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Nassauische

Allgemeine Zeitung.

M 2L

Freitag den 23. Januar

1830.

Die Nass. Allg. Zeitung erscheint zweimal, die Beiblätter einmal täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Der vierteljährige Pränume» rationspreis ist in Wiesbaden, für den Umfang des HerzogthumS Nassau, des GroßherzogthumS und Kurfürstenthums Hessen, der Landgraffchast Hessen-Homburg und der freien Stadt Frankfurt 8 fl., in den übrigen Ländern des fürstlich Thurn- und Tarisfchen VerwaliungSgebieteS 8 fl, 1O fr. Inserate werden die dreispaltige Petitzeile oder deren Raum mit 3 fr. berechnet. Bestellungen beliebe man in Wiesbaden in der L. Schellen- berg'schen Hof-Buchhandlung, auswärts bei den nächst gelegenen Postämtern zu machen.

Uebersicht.

Europa und das Germanenthum.

Deutschland. Weilbach, Langenschwalbach, Limburg und Hahnstätten (Die Wahlen). Weilburg (Die Wahlen. Unge­hörige Veröffentlichung von Prozeßakten. Erfrieren einer Schildwache). Von der Lahn (Die Lahneisenbahn). M a inz (Erzeß). Frank­furt (Telegraphische Depesche). Karlsruhe (Die Flüchtlinge hei­mathlos gemacht). Weimar (Der Landtag). Dresden (Ver­mischtes. Heubner, Röckel und Backunnin).

Großbritannien. London (Die russische Anleihe).

Italien. (Polizeidespotismus in Sizilien).

Europa und das Germanenthum.

II.

S* Vom 19. Zan. Eine andere Aeußerung der bayeri­schen Denkschrift ist,daß das Germanentum unter Oester­reichs Führung die Geschicke von Europa beherrschen werde." Wir haben früher gesagt, daß das Germanenthum für Oester­reich nicht Zweck sey und seyn könne, sondern nur Mittel, wenn auch eben so brauchbares, als nöthiges und unumgäng­liches. ES ist klar, daß man dasjenige, was man als Mittel nöthig hat, zu handhaben sucht, um zu verhüten, daß es nicht weiter wirkt, als man eben will und nöthig hat. Deutschland ist lange genug unter Oesterreichs Führung gewesen, und hat nach dieser Führung mit seinem Blute die Geschicke Europa's entschieden beherrschen helfen, aber leider! ohne daß seine eige­nen Geschicke dabei gut berathen oder zum Heile geführt wor­den waren. Wir wollen kein Sündenregister aufzählen, wie nahe es auch liegt.

Wir akzeptiren aber den eben nicht neuen Satz, wie uner­wartet er auch nach Form und Inhalt uns aus Bayern ge­rade jetzt kommt,daß daS Germanenthum die Geschicke Euro- pa'S beherrschen werde," nur mit Ausschluß der österreichischen Führung. Goethe hat längst die Vermählung des Germa­nenthums und des HellenenthumS, des modernen und dcö antiken Elementes, der Subjektivität und der Objektivität, im zweiten Theile des Faust durch die Vermählung Faust's mit der Helena gefeiert, und theoretisch und praktisch eine Welt- Poesie und Weltliteratur angebahnt. Die deutsche Philosophie, mit welcher Goethe bewußt und unbewußt gleichen Schritt hielt, führte auch auf ihren Wegen zu solchen Resultaten. Die deutschen Gelehrten haben an allen Untersuchungen am Him­mel und auf Erden Theil genommen, und, obwohl als Bin­nenländer in minder günstiger Lage, doch über die Literaturen der ganzen Welt, als Aller-Weltö-Bibliothekare, nicht nur Buch und Rechnung geführt, sondern in eigenen Forschungen über Indiens und Aegyptens Geographie, Geschichte und Sprache, mit andern See-Nationen erfolgreich gewetteifert, oft sogar Entdeckungen gemacht und neues Licht angezündet.

Ueberall, wo der Deutsche die Flügel seines Genius un­behindert ausbreiten konnte, hat er die Wahrheit und die Wis­

senschaft gefördert, Heil und Glück Anderen bereitet und Ruhm und Ehre und Bewunderung seiner Nation bis zu den fernsten Gegenden gewonnen. Nur ein einziges Fach menschlicher Thä­tigkeit, und eben das nächste und nothwendigste, die Politik und Staatengestaltung ist ihm mißlungen, oder vielmehr von .ihm unberührt geblieben, weil er durch Anderer Macht und Widerstand verhindert war, daran irgend Theil zu nehmen, außer daß seine Söhne auf allen Schlachtfeldern innerhalb und außerhalb deS Vaterlandes die alte Tapferkeit bewährten und mit angestammter Treue den Fahnen folgten, zu denen sie mit und ohne Neigung versammelt wurden.

So war es aber nicht in alter und ältester Zeit, denn man muß weit zurückgehen in der deutschen Geschichte, um ihre Glanzpunkte hervorzuheben und um Dasjenige zu erken­nen, was allmählich zur Auflösung führte, die viel früher be­stand und gefühlt wurde, ehe sie langsam zum Ene führte.

Ein neuerer gründlicher Forscher, begeistert für Kaiserthum und Reich nach älterer Gestalt, und dem österreichischen Herr­schergeschlechte die deutsche Krone haltend, kann doch nicht um­hin, der Wahrheit die Ehre zu geben. Wir entheben Einiges seiner Darstellung:Die menschlichen Zustande sind nicht für immer. Wenn die Blüthe sich entfaltet, naht auch schon'der Tod. Gerade die Kaiserkrone, die herrlichste Erwerbung, ent­hielt ein bitteres Gift. Italiens Klima zerstörte die physischen Kräfte unserer Herrscher. Daher nicht blos längere Abwesen­heiten derselben, sondern auch Minderjährigkeit, Dynastieen- wechsel, Schwächung der Zentralkraft, und somit unter dersel­ben fränkischen Verfassung in Deutschland ein ganz anderer Verlauf, als in Frankreich, wo die Krone die Vasallen sich unterwarf, während sie bei uns von diesen zerstückt wurde."

Kaiser Friedrich II. machte sich nicht zur Hauptaufgabe, daS königliche Ansehen in Deutschland wieder herzustellen, son­dern er suchte in seinem Geburtslande Italien, wo er drei Viertheile seiner 40jährigen RegierungSzeit zubrachte, den Mit­telpunkt seiner Macht, wodurch er zu Deutschland und zur Kirche in eine falsche Stellung gerieth, die ihm die Krone ko­stete, wie dies Höfler richtiger als bisher darzustcllen be­müht war." (Schluß folgt.)

Deutschland.

Q Weilbach, 21. Jan. Bei unseren gestrigen Urwahlen waren wenig Theilnehmer; ein großer Theil derselben konnte des schlechten Wetters wegen nicht kommen. Von Weilbach selbst war die 2. und 3. Abtheilung sehr mangelhaft vertreten. Gewählt wurde in der 1. Abtheilung Hr. Paul Weilbächer, ehemaliger Abgeordneter, in der 2. Hr. Bürgermeister Kleber von Diedenbergen und in der 3. Abtheilung Hr. Phil. Orth von Weilbach, sämmtlich Anhänger der deutschen Sache.

A Langenschwalbach, 21. Jan. Bei der gestrigen, in An­betracht der' vorliegenden vielfach ungünstigen Umstände zahl­reich von Urwählern besuchten Wahl wurden für die 1. Klasse Landoberschultheiß Herber, für die 2. Klasse Justizamtmann Winter, für die 3. Klasse Kreisamtmann Vogler zu Wahl­männern gewählt.