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5) Endlich meint unser Gegner:wenn wir uns nicht eilen, wird die Kassel-Thüringer-Bahn sich der Köln-Mindner anschließen" u. s. w. Das ist erstlich deßhalb ganz falsch, weil unsre Eile da nichts mehr fruchten würde; denn die Fortsetzung der Friedrich,Wilhelm-Nordbahn von Kassel über Lippstadt nach Hamm (Köln-Mindner-Bahn) ist bis Haunda schon fertig und von da ab im Bau begriffen; zweitens ist eS gar nicht abzu­sehen, wie diese Bahn unser Landmit Breiern vernageln" soll. Nein, wir müssen uns allerdings eilen, sonst wird die schon nivellirte und berechnete Bahn von Marburg nach Deuz gebaut und dann bekom­men wir weder eine Nord- noch eine Lahnbahn; erstere nicht, weil dann die Verbindung zwischen Frankfurt und Köln hergestellt ist; diese nicht, weil die zu nahe Pa­rallelbahn sie nicht aufkommen ließe.

Am Schluffe wird von der Westerwälder Bahn mit mäch­tigem Pathos gesagt:Recht, Natur und Himmel stehen ihr zur Seite." Das Recht auf eine Bahn werden wir nicht einmal den Samojeden, geschweige unsern Mitbürgern absprechen; aber diese werden das auch uns las­sen; oder haben sie irgendwo ein Privileg erwirkt? Das Recht wird hier Derjenige behalten, der das vernünftigste Pro­jekthat, Garantie des Ertrags bietet und dadurch Geld schafft! Die Natur? nun die hat freilich keine stählerne Mauer zwischen Wiesbaden und Deuz gesetzt, aber doch respektable Berge. Und der Himmel? Was hat der mit Eisenbah­nen zu thun? Doch halt! der schenkt dem Westerwalde vor­zugsweise Schnee. Schade, daß die Bahn diesen Winter noch nicht fertig ist, der Schnee hätte einen Haupt-Ausfuhr- Artikel abgeben können!

Am nächsten Sonntag (v. 27.) findet die angekündigte Versammlung in Limburg statt, die Betheiligung aus allen Städten von Gießen bis Koblenz wird, wie dem Komite viel­fach berichtet worden, eine höchst lebhafte seyn. Wir werden Ihnen gleich nach derselben die in Nr. 6 versprochenen weiteren Ausführungen liefern.

Mainz, 22. Jan. (Darmst. Ztg.) Ehegestern Abends hat sich abermals der Fall ereignet, daß auf der Augustiner­gasse ein hessischer Soldat von zwei Burschen angefallen wurde, von denen d;r eine den Soldaten nach verschiedenen Schimpf­reden mit der einen Hand an der Brust faßte, indessen er mit der andern Hand in seinen Taschen wahrscheinlich nach einem Messer suchte, worauf der Soldat seinen Säbel zog und dem Angreifer einen Hieb in den Arm versetzte. Schade, daß nun der Landtag aufgelöst ist, sonst hätte sich unserem trefflichen Abgeordneten, Bürger Müller-Melchiors, eine schöne Gelegen­heit geboten, den Kriegsminister, General v. Schäfer-Bernstein, wegen der Brutalität des hessischen Militärs gegen wehrlose Bürger, zu interpelliren.

Frankfurt, 23. Jan. DaSFrankfurter Journal" bringt folgende telegraphische Depesche aus Berlin, 23. Jan., Mit­tags. Die Debatten über die Botschaft vom 7. sind heute in der Kammer nicht eröffnet worden; man hat auf ein paar Tage hin solche verlegt.

Karlsruhe, 22. Januar. Die seit einiger Zeit als bevor­stehend angekündigte Anordnung, daß die wegen Theilnahme an dem Aufstand geflüchteten Staatsangehörigen ihres Staats­bürgerrechts verlustig erklärt werden sollten, ist in Vollzug ge­treten. DaS Bezirksamt Konstanz hat 17 Personen, welche sich der Untersuchung durch die Flucht entzogen haben, auf Grund des § 9 b, d des IV Konstitutionsedikts vom 1. Juni 1808 wegen beharrlicher Landesflüchtigkeit lws Staatsbürger­rechts für verlustig erklärt. Es befinden ftcb carunter mehrere Bürger von Konstanz und der ehemalige Abgeordnete Rinde­schwender von Rastatt. Diese Maßregel wird den Aufenthalt der Geflüchteten in der Schweiz, da sie nun heimathslos sind, sehr erschweren. Die Aemter Möskirch, Salem und Oberkirch haben gleiche Erkenntnisse erlassen.

Weimar, 19. Jan. (D. Z.) Der Landtag scheint sterben zu wollen und im Gerüche der Demokratie sterben zu wollen: er hat ein suspensives Veto dekretirt, er hat dem Vorstand das Recht ertheilt, den Landtag zusammenzuberufen, wenn die Regierung innerhalb der verfassungsmäßigen Frist die Einberu­fung nicht verfügt, er hat endlich die Aufnahme bcS neuen demo­kratischen Wahlgesetzes in die Verfassung verlangt, Alles unter Widerspruch der Regierung. DaS Resultat ist unter den gegen wärtigen Konstellationen unschwer vorauszusehen.

