indem sämmtliche 15 Wahl- männer, mit vielleicht zwei Ausnahmen, der konstitutionellen Partei angehören. Von einzelnen Gemeinden waren die be­stimmten Wahlorte sehr schlecht besucht, welches indessen weni­ger der Hinneigung zum Demokratismus, als der lieben Gleich, gültigkeit und mitunter auch dem tiefen Schnee zuzuschreiben war, denn zu den sogenannten Errungenschaften gehört auch die, daß in vielen Gemeinden das Gute, welches bei dem frü, Heren Regmiment hinsichtlich der Fahrbarmachung der Wege zu allen Jahreszeiten geschah, jetzt gänzlich unterlassen wird, und der Fuhrmann und Fußreisende, welcher in diesem Winter resp, in Der gegenwärtigen Zeit das Unglück hat, die Wege im Amte Hochheim zu passiren, läuft große Gefahr, in dem Schnee stecken zu bleiben; rühmliche Erwähnung verdienen indessen die Orte Marrheim und Eddersheim, welche beide ihre sämmtlichen Wege durch Hinwegräumung der Schneemassen fahrbar gemacht haben.

Von der Aaar. Der gezwungene Beitritt der Staats, diener zu einem Gemeindebürgerverband hat allerlei zum Theil ergötzliche, zum Theil aber auch nachtheilige Folgen.

In einem benachbarten Orte, in welchem Die verschiedenen Gemeindedienste von den einzelnen Bürgern der Reihe nach verrichtet werden, wurde kürzlich der Arzt aufgefordert, die Nachtwache zu beziehen, ein ander Mal, einen halben Tag Schulholz klein zu machen. Schreiber dieses, gleichfalls Arzt, wurde heute zu einer bestimmten Stunde bei Vermeidung einer Strafe von 30 Kreuzer zum Schneeschöpfen kommandirt. Er gibt gerne zu, daß sein Stand ihn von öffentlichen Lasten nicht befreien kann, verlangt auch für seine Person keine Ausnahme vom Gesetz, er erlaubt sich nur die Frage:

Wie soll er sich bei einem Kollisionsfalle zwischen seinem Staats« und Gemeindedienst benehmen? Soll er ersteren auf Kosten des letzteren, oder umgekehrt versäumen? Eins muß er thun. Schreiber dieses hat sich erzählen lassen, daß ein Leh­rer in Hadamar, der zu einer Zeit, als er in der öffentlichen Schule Unterricht ertheilen sollte, zum Schneeschöpfen bei Strafe beordert worden war, die Schippe auf Den Rücken genommen, und seine Schule im Stiche gelassen habe.

Ich frage weiter:

Wie soll sich der Arzt benehmen, der, während er auf dem Posten eines Nachtwächters steht, den er nicht verlassen darf, zu einer entfernt wohnenden Kindbetterin gerufen wird? Dort soll er die Gemeivdeangehörigen vor Feuer und Dieben schützen, ein gewiß ernstes Amt, hier verlangt eine unglückliche, in höch­ster Gefahr und Schmerzen liegende Frau seinen Beistand: wohl auch nicht gleichgültig!

Ich frage weiter:

Wie ist es möglich, daß der Arzt, nachdem er einen hal­ben Tag Schulholz gehackt, oder Schnee geschöpft hat, eine Bruchoperation oder Trepanation, zu der er sich die Zeit nicht beliebig wählen kann, sondern zu der er in jeder Minute geschickt seyn muß, mit von der ungewohnten Anstrengung zit­ternden Händen machen kann?

Ich frage endlich:

Wer leidet bei solcher Einrichtung? Der Staatsdiener wahrlich am wenigsten.

Man werfe mit nicht ein, daß er sich könne vertreten las, sen. Ja daS kann er; allein muß er dies auch?

* In einem der Redaktion aus Dillenburg zugehcnden Schreiben wird mitgetheilt, daß man Heydenreich in Dil­lenburg, Herborn und der Umgegend jedenfalls als Abgeord­neten für Erfurt wählen werde, und daß die Bestrebungen Der dortigen Wahlmänner dahin gehen, ihn im ganzen Wahl­kreis durchzusetzen. Die Befürchtung wegen der hieraus mög, licher Weise eintretenden Kollision, rücksichtljch unserer Kam,