Nassauische
Allgemeine Zeitung.
«M 22. Samstag den 26. Januar 1854h
Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. — Der vierteljährige Prânume- rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des Großherzogthums und Kurfürstenthums Hessen, der Landgrafschaft Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und TariSschen Berwaltungsgebietes 8 fl. 1O fr. — Jnserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schelle«- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.
Uebersicht.
Europa und das Germanenthum.
Deutschland. Wallau (Die Wahlen). — Aus dem Kreisamte Herborn (Die Landjäger). — Frankfurt (Konflikt zwischen dem Stadtkommandanten und dem Truppenkommandanten). — Darmstadt (Protest der Linken gegen die Auflösung der Kammer). — KarlSruh e (Wahlaussichten). — Deutz (Der Rhein). — Trier (Die Mitangeklagten Grün's). — Erfurt (Das ParlamentshauS). — Wien (Vermischtes).
Frankreich. Paris (Vermischtes).
Großbritannien. London (Die Königin).
Ungarn. Pesth (Neue Akte der Versöhnung).
Kroatien. Agra m (Preßprozeß).
Amerika. (Kampf auf San Domingo).
Rußland. Peterburg (Baarvorräthe).
Sprechsaal für Stadt und Land.
Europa und das Germanenthum.
in.
0* Vom 22 Januar. Wie sehr nun auch Deutschland wünschen und dahin streben muß, in sich allein zu stehen und keinen, andern. Führer, zu-haben,. als einen, ureigenster Natur, der nothwendiger Weise mit ihm alle Geschicke in Freud und Leid, theilt, und wie nur unter solcher Voraussetzung das „Germanenthum" seine Weltstellung rein entfalten und alle Fülle seines Wesens zu Tage fördern kann; so wird und darf es Bundesgenossen, besonders verwandter Natur, keineswegs abweisen. Oben an stehet hier das vielfach verschwisterte Oesterreich, das wir fest halten müssen, wenn eS uns verlassen will, dem wir aber wehren müssen, wenn es unS beherrschen will, um uns, wie sonst, seinen Planen nur unterzuordnen.
DaS englische Morning Chronicle sagte kürzlich in einer Parallele zwischen Preußen und Oesterreich: „Von jener nationalen Einheit, von der Jung-Deutschland träumte, war Oesterreich nothwendig ein unversöhnlicher Widersacher;, denn diese Einheit war, wenn überhaupt erreichbar, nur erreichbar durch Oesterreichs Ausschluß." England ist aus-bekannten Handelsgründen bisher kein aufrichtiger Freund deutscher Einheit gewesen. Was aber den von vielen Seiten her fälschlicher Weise vorgebrachten „Ausschluß" betrifft, so haben darauf mehrere Artikel am Schluffe des vorigen Jahrganges, dieser Blätter, „Preußen oder Oesterreich?" überschrieben, weiter geantwortet.
Oesterreich zog selbst und wider Erwarten seine deutschen Provinzen aus dem Verbände des deutschen Bundes durch seine neue zentralistrte Verfassung zurück. Später freilich merkte man wohl den Fehler und suchte ihn dadurch wieder gut zu machen, daß man durch das deutsche „Interim", wo man aber den Besitz klüglich zwar nicht aufgab, aber doch temporisirend unentschieden in der Schwebe hielt, die frühere Stellung bei Deutschlands Leitung wieder zu gewinnen suchte. Darum sagt auch Morning-Chronicle; „Oesterreich muß jeden Nerv an
spannen und seine äußerste Geschicklichkeit aufwenden, nicht um seine Suprematie (Uebermacht), sondern um nur sein Daseyn als veulsche Macht zu wahren."
Die Union, welche Hr. v. Gagern und Hr. v. Ra- dow itz gleichmäßig dafür vorgeschlagen haben, klärt und sichert das Verhältniß, in welchem allein Oesterreich künftig zu Deutschlands Bundesstaate — aber auch Staatenbunde — stehen kann. Ob Deutschland ohne Oesterreich bestehen könne, wollen wir jetzt unerörtet lassen; es genügt, nach innern und äußern Gründen, die Thatsache,, daß Oesterreich ohne Deutschland nicht bestehen kann und will. Das innere Prinzip des „Germanen, thumS," worauf die ganze österreichische Monarchie, selbst nach der neuesten Zentralisation fort und fort beruhen wird und muß, so lange sie bleiben will, was sie ist und heißt, läßt für Oesterreich seine Trennung von Deutschland, als dem Sitze deS „Germanenthums," nimmermehr zu.
Das Nationalitätsprinzip ist kein leerer Traum „Jung- Deutschlands", wie Morning-Chronicle zwar sagt, vielleicht selbst gar nicht glaubt; sondern der mächtigste, und unauslöschlichste und unüberwindlichste Naturdrang jedes^Volkes, der wohl gehemmt, aber nicht vernichtet werden kann. Die alte Diplomatie wußte dies wohl, und darum war sie bemüht, allerlei Hemmnisse zu bereiten; Metternich ging so weit, diese verschiedenen Prinzipe der.österreichischen Monarchie auf einander platzen zu lassen,. ^u ihrer gegenseitigen Schwächung und desto leichterer Beherrschung. ,;
Aber Nationalitäten verschwinden. nur bei den gewaltigsten Stürmen der. Weltereignisse,- wie die große europäische Völkerwanderung war und erhalten sich oft dennoch theils in einzelnen Trümmern, theils in Vermischungen aller Art, wie eine Sprachenkarte Europa's.^ieß Zeicht darthut, besonders nach Osten..auf der Seite des Slaventhumes und nach Westen auf der ^Keite des RomanenthumeS. ^D.ie . Uebermacht der geistigen fâv materiellen Anziehungskräfte, wirkt dabei auf verschiedene Art nach Klima, Stämmen und Mghèrungsformen.
(Schluß folgt.) .... . „ .
Deutschland,
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* In Wallau sind zu Wahlmännern gewählt worden: PH. Born aus Wallau, PH. Koch aus Delkenheim, Schul- theiß Gieb ermann aus Maffenheim.
0 Aus dem Kreisamte Herborn, 20. Jan. Die neuerrichteten -.Landjäger (Gensd'armen) haben während der kurzen Zeit ihrer Dienstthätigkeit auch in hiesiger Gegend alle Erwartungen, die man von einer solchen Einrichtung hrgte, über, troffen. Man muß dies lediglich der glücklichen- Auswahl bei Errichtung des Korps zuschreiben, indem nur Männer von erprobter Zuverlässigkeit und Diensteifer neben imponirenden militärischen Aeußern gewählt worden zu seyn scheinen. Trotz deS üblen Wetters, deS tiefen Schnees und der weiten Enrfermin- gen zeigen sich dieselben sehr häufig zu allen Tags- nnd.Nacht- zeiten in sämmtlichen Ortschaften, was für die Versehung der