Dresden. Aus zuverlässiger Quelle, sagt ein dresdener Korrespondent der Breslauer Zeitung, kann ich die Mitthei- lung machen, daß die Vermählung der Prinzessin Elisabeth (geb. 4. Febr. 1830), der zweiten Tochter des Prinzen Johann, mit dem Herzoge von Genua (geb. 15. Nov. 1822), dem Bruder des Königs von Sardinien, bald nach dem Osterfeste in Dresden stattfinden wird.

Dresden, 20. Jan. (O.-P.-A.-Z.) Gestern sind, was dem Gerüchte zufolge schon vorige Woche geschehen seyn sollte, den auf dem Königstein befindlichen Maigefangenen H e ubner, Bakunin und Röckel die Urtheile des Appellationsgerichts publizirt worden. Die Vertheidiger der Jnhaftirten waren gegenwärtig. Die auf den To d lautenden Erkenntnisse wurden von diesen mit voller männlicher Fassung ausgenommen, und Bakunin sprach sogar den Entschluß aus, sich dem Urtheil ohne Appellation zu unterwerfen, waS natürlich nicht in seiner Gewalt steht. Man ist sehr begierig auf die Urtheile des Oberappellationsgerichts, we cheS, wie man allgemein glaubt, die vom Appellationsgericht gefällten nicht bestätigen wird. Als Heubner die ihm wie seinen Genossen mitgetheilten Entscheidungsgründe las, schüttelte er mehrere Male er war selbst Richter, Justizamtmann in Freiberg bedenklich und verwundert das Haupt. Ueber die Behandlung in ihrer Gefangenschaft sprechen sie sich übrigens günstig aus und loben insbesondere die Humanität deS Kommandanten, veS Generals Birnbaum; nur klagten sie darüber, daß man ihnen noch keine Zeitungen zustelle. So viel wir wissen, hat der General nichts gegen die Lektüre, und man hofft, daß ihnen wenigstens von nun an ihr Wunsch erfüllt werden wird. Alle, die mit ihnen auf dem Königstein in näherer Verbindung stehen, sprechen sich sehr vortheilhaft über das gebildete und würdige Benehmen derselben aus. Als Männer von geistiger Bedeutsamkeit waren sie schon längst bekannt.

Großbritannien.

London, 19. Januar. Der Kaiser von Rußland hat seine Anleihe so gut wie zu Stande gebracht, aber auch sHerr Cobden hat gestern sein Protestmeeting gegen diese Anleihe glücklich zu Stande gebracht; wer sich von beiden nach solchen Erfolgen zufriedener und über den Andern erhabener dünken wird, möchte schwer zu sagen seyn. Männer von Intelligenz, Rang, Einfluß, Reichthum scheinen außer Cobden wenige oder gar keine diesem Meeting, welches in der London Tavern ab­gehalten wurde, beigewohnt zu haben, oder man müßte denn einige Geistliche der dissentirenden Kirche und den Redakteur des Jewish Chronikle dahin zählen. Herr Cobden hielt eine lange Rede im bekannten Style mit mancherlei komischen Jn- termezzo's, wodurch er die Lacher für sich gewann. Sein An­trag auf eine Erklärung,daß, wer Geld an Rußland leihe, auch dessen Gewalt- und Blutthaten in Ungarn gutheiße," wurde einstimmig angenommen.

In Killarney (Irland) ereignete sich am 14. Abends ein furchtbares Unglück. Das Arbeitshaus für Weiber geneth in Brand; es gelang die im nördlichen Flüge! Befindlichen zu retten, bis auf zwei oder drei, welche von den Leitern stürzten; die im südlichen Flügel fanden die AuSgangsthüren verschlossen, suchten nach einem Ausweg und gcriethen auf einen Flur, der unter ihnen zusammenbrach. 28 Frauenzimmer büßten bei die­sem Unfall sofort ihr Leben ein, viele Andere erhielten schwere Verletzungen.

Italien.

Der Allgemeinen Zeitung wird als Beitrag zu den Be­richten über den Zustand Siziliens mitgetheilt, daß die Polizei in den größern sizilischen Städten sogar das Tragen der Bärte verboten hat, und daß namentlich in Messina eine Anzahl wider- spenstiger junger Leute von den Sbirren ergriffen, nach der Polizeiwache gebracht und von, dort mit geschorenen Bärten wieder entlassen wurde. Dergleichen ward freilich selbst unter dem despotischsten Regiment in Khiwa und Bokhara nie er­hört. Die nächsten Jahre dürften vielleicht den Beweis lie­fern , ob dies die rechte Methode ist, künftigen Revolutionen v o r z u b e u g e n.____

Verantwortlicher Redakteur: M. S. Riehl